Grugabad

Grugabad Essen: Teilüberdachung würde viele Millionen kosten

Überdacht und um ein Sportbahn erweitert: So könnte das heutige Kinderbecken aussehen, wenn das Essener Grugabad zum Ganzjahresbad umgebaut würde. Die denkmalwürdige Elefantenrutsche bliebe erhalten.

Überdacht und um ein Sportbahn erweitert: So könnte das heutige Kinderbecken aussehen, wenn das Essener Grugabad zum Ganzjahresbad umgebaut würde. Die denkmalwürdige Elefantenrutsche bliebe erhalten.

Foto: Stadt Essen

Essen.  Ein Umbau des Essener Grugabades zum Ganzjahresbad wäre doppelt so teuer wie eine bloße Sanierung. Doch die Stadt favorisiert diese Variante.

Das Grugabad soll nach dem Willen der Verwaltung nicht nur saniert, sondern auch zum Ganzjahresbad umgebaut werden. Der Denkmalschutz solle dabei berücksichtigt werden. Der Sportausschuss entscheidet am Dienstag (19. Mai) über das weitere Vorgehen. Gibt auch der Rat sein Okay, könne „das Verfahren noch in diesem Sommer auf den Weg gebracht werden“, teilt die Stadt mit. Allerdings handelt es sich um eine Mega-Investition: Nach einer „überschlägigen Schätzung“ würden für Sanierung und Umbau rund 70 Millionen Euro fällig.

Schon die reinen Sanierungskosten hatten sich in den vergangenen Jahren von zunächst rund 16 Millionen Euro auf gut 34 Millionen Euro erhöht. Kommt der Umbau zum Ganzjahresbad hinzu, verdoppelt sich dieser Betrag noch einmal – und auch der Unterhalt könnte teuer werden.

Platz soll für Rutschen-Landschaft und Sauna genutzt werden

Das gilt vor allem für das erste Umbau-Szenario, bei dem das im oberen Bereich des Badgeländes gelegene 50-Meter-Sportbecken mitsamt der benachbarten Tribüne überdacht würde. Diese Variante hätte aus Sicht der Verwaltung den Vorteil, dass man die heute „sehr gering genutzten“ Flächen hinter der Tribüne für Rutschen-Landschaft, Nichtschwimmerbereich und Sauna nutzen könnte.

Auch bliebe so das besonders beliebte Becken mit den zehn 50-m-Bahnen erhalten, es entstünde ein „architektonisches Highlight“, heißt es bei der Stadt. Doch hätte eine gläserne Schwimmhalle, die neben dem Sportbecken auch die Tribüne überdacht eine Größe von etwa 70 mal 80 Metern und eine Höhe von rund 15 Metern. Das wäre, so heißt es in der Vorlage für den Sportausschuss „besonders unter Berücksichtigung der badspezifischen Klimatisierung mit hohen Energie- und Wartungskosten verbunden“.

Sparsamer im Unterhalt wäre eine Überdachung des Kinderbeckens, das lediglich 21 mal 80 Meter misst und heute am wenigsten genutzt wird. Es könnte so umgestaltet werden, dass es „bis zu vier Schwimmbereiche“ gäbe, inklusive einiger 50-Meter-Bahnen. Die denkmalwürdige Elefantenrutsche bliebe erhalten. Weil dieses Becken im vorderen Bad-Teil nahe der U-Bahnstation liegt, „würde das Hallenbad damit auch in direkte Nähe der Zufahrt zum Gelände mit der besseren Anbindung an den ÖPNV rücken“, heißt es in der Vorlage.

Bei der Überdachung des Kinderbeckens bliebe nur ein „eingeschränkter Freibadbetrieb“

Schon im Beteiligungsprozess 2017 war angeregt worden, den Grugabad-Eingang nach vorn zu verlegen und so sichtbarer zu machen. Aufmerken lässt indes der Begriff „Hallenbad“. Und tatsächlich heißt es an anderer Stelle, dass mit einer Öffnung der neuen Schwimmhalle zum nebenan gelegenen Wellenbecken auch ein „eingeschränkter Freibadbetrieb“ möglich wäre.

Das klingt als würden beide Ganzjahres-Varianten mit der Preisgabe einer Hälfte des jetzigen Grugabades erkauft. Doch in der Verwaltung versichert man, dass jeweils das gesamte Ensemble erhalten bliebe. Wobei die Umbaukosten von rund 36 Millionen Euro grob überschlagen seien. Zum Vergleich: Das neugebaute Sportbad Thurmfeld im Nordviertel, das vor vier Jahren eröffnet wurde, hat knapp zehn Millionen Euro gekostet.

Denkmalschützer reden mit

Neben der Kostenfrage ist offen, wie gut sich die beiden Szenarien mit dem Denkmalschutz vertragen: Das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland hatte dem Grugabad bereits im Jahr 2014 die Denkmalwürde bescheinigt. Seither hatte die Stadt Essen die Eintragung in die Denkmalliste verschleppt; nun soll diese in den zuständigen Gremien zeitnah beschlossen werden. Bei den anstehenden Planungen müsste man dann die städtischen Denkmalschützer einbeziehen, könnte dafür aber auch Landesmittel zur Denkmalförderung beantragen.

Klar ist, dass die Stadt einen ganzjährigen Betrieb des Grugabades favorisiert, „um entsprechende Einnahmen zu erzielen“. Die beiden anderen Varianten aus dem Beteiligungsprozess – bloße Sanierung oder Umbau zum Spaßbad – scheinen vom Tisch zu sein. Sie sollten ursprünglich in einer Machbarkeitsstudie geprüft werden, die aber mangels vernünftigem Angebot nicht vergeben werden konnte.

Grugabad öffnet vermutlich noch am Himmelfahrts-Wochenende

Trotz des dringenden Sanierungsbedarfs könne der Badebetrieb noch bis 2022 mit Bordmitteln sichergestellt werden, heißt es. Auch in der aktuellen Saison soll das Grugabad unter Berücksichtigung der Corona-Auflagen geöffnet werden – vermutlich noch in dieser Woche.

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