Kriminalität

Gruppenvergewaltigungen in Essen: Weitere Opfer melden sich

Milva Schonhauer, Kriminaloberkommisarin, Ulrich Schmitz, Kriminalhauptkomissar, und Anette Milk , Oberstaatsanwältin (v.l.), berichteten am 14. Februar erstmals über die „besonders abscheulichen und brutalen Straftaten“. Foto:Caroline Seidel

Milva Schonhauer, Kriminaloberkommisarin, Ulrich Schmitz, Kriminalhauptkomissar, und Anette Milk , Oberstaatsanwältin (v.l.), berichteten am 14. Februar erstmals über die „besonders abscheulichen und brutalen Straftaten“. Foto:Caroline Seidel

Foto: Caroline Seidel/dpa

Essen.   Nach der Inhaftierung von vier mutmaßlichen Sexualstraftäter haben sich mehr Frauen getraut, Anzeige zu erstatten. Polizei hat Ermittlungen ausgeweitet.

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Nach dem Bekanntwerden der Gruppenvergewaltigungen jugendlicher Frauen durch eine Gruppe heranwachsender Männer im Essener Süden hat die Polizei ihre Ermittlungen offenbar ausgeweitet: Dem für Sexualdelikte zuständigen Kriminalkommissariat 12 vertrauten sich weitere Opfer an und erstatteten Anzeigen, nachdem die vier mutmaßlichen Täter im Alter von 18 bis 23 Jahren aus Essen und Gelsenkirchen in Untersuchungshaft genommen worden waren. „Es haben sich noch Geschädigte gemeldet“, bestätigte Staatsanwalt Rainer Kock auf Anfrage dieser Zeitung.

Wie viele Anzeigen inzwischen vorliegen, wollte der stellvertretende Sprecher der Strafverfolgungsbehörde an der Zweigertstraße nicht sagen. Als Begründung führte Kock den Schutz der Opfer ins Feld.

„Besonders abscheuliche und brutale Straftaten“

Bereits am 14. Februar, als Polizei und Staatsanwaltschaft die „besonders abscheulichen und brutalen Straftaten“ erstmals öffentlich machten, berichteten die Ermittler Milva Schonhauer und Ulrich Schmitz, dass die mutmaßlichen Täter mehr junge Frauen getäuscht, entführt und zum Sex gezwungen haben könnten als die drei namentlich bekannten 16-Jährigen, die bis dahin Anzeige bei der Polizei erstattet hatten.

Schon vor einem Monat war die Rede von drei weiteren potenziellen Opfern. Durch die Auswertung der Chatverläufe auf den Handys der jungen Männer, in denen sie die sexuellen Vergehen explizit beschrieben, hatten sich diese Hinweise ergeben. Inzwischen sollen sich nach Informationen dieser Zeitung aber auch junge Frauen gemeldet haben, die die Ermittler bislang nicht auf dem Schirm hatten.

Die 18 bis 23 Jahre alten Männer schweigen

Während offenbar immer mehr Opfer den Mut haben, mit den Behörden zu reden, schweigen die 18 bis 23 Jahre alten Männer beharrlich zu den Vorwürfen und lassen sich von Anwälten vertreten. Das Quartett sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft, sagte Staatsanwalt Rainer Kock. Gegen einen erst 16-jährigen fünften Verdächtigen, der den Ermittlern bekannt ist, wurde aufgrund seines jugendlichen Alters bekanntlich kein Haftbefehl erlassen.

Rechtsanwalt Hans Reinhardt aus Marl, der einen 18-jährigen mutmaßlichen Vergewaltiger vertritt, der untergetaucht war, bis er sich unter dem Druck einer Öffentlichkeitsfahndung schließlich der Polizei stellte, konnte sich auf Anfrage noch nicht zu den massiven Vorwürfen gegen seinen Mandanten aus Gelsenkirchen äußern. „Ich habe bislang noch keine Akten von der Justiz bekommen“, sagte Reinhardt. Sie dürften wohl noch etwas umfänglicher werden.

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