SPD

Heftiger Streit in der SPD um Karnaper Ratsherr Schwamborn

Ratsmitglied Michael Schwamborn, damals noch Mitglied der EBB, bei einer Rede im Juni 2017 im Stadtrat.

Ratsmitglied Michael Schwamborn, damals noch Mitglied der EBB, bei einer Rede im Juni 2017 im Stadtrat.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen-Karnap.   Der Ortsverein Karnap kämpft gegen die Aufnahme des früheren EBB-Politikers Michael Schwamborn in die SPD. Landesvorstand muss entscheiden.

Riesiger Krach in der SPD um Michael Schwamborn (56): Der Karnaper Ortsverband wehrt sich mit allen parteirechtlichen Mitteln gegen die Aufnahme des ehemaligen Mitglieds des Essener Bürgerbündnisses (EBB). Jetzt liegt der Fall beim SPD-Landesvorstand in Düsseldorf.

Der Bericht vom Donnerstag, 8. November, in dieser Zeitung über die Ansiedlung eines Schnellrestaurants in Karnap ließ offenbar das Fass endgültig überlaufen. „Jeder in Karnap ist froh, dass das Grundstück nun genutzt wird“, wurde das SPD-Ratsmitglied Michael Schwamborn darin zitiert.

Leserbrief des SPD-Ortsvereins Karnap

Das veranlasste Denis Gollan, Vorstandsmitglied des SPD-Ortsvereins Karnap, zu einem Leserbrief: „Spricht Herr Schwamborn jetzt für alle Karnaper? Nach meinen Informationen ist er weder Karnaps Bürgermeister noch Mitglied der zuständigen Bezirksvertretung. Er ist lediglich nur über die Liste des Essener Bürgerbündnisses zum Ratsherren geworden.“

Damit drückt er die Vorbehalte gegen Michael Schwamborn aus, der zehn Jahre lang Fraktionsvorsitzender des EBB in der Bezirksvertretung V in Altenessen und zuletzt EBB-Ratsmitglied war. Im Sommer dieses Jahres verließ er jedoch das Bündnis, „weil die Gesinnung der AfD noch immer da ist“, wie er der Redaktion gegenüber sagt. Für ihn sei es von entscheidender Bedeutung, gegen „die braune Soße“ anzukämpfen. Deshalb habe er die Programme aller Parteien durchgesehen und dann für sich festgestellt: „Es kommt nur die SPD infrage.“ Trotz zahlreicher Anfragen habe er anderen Organisationen abgesagt.

Man spricht nicht miteinander

Die Alternative wäre gewesen, völlig mit der Politik aufzuhören: „Doch ich habe noch Projekte, die ich weiterführen möchte.“ Außerdem sei er „vom Bürger gewählt, egal, ob das EBB oder die SPD hinter mir steht.“ Nach einer dreimonatigen Hospitanz in der SPD sei er letztlich „wunderbar“, nämlich einstimmig von der Ratsfraktion aufgenommen worden. Dazu habe der Unterbezirksvorstand ebenfalls einstimmig beschlossen, dass er nun Mitglied im Ortsverein Karnap werden soll.

Doch das machen die Sozialdemokraten um Vorstand Stephan Duda nicht so einfach mit. Gegen Michael Schwamborns Aufnahme-Antrag haben sie Widerspruch erhoben. Das bestätigt Essens SPD-Vorsitzender Thomas Kutschaty. Gegen diesen Widerspruch hat wiederum Michael Schwamborn Beschwerde eingelegt. Scheinbar mit Erfolg. Denn nach einer Anhörung beider Seiten schloss sich der Parteivorstand der SPD Essen dem Votum der Fraktion an und stimmte für ihn als Neuzugang. Doch auch dagegen wehrt sich die SPD in Karnap, so dass nun der Landesvorstand der Partei in Düsseldorf das letzte Wort hat. Möglicherweise trifft er noch an diesem Wochenende eine Entscheidung.

Kutschaty: „Diesen Streit können wir nicht gebrauchen“

Thomas Kutschaty, der nicht Mitglied des Landesvorstands ist, kommentiert die Auseinandersetzung mit Galgenhumor: „Es ist nicht so leicht, in die SPD einzutreten.“ Tatsächlich ärgert er sich jedoch über diesen Streit: „Den können wir derzeit nicht gebrauchen.“

Michael Schwamborn weiß, dass er bei den neuen Parteikollegen in Karnap einen schweren Stand hat: „Die Situation ist nicht erquickend. Ich biete täglich dem Vorstand an, mit mir zu sprechen.“ Doch das sei bis heute nicht geschehen.

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