Boulevardtheater

Hausmeister Krause: So lief das Bühnen-Comeback in Essen

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Da ist er wieder! Tom Gerhardt in seiner Paraderolle als Hausmeister Krause – auf der Boulevardbühne im Essener Rathaus-Theater.

Da ist er wieder! Tom Gerhardt in seiner Paraderolle als Hausmeister Krause – auf der Boulevardbühne im Essener Rathaus-Theater.

Foto: Dennis Haentzschel

Essen.  Vom Bildschirm auf die Boulevardbühne: Tom Gerhardt hat die Kultfigur Hausmeister Krause wiederbelebt. Und Essen feiert die Welturaufführung.

Es ist ein schwarzer Tag im Leben von Hausmeister Krause: Dackel Bodo ist tot, Ehefrau Lisbeth will die Scheidung, und Krause selber ist auf dem besten Weg, als in die Bedeutungslosigkeit degradierter Napfmeister vom Kölner Dackelclub KTC 1881 e.V. aus dem Leben zu scheiden. Dabei hat Dieter Krause eigentlich Großes vor. Nichts weniger als der Sturz von Vereinspräsident Karl ist mal wieder geplant. Eine eiskalte Machtübernahme zwischen hartgekochtem Ei und Lachsschnittchen.

Aber irgendwas geht ja immer schief im Leben des Paradehausmeisters, den Tom Gerhardt über viele Jahre zur Comedy-Kultfigur gemacht hat. Im Rathaus-Theater feiert Krause nun sein Comeback – und wechselt vom Bildschirm auf die Boulevardbühne. Die Uraufführung von „Du lebst nur zweimal“ wurde in Essen jetzt unter großer medialer Anteilnahme gefeiert.

Hausmeister Krause: Für Essener Rathaus-Theater in Coronazeiten ein Glücksfall

Für das Essener Privattheater ist diese besondere Premiere mitten in Coronazeiten ein Glücksfall. Auch wenn Krauses letzter TV-Einsatz schon beinahe zwölf Jahre zurückliegt, ist diese Hausmeister-Instanz für viele doch immer noch Kult, die Fangemeinde beträchtlich.

Den grauen Kittel allerdings hat Gerhardt auf der Bühne abgelegt. Zu Beginn erlebt man ihn sogar am Bügelbrett. Gleichberechtigte Zeiten im Krause-Kosmos? I wo. Ehefrau Lisbeth muss hinter den wahren Leidenschaften ihres Angetrauten immer noch zurückstecken. Der heiß geliebte Dackel Bodo ist zwar verstorben, aber ein liebevoll geschmückter Schrein macht ihn im Hause Krause unsterblich. Und über die anstehenden Vorstandswahlen im Teckelclub hat sein Herrchen sogar den 20. Hochzeitstag vergessen. Es kommt wie es kommen muss: Missverständnisse, Chaos, Krach und ein Notarzt-Einsatz sorgen für Turbulenzen.

Tom Gerhardt, der das Bühnenstück gemeinsam mit Franz Krause geschrieben hat, macht genau da weiter, wo die TV-Serie bei 2010 aufgehört hat. Der Dackelverein ist immer noch das Biotop des deutschen Spießers, der Ganztagsjob als Hausmeister immer noch das ersehnte Aufstiegsziel. Und schräger Nonsense „voll normaal“. Wenn es besonders turbulent wird, darf auch schon mal eine Torte ins Gesicht fliegen und die polnische Putzfrau Marielka im roten Lack-Minirock Lisbeths Eifersucht wecken. Nur Proll-Sohn Tommie schlürft den Alk nun wannenweise am Goldstrand von Bulgarien statt auf Malle – ein bisschen geändert haben sich die Zeiten eben doch.

Die bekannten Figuren von Hausverwalter Makielski bis Tochter Carmen sind dabei

Die auf 100 Minute gepumpte und mit den diversen Versatzstücken früherer Krause-Folgen gespickte Bühnenvorlage setzt ganz auf Wiedererkennung. Vertraute Figuren haben ihren Auftritt: Hausverwalter Makielski schneit zwischendurch mal mit einem Starkstromkabel rein. Tochter Carmen – in der Sat.1-Serie damals von Janine Kunze verkörpert – ist bei Luana Bellinghausen immer noch eine kölsche Push-Up-Powerfrau. Ehefrau Lisbeth, gespielt von Antje Lewald, geistert zwischendrin auch mal im Brautkleid durchs Bühnenbild. Und Tom Gerhardt findet an seiner Paraderolle immer noch sichtlich Spaß.

Wenn er sein Macht-Phantasien als Dackelclub-Präsident auslebt, sich in geifernder Eifersucht ans Herz fasst und eine vermeintlich ausgeklügelte Intrige nach der anderen vor die Wand fährt, hat das Publikum sein Vergnügen. Gelungene Sitcom-Moment garantiert auch Stephan Biekers Herbert als willfähriger Erfüller von Krauses kruden Ideen. Das Krause-erprobte System des nach oben Buckelns und nach unten Tretens funktioniert im Zusammenspiel der beiden Mimen bestens. Und auch Stefan Preiss’ cooler Karl ist mit dabei, wenn die Dackelfreunde-Runde in grüner Schützentracht zusammenfindet: „Alles für den Dackel, alles für den Club, unser Leben für den Hund!“

Eigentlich habe er ein ganz anderes Stück schreiben wollen, „aber uns fehlte die zündende Idee“, hat Tom Gerhardt unlängst in einem Interview eingeräumt. Eine Begegnung am Kiosk habe dann den Ausschlag gegeben. Eine Angestellte haben ihn fast flehentlich gebeten, endlich mal wieder Neues von Hausmeister Krause hören zu lassen. Und so hat das zweite Leben des ewigen Unruhestifters nun im Essener Rathaus-Theater begonnen. Der Premierenjubel dürfte Gerhardt bestätigt haben, dass die Entscheidung nicht falsch gewesen ist.

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