Nahverkehr

Greenpeace-Studie hat politisches Nachspiel in Essen

Auf den Straßen haben Radler oft das Nachsehen. Der Autoverkehr dominiert in Essen. Das kritisiert Greenpeace in seiner Studie zur umweltgerechten Mobilität. Beim Städteranking rutschte Essen auf den drittletzten Platz.

Auf den Straßen haben Radler oft das Nachsehen. Der Autoverkehr dominiert in Essen. Das kritisiert Greenpeace in seiner Studie zur umweltgerechten Mobilität. Beim Städteranking rutschte Essen auf den drittletzten Platz.

Foto: Ulrich von Born

Essen.   Das schlechte Abschneiden beim Städte-Ranking zur umweltgerechten Mobilität hat ein politisches Nachspiel. Stadt Essen kündigt Prüfung an.

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Die Greenpeace-Studie zur umweltgerechten Mobilität hat ein politisches Nachspiel. Die Stadt Essen ist beim aktuellen Städte-Ranking auf den drittletzten Platz gelandet. Ihr wird vorgeworfen, trotz der Luftbelastung und des besonders hohen Kfz-Anteils am Verkehr zu wenig zu tun, um Autofahrer zum Umsteigen auf Bahn, Bus und Fahrrad zu bewegen. Während Grüne und Linke bereits Konsequenzen fordern, wartet die Große Koalition aus CDU und SPD ab, bis die Stadt die Studie überprüft und ausgewertet hat. Im Verkehrsausschuss soll dann das weitere Vorgehen beraten werden.

In einer ersten Stellungnahme zur Greenpeace-Studie räumt Umweltdezernentin Simone Raskob zwar ein, dass der Anteil des Radverkehrs mit nur sechs Prozent zu niedrig sei, sie verweist aber gleichzeitig auf zahlreiche Projekte, um dies zu ändern, etwa den Bau des Radschnellweges RS1, das Verleihsystem Metropolradruhr und Aktionen für die „Grüne Hauptstadt“ wie ein neues ÖPNV-Ticket mit Rabatten für Car-Sharing und Leihräder.

Beim Ausbau des ÖPNV besteht Nachholbedarf

„Wir müssen die Auswertung der Stadt abwarten, und dann werden wir daraus die Rückschlüsse ziehen“, betont der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Manfred Tepperis. Ein Ansatzpunkt könnte sein, mehr Anreize für den Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr zu schaffen.

Dass beim Ausbau des Nahverkehrs Nachholbedarf bestehe, „das wissen wir“, sagt CDU-Verkehrsexperte Friedhelm Krause. Im Vergleich zu anderen Ruhrgebietsstädten sei der ÖPNV-Anteil mit rund 20 Prozent „gar nicht so schlecht.“

Jetzt gehe es darum, die Ergebnisse der Stadt über die Greenpeace-Studie „zu sortieren und qualifiziert zu diskutieren“.

Mehr Geld für Radverkehr in Essen gefordert

Die Grünen sehen die Greenpeace-Studie als „Mahnung und Ansporn“ zugleich. Fraktionsvorsitzende Hiltrud Schmutzler-Jäger wirft der GroKo vor, eine deutliche Ausweitung des Nahverkehrsangebotes zu blockieren. Mit nur zusätzlich 1,3 Millionen pro Jahr ließen sich „keine großen Sprünge“ machen. Nötig seien sechs Millionen Euro mehr für Bahn und Bus. Auch in den Radverkehr müsse mehr investiert werden.

Die Linke sieht das Essener Ergebnis des Städte-Ranking als Folge einer Politik aus den 60er Jahren, „die die autogerechte Stadt zum Ziel hatte“, so Wolfgang Freye. Beim Gegensteuern „hinken wir hoffnungslos hinterher. Das kann nur geändert werden,, wenn wir jetzt massiv in den öffentlichen Nahverkehr investieren“.

Die Liberalen warnen davor, die „Lobbyinteressen“ von Greenpeace zur politischen Handlungsleitlinie zu machen. „Jeder Bürger soll frei über sein Mobilitätsverhalten entscheiden können und die Kosten dafür tragen“, meint der Essener FDP-Chef Ralf Witzel.

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