Unterrichtsausfall

Gebäude der Tuttmannschule Essen bis auf Weiteres dicht

Von 1967 und außen makellos: Die Tuttmannschule im Essener Stadtteil Stoppenberg, nicht weit von der Zeche Zollverein.

Von 1967 und außen makellos: Die Tuttmannschule im Essener Stadtteil Stoppenberg, nicht weit von der Zeche Zollverein.

Foto: Martin Spletter

Essen.  Im Stadtteil Stoppenberg, nicht weit von der Zeche Zollverein, ist eine Grundschule ein Stück abgesackt. Für 300 Kinder fällt der Unterricht aus.

m Essener Stadtteil Stoppenberg, nicht weit entfernt von der Zeche Zollverein, hat sich das Gebäude der Tuttmannschule an der Twentmannstraße ein Stück abgesenkt. Deshalb, so die Stadt am Montag, bleibe die Grundschule bis auf Weiteres geschlossen.

Gutachter untersuchen seit Montag die Innenwände, an denen zuletzt neue Risse aufgetaucht waren. Die Grundschule, Baujahr 1967, ist seit Mai unter Beobachtung von Experten. Vermutet wird jetzt ein neuer Bergschaden oder eine sogenannte Unterströmung. Um die Ursachen der Rissbildung zu finden, müssten nun statische sowie bodengutachterliche Überprüfungen vorgenommen werden, so die Stadt.

Dauer der Überprüfungen nicht abschätzbar

Möglicherweise müssen sich die Schüler auf ein längeres Provisorium einstellen. Denn die Stadt teilt mit: „Die Dauer der Überprüfungen kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden.“

Wegen der Setzung, so heißt das Absacken fachmännisch, ist die Tuttmannschule kurzerhand geschlossen worden – ein Vorgang, der beispiellos sein dürfte in der jüngeren Essener Schulgeschichte. Der Unterricht fällt aus; im Nebengebäude, das etwa fünf Fußminuten entfernt liegt, wurden Notgruppen zu Betreuung eingerichtet. Das Nebengebäude hat aber nur fünf Räume zur Verfügung. Die Eltern wurden in der vergangenen Woche über die kurzfristige Schließung informiert.

Stadt Essen sucht "händeringend nach einer Lösung"

„Wir suchen händeringend nach einer Lösung“, erklärte Regine Möllenbeck, die Leiterin des Fachbereichs Schule der Stadt, am Montagmorgen. Der Unterricht fällt zunächst bis Mittwoch, 25. September, aus. Ab Donnerstag sollen die 234 Grundschüler wieder beschult werden, allerdings könne die Stundentafel dann noch nicht vollständig abgedeckt werden.

Die Lösung: Die Klassen werden in der Zeit, in der das Schulgebäude nicht genutzt werden kann, in der Peter-Ustinov-Schule in Katernberg sowie in der Kantschule im selben Stadtbezirk unterrichtet. Die OGS-Betreuung wird seit Montag am Standort Grabenstraße durchgeführt.

Von außen sind die Schäden nicht erkennbar

Von außen kann man die Schäden übrigens nicht erkennen – die grau getünchte, glatt verputzte Fassade macht einen makellosen Eindruck. Jemand hat ein Plakat an der Eingangstür aufgehängt: „Post bitte an anderen Schulort abgeben, Grabenstraße 25.“ Erste welke Blätter liegen auf dem Schulhof. Jemand, der in dieser Schule arbeitet, sagt: „Es sind zuletzt neue Risse entstanden, die vorher nicht da waren.“

Schief stehende Schulgebäude sind keine Seltenheit – in Schonnebeck teilen sich zwei Grundschulen ein großes Gebäude, das 65 Meter breit ist und mehr als 1,70 Meter schief steht – wiederholt klagen Schüler über Kopfschmerzen, berichten Eltern. Trotzdem hält die Stadt diese Schule für statisch sicher, „weil sich die Statik seit 40 Jahren nicht verändert hat“, heißt es. Auch wenn manche, die täglich mehrere Stunden im Gebäude verbringen, die Lage anders einschätzen.

Für andere Schulen gibt es Neubau-Pläne

Auch in der Realschule an der Essener Straße (früher Richard-Schirrmann-Realschule), direkt gegenüber von Zollverein gelegen, gehen manche Türen selbstständig auf, und wenn man einen Stift aufs Pult legt, rollt er herunter – das sind nur einige der Folgen im Schulalltag, wenn das Gebäude eine Schieflage aufweist. Ganz abgesehen von irritierenden, schwindelartigen Gefühlen, die zumindest Neulinge erleben, die die Gebäude betreten. Auch das Gymnasium Nord-Ost, im Stadtteil-Dreieck von Altenessen-Süd, Nordviertel und Stoppenberg gelegen, liegt schief. Immerhin: Für diese Schule gibt es konkrete Neubaupläne.

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