Verkehr

Halteverbotsschild verschwunden: Freie Fahrt für Elterntaxis

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Busfahrerin wirft Mutter Beleidigung und Nötigung im Straßenverkehr vor

Busfahrerin wirft Mutter Beleidigung und Nötigung im Straßenverkehr vor

Der Streit um einen Parkplatz ist in Essen-Kupferdreh vor der Josefschule eskaliert. Beteiligt waren offenbar eine Mutter, die ihr Kind mit dem Auto von der Grundschule abholen wollte und eine Schulbusfahrerin eines Essener Unternehmens. Der Fall liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft.

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Essen-Katernberg.  An einer Essener Grundschule war ein Halteverbotsschild verschwunden. Damit fehlte der Stadt die Handhabe, gegen Elterntaxis vorzugehen.

Morgens kommt es in Essen-Katernberg regelmäßig zum Verkehrskollaps an der Grundschule Zollverein. Besonders direkt nach den Sommerferien bringen viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto bis vor das Schultor. Besonders ungünstig in diesem Jahr: Das dort angebrachte Halteverbotsschild war wochenlang verschwunden.

Elterntaxis an der Essener Zollvereinschule besonders zu Schuljahresbeginn ein Problem

Wie lange es genau weg war und wo es abgeblieben ist, konnte weder die Stadt noch die Schulleitung klären. Sechs Wochen lang hatte das Ordnungsamt somit keine Handhabe, gegen Elterntaxis vorzugehen, Ende September war das Schild wieder da.

Der morgendliche Verkehr an der Grundschule ist unter anderem Keven Clare, Vater einer Zweitklässlerin ein Dorn im Auge: „Die Situation ist hier morgens eine reine Katastrophe. Die Eltern würden ihre Kinder am liebsten mit dem Auto bis zu ihrem Stuhl im Klassenzimmer bringen.“ Er wohnt nur 200 Meter von der Schule entfernt, lässt seine Tochter aber trotzdem ungern alleine laufen. Das sei einfach zu gefährlich.

Henrike Ennemann, Schulleiterin der Zollverein-Grundschule, wiederholt Jahr für Jahr ihren Appell an die Eltern, sich nicht länger als nötig vor dem Tor aufzuhalten und sich an die Verkehrsregeln zu halten. Erfahrungsgemäß werden die Elterntaxis im Laufe des Schuljahres weniger: „Mittlerweile laufen wieder mehr Kinder zur Schule.“

Keven Clare ist das nicht genug. Er fordert ein großflächiges, absolutes Halteverbot und verstärkte Kontrollen. Die Polizei würde nur sehr selten vor der Grundschule Streife laufen und auch das Ordnungsamt käme viel zu selten. Wie viele Kontrollgänge es tatsächlich gab, kann die Stadt nicht sagen. Zwei Verwarngelder wurden laut Stadtsprecher Patrick Betthaus im Distelbeckhof in den vergangenen drei Monaten verteilt. Die Schulleiterin erinnert daran, dass ein großflächiges Halte- oder Parkverbot besonders für die Anwohner schwierig sei, die müssten ihr Auto schließlich auch irgendwo abstellen.

Grundschule im Essener Nordviertel setzt auf reflektierende Kappen

Gegen regelkonformes Parken hat der Grundschulvater nichts einzuwenden, das Chaos am Morgen nehme aber regelmäßig überhand. Er erklärt, dass in Gelsenkirchen Mitarbeiter des Quartiersservice extra dafür geschult worden seien, um vor den Schulen für Ordnung zu sorgen. Sie sollen zum Beispiel Eltern ansprechen, die in zweiter und dritter Reihe parken oder ihre Kinder bis vor die Schule fahren. Daran müsste sich Essen ein Beispiel nehmen: „Wir dürfen da nicht hinterherhinken“, findet Clare.

Das will auch die Grundschule im Nordviertel nicht. Dort haben die Kinder signalrote, reflektierende Kappen bekommen, um im Straßenverkehr besser sichtbar zu sein. „In dieser Jahreszeit ist es morgens bei Schulbeginn noch dunkel“, erklärt Schulleiterin Irena Richter und ergänzt, dass die meisten Kinder dort tatsächlich zu Fuß zur Schule kommen – viele in Begleitung ihrer Eltern. Zu Schuljahresbeginn steht außerdem regelmäßig der Stadtteilpolizist vor der Schule, spricht Eltern an und verteilt Verwarngelder.

„Sicher unterwegs sein kann nur, wer von anderen gesehen wird und wer außerdem weiß, wie man sich im Straßenverkehr verhalten sollte“, so Guido Kutschera, Vorsitzender der Geschäftsführung der Dekra Automobil GmbH, die die Kappen gesponsort hat.

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