Stadtteil-Geschichte

Heimatforscher berichtet über Geschichte von Kockshusen

Das Gebäude am Pilgrimsteig in Essen-Rellinghausen, in dem sich heute das Restaurant Kockshusen befindet, wurde bereits 1688 errichtet.

Das Gebäude am Pilgrimsteig in Essen-Rellinghausen, in dem sich heute das Restaurant Kockshusen befindet, wurde bereits 1688 errichtet.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen-Rellinghausen/Haarzopf.  Ein Haarzopfer Hobbyhistoriker hat für sein Buch über Schloss Schellenberg viele Details zum Bauherrn des 1688 entstandenen Hauses recherchiert.

Der Haarzopfer Heimatforscher Herbert Schmitz reagiert auf den Artikel über das Restaurant Kockshusen. Er selbst habe für sein Buch über das Schloss Schellenberg zu diesem Thema recherchiert und interessante Fakten über die Geschichte des denkmalgeschützten Fachwerkhauses am Rand des Schellenberger Waldes herausgefunden.

Das Fachwerkhaus sei von dem mächtigen Domherrn Wilhelm Franz von Vittinghoff genannt Schell (1619-1700) errichtet worden, der intensiv geplant und langfristig die wirtschaftlichen Grundlagen des Hauses – bis heute – gelegt habe, so Schmitz. Aufgewachsen im Schloss Schellenberg, sei Wilhelm Franz von Vittinghoff genannt Schell als Mönch in die Bistumsstadt Paderborn gegangen und dort zum einflussreichen Domherrn aufgestiegen.

Der Bauherr hat sich auf dem Türbalken verewigt

Als Bauherr habe er sich selbst und die Tatsache, dass er das Haus 1688 errichten ließ, auf dem breiten, noch heute sichtbaren Türbalken verewigt. Dort steht auf Lateinisch geschrieben: „Der hochwohllöbliche und achtbare Domherr Wilhelmus Franciskus Vittinghoff genannt Schell; Kantor und Senior des Bistums Paderborn und Domkirche Paderborn“.

Laut Herbert Schmitz habe der Domherr, der ja berufsbedingt eigentlich in Paderborn lebte, nur zeitweise zur Kontrolle in Schellenberg gewesen. Der Domherr, der als einziger aus der Familie katholisch geblieben sei, habe seine Familie, die inzwischen evangelisch geworden sei, quasi zum katholischen Glauben zurückgezwungen. Laut Schmitz habe er seine Angehörigen dabei mit seinem nicht unerheblichen Erbe unter Druck gesetzt.

Dennoch habe der Domherr viel Geld für die Familie, die ihm Zeit seines Lebens sehr nahe war, ausgegeben. Im Schloss Schellenberg seien stets Zimmer für Wilhelm Franz Vittinghoff genannt Schell reserviert geblieben. Der reiche Domherr habe mildtätige Stiftungen in Rellinghausen und Paderborn ins Leben gerufen, Rittersitze, Höfe sowie große und kleine Kotten für die Familie angelegt.

1670 habe er dann eine Hauskapelle im Schloss Schellenberg bauen lassen, die bis heute erhalten ist. Für den dort tätigen Vikar habe er das heutige Kockshusen als Wohnhaus mit Garten bauen lassen, so Schmitz.

Die Aktivitäten des Domherrn sind in einem Urkundenbuch verewigt

Die Aktivitäten des Domherrn seien in einem 390 Seiten starken, beidseitig beschriebenen Urkundenbuch mit Pergamentumschlag dokumentiert und nachzulesen. Dieses werde im Schloss Kalbeck bei Weeze, dem Wohnsitz der heutigen Familie von Vittinghoff genannt Schell, aufbewahrt. Auch das 1674 errichtete „Lusthaus“ im Park Schellenberg erinnere an den Domherrn.

Um 1800 habe dann zeitweise der Koch des Schlosses Schellenberg das Gebäude bewohnt. Dieser erscheine noch um 1810 mit dem Namen Lecomte auf der Gehaltsliste der Schellenberger Angestellten. Herbert Schmitz sieht darin die Erklärung für den Namen Kockshusen: „Die Berufsbezeichnung ist auf das Gebäude übergegangen und bis heute bestehen geblieben.“

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