Kult-Baum

Heisinger retten ihren schiefen Kult-Baum vor dem Schredder

Vor allem in der Mitte fehlen der Heisinger Tanne zahlreiche Äste.

Vor allem in der Mitte fehlen der Heisinger Tanne zahlreiche Äste.

Foto: Herbert Höltgen

Essen-Heisingen.   Menschenkette, Kirchenasyl, Demo: Es gab viele Ideen zur Rettung des schrägen Heisinger Baumes. Nun wird er im zweiten Kreisverkehr aufgestellt.

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Der schiefe Weihnachtsbaum von Heisingen ist gerettet: Die krumme Tanne landet nun doch nicht – wie von vielen befürchtet – im Schredder, sondern darf das Fest der Liebe in seiner ganzen „halben Pracht“ erleben. Einen neuen Weihnachtsbaum gibt es dennoch – der Heisinger Werbegemeinschaft sei dank.

Das Schicksal der windschiefen Tanne hatte in den vergangenen Tagen für reichlich Aufregung im Dorf gesorgt. Anfangs verschmäht, war der Baum mittlerweile etlichen Heisingern ans Herz gewachsen. Die Nachricht der Heisinger Bürgerschaft, die Tanne würde zu Kleinholz verarbeitet, löste daher auf etwa Facebook einen wahren Sturm der Entrüstung aus.

Umfrage fiel eindeutig aus: Pro schiefe Tanne

Sogar eine Umfrage wurde gestartet, um über die Zukunft des Weihnachtsbaumes zu entscheiden. Das Votum fiel eindeutig aus: Die Heisinger lieben ihren „Kultbaum“ und wollen ihn unter allen Umständen retten.

Noch am Wochenende wurde online darüber diskutiert, eine Menschenkette zu bilden, um das neue Prestige-Objekt des Stadtteils zu schützen, hatte doch die Heisinger Werbegemeinschaft angekündigt, den Baum gegen ein makelloses Exemplar austauschen zu wollen. „Zwischenzeitlich bot sogar die Kirche Asyl für die krumme Tanne an“, sagt Jens Kürvers schmunzelnd.

Heisingen hat Platz für zwei Weihnachtsbäume

Bei so viel floristischer Nächstenliebe musste sich der Chef der Heisinger Werbegemeinschaft also etwas einfallen lassen – und der fand nun die perfekte Lösung. „Heisingen hat bekanntlich zwei Kreisverkehre, also auch Platz für zwei Weihnachtsbäume.“ Der Kultbaum zieht um und wird bereits am Dienstag am großen Kreisverkehr gegenüber der Tankstelle aufgerichtet.

Schon am Montag wurde eine rund ein Meter lange Bodenhülse ins Erdreich getrieben, um der Tanne den nötigen Halt zu geben. Ihr Nachfolger wird wie geplant am Dienstag, 6. Dezember, gegen 13 Uhr vom Gartenbaubetrieb Madenci Scharenberg zum kleinen Kreisverkehr gebracht und dort von einem eigens von der Werbegemeinschaft engagierten Deko-Team am Mittwoch geschmückt.

Neuer Baum stammt aus Liste für Willy-Brandt-Platz

Der neue Baum stammt übrigens aus einer Liste von Baumspenden für den Essener Weihnachtsmarkt in der Stadtmitte. „Ein einziger von insgesamt 60 vorgeschlagenen Bäumen stammt aus einem Heisinger Vorgarten“, sagt Jens Kürvers. „Es ist nicht der schönste von allen, aber der wird es nun werden.“ Zumindest die Hälfte davon: Fehlt dem alten Baum eine Seite, so wird die neue Tanne in ihrer Höhe beschnitten werden müssen, denn in der Innenstadt denkt man in größeren Dimensionen.

Kürvers: „Der Baum ist knapp 25 Meter hoch, daher kappen wir ihn auf halber Höhe und nehmen nur den oberen Teil.“ Der unteren Zweige der schmucken Edeltanne werden in der Ortsmitte von den Pfadfindern verkauft, der Erlös kommt der Jugendarbeit in Heisingen zu Gute.

Fünf Tage lang können Bürger alten Baum schmücken

Doch Jens Kürvers hat noch eine weitere Weihnachtsüberraschung in petto: „Wir lassen den Kultbaum auf halber Höhe einrüsten. Ab Mittwoch haben die Heisinger dann fünf Tage lang Zeit, ihren Liebling individuell zu gestalten. Wer sich daran beteiligen will, tut dies allerdings auf eigene Gefahr. „Wir können da natürlich keinen Versicherungsschutz übernehmen“, sagt Kürvers.

Am Ende nimmt die Baumaffäre ein gutes Ende für alle Beteiligten. Und die Heisinger können beruhigt Weihnachten feiern - unter dem Baum, den sie am liebsten mögen.

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