Bambinis

Hans Willemsen war Oliver Bierhoffs erster Fußballtrainer

Oliver Bierhoff streckt den Pokal für die ESG 99/06 in die Höhe. Hans Willemsen hatte die Jungs zum Sieg geführt.

Oliver Bierhoff streckt den Pokal für die ESG 99/06 in die Höhe. Hans Willemsen hatte die Jungs zum Sieg geführt.

Foto: OH

Essen.   Seit einem halben Jahrhundert arbeitet der Frillendorfer Hans Willemsen mit Bambini-Fußballern. Einer von ihnen war Oliver Bierhoff.

Eigentlich hatte Hans Willemsens Laufbahn als Fußball-Bambini-Trainer schon ihren Höhepunkt erreicht, bevor sie überhaupt richtig angefangen hatte. Nur wusste er das zu dem Zeitpunkt noch nicht. 1975 trainierte er seine erste Bambini-Mannschaft bei der ESG 99/06 an der Hubertusburg. Einer der Jungs hieß Oliver – 21 Jahre später schoss er mit seinem „Golden Goal“ die Deutsche Nationalelf zum Europameisterschaftstitel. Noch heute hält Willemsen den Kontakt zu Oliver Bierhoff: „Aber ich rufe ihn nicht an. Er meldet sich bei mir, wenn er Zeit hat.“

Zwei Jahre lang spielte Bierhoff unter Willemsens Führung, in der D-Jugend wechselte er zum ETB Schwarz-Weiß Essen an den Uhlenkrug. Willemsen, der damals schon zehn Jahre lang Bambini-Mannschaften anderer Essener Vereine betreut hatte, blieb. Und trainiert heute, mit 75 Jahren, immer noch die Kleinsten, die noch zu jung sind für die F-Jugend.

Hans Willemsen sitzt auf der urigen Bank in der Küche seines Reihenhauses. In der Ecke steht ein alter Ruhrkohle-Ofen, darauf ein Wasserkessel. Das Haus liegt in der Siedlung der ehemaligen Zeche Katharina in Frillendorf. Seine Eltern hatten es 1958 gekauft, geboren wurde Willemsen im Steeler Rott. „Es ist so ruhig geworden hier“, sagt er. Seine drei Kinder sind längst erwachsen und ausgezogen, im Mai 2014 starb seine Frau. Auch damals rief Oliver Bierhoff an, einen Tag vor dem DFB-Pokal-Finale aus Berlin, um zu kondolieren.

Willemsen erinnert sich gerne an die alten Zeiten

Auf dem Tisch liegen ein Fotoalbum und ein Ordner, gefüllt mit Bildern, mit Urkunden und Briefen. Willemsen blättert durch die Jahre, erinnert sich gerne an die alten Zeiten. „Mit den Eltern des ersten Jahrgangs habe ich immer noch Kontakt“, erzählt er. Einmal die Woche gehen sie wandern, die Bierhoffs sind allerdings nicht mehr dabei. Es gebe diese besonderen Jahrgänge, in denen die Eltern sehr engagiert sind, in denen Freundschaften für Jahrzehnte entstehen. Später, in den 90ern habe er das noch einmal gehabt. Die Mütter dieser Kinder treffen sich noch heute.

„Meine Frau fragte immer: Warum machst du das noch? Da müssen auch mal die anderen ran.“ Und dann, bei der Jahreshauptversammlung, nickte er wieder und machte weiter. Bis 2005, ein Jahr nach seiner Pensionierung als Grundschullehrer. Damals wollte er sich mehr Zeit für die Familie nehmen. Doch fünf Jahre später, als Willemsens Nachfolger plötzlich starb, war er wieder da.

Auch wenn das Alter den Frillendorfer gezeichnet hat: Doch freitags, beim Training in der Sporthalle an der Grundschule am Lönsberg, wenn laute Drei- bis Sechsjährige um ihn herum wuseln, da wirkt er jung und setzt sich durch. „Wenn die Kinder zu unruhig werden, hole ich sie in die Mitte und sage: Hört mal alle zu.“ Dann fragt er sie zum Beispiel, wie sich eine Schlange bewegt und die Kleinen kriechen zischend über den Boden. Hier geht es nicht nur um das Treten gegen den Ball, hier geht es um das Spielerische, um den Spaß. Und den hat auch Willemsen noch nach so vielen Jahren.

Zu Besuch beim AC Mailand

Es ist nicht nur Zeit, die der 75-Jährige seit Jahrzehnten investiert, es ist auch Geld. Er spricht nicht gerne darüber, aber sei es das Benzin zum Turnier, die Süßigkeit nach dem Training oder ein Satz neuer Leibchen – bei diesen sich häufenden Kleinigkeiten greift Hans Willemsen in die eigene Tasche.

Man kann es den Lohn für seine Arbeit nennen, als 1999 Oliver Bierhoff anrief, damals Spieler beim AC Mailand, und ihn nach Italien einlud, um im altehrwürdigen Giuseppe-Meazza-Stadion das Spiel gegen den AC Parma zu verfolgen.

Ob er das Potenzial des kleinen Olivers schon 1975 erkannt hat? Willemsen weicht bescheiden aus: „Man merkt, ob jemand Ballgefühl hat. Und das hatte er.“

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