Gnadenkirche

Gnadenkirche steht seit 125 Jahren auf dem Donnerberg

Pfarrer Fritz Pahlke im hellen Innenraum der heutigen Gnadenkirche.

Pfarrer Fritz Pahlke im hellen Innenraum der heutigen Gnadenkirche.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Frintrop/Dellwig.   Die Gnadenkirche auf dem Donnerberg wird 125 Jahre alt. Sie hat sich im Laufe der Jahrzehnte geändert. Eine Landmarke ist sie geblieben.

„Da ist Frintrop. Hier ist Dellwig“, sagt Fritz Pahlke, der Pfarrer der Gnadenkirche. Die Pfarrstraße bildet die Grenze zwischen den Stadtteilen. Eigentlich steht die Gnadenkirche auf Dellwiger Boden, meist wird in Zusammenhang mit ihr Frintrop genannt. Letztlich spielt es keine Rolle, denn die Evangelische Kirchengemeinde Dellwig-Frintrop-Gerschede lädt zu den Feiern zum 125-jährigen Jubiläum der Gnadenkirche ein. Am 24. Juni 1894 wurde der Grundstein gelegt und am 16. Dezember desselben Jahres wurde sie eingeweiht. Den Namen „Gnadenkirche“ erhielt sie erst 1914.

Einen Kirchturm hatte die im neugotischen Stil gebaute neue Kirche noch nicht – nur einen Dachreiter aus Holz und ein einfaches Holzkreuz. Ein Jahr später wurde im Innenraum eine Empore errichtet und eine Orgel eingebaut. Am 22. Mai 1896 genehmigt die Regierung die Nutzung des angrenzenden Friedhofs.

1929 gehörten zur Gemeinde 6000 Seelen

Die Gemeinde wuchs bis 1929 auf 6000 Seelen – heute sind es etwa die Hälfte. Der Betsaal wurde damals zu klein, und man dachte über einen Ausbau der Gnadenkirche nach. Es wurde ein Seitenschiff angebaut, wodurch die bis dahin 250 Plätze verdoppelt wurden. Zudem erhielt die Kirche einen Turm im Bauhausstil, der bis heute eine echte Landmarke im Stadtteil ist. In den Turm wurden drei Bronzeglocken gehängt. Eingeweiht wurde der erweiterte Bau am 15. Dezember 1929 – fast auf den Tag genau 35 Jahre nach dem Eröffnungsgottesdienst.

Dach und Orgel wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört

Im Zweiten Weltkrieg deckte eine Bombe am 26. April 1943 das Dach der Kirche ab und zerstörte Teile des Gebälks sowie die Orgel. Das angebaute Pfarrhaus wurde ebenso getroffen. Gottesdienste feierte man fortan im Gemeindehaus an der Zugstraße, bis schließlich kein geordnetes Gemeindeleben mehr möglich war.

Die Zeit nach dem Krieg ist eng mit Franz Poppe verbunden. Der Pfarrer machte sich gleich an den Neuaufbau des Gemeindelebens – und der zerstörten Kirche. Er ließ das Dach mit Blechen abdecken und schon im März 1946 bestellte er neue Glocken beim Bochumer Verein. Der Innenraum wurde neu gestaltet. Die Kanzel wurde versetzt, das Altarpodium erhöht und eine neue Chorwand errichtet.


Am 26. November 1946, dem 1. Advent, ertönten die Glocken zum ersten Mal und riefen die Gemeinde zur Einweihung der wiederhergestellten Gnadenkirche. „Der Glockenklang ist mir von Kindesbeinen an vertraut“, sagt Fritz Pahlke, Jahrgang 1960. Der gebürtige Frintroper konnte die Gnadenkirche vom elterlichen Dachboden aus sehen und die Glocken hören.

Grundsanierung erfolgte im Jahre 1988

In den folgenden Jahren erfuhr der seit 1994 unter Denkmalschutz stehende sakrale Backsteinbau einige Umgestaltung. Die umfassenden Renovierungen erfolgten 1988 und 2016. 1988 wurde die Gnadenkirche grundsaniert und zudem ein neuer Holzboden verlegt, neue Fenster eingebaut sowie eine Orgel von Georg Jam eingebaut. Von seinem einst düsteren Inneren hat der Bau seitdem nichts mehr. Im Gegenteil, der Gottesdienstbesucher betritt einen hellen Inneraum.

Die Gnadenkirche steht für Kontinuität. In 125 Jahren hatte sie nur fünf Pfarrer: Wilhelm Goecke (1894 bis 1931), Franz Poppe (1931 bis 1968), Hans-Hermann Blettgen (1969 bis 1979), Klaus Gal (1982 bis 2009) und seit 2010 Fritz Pahlke, der zugleich Seelsorger im Kattendahl ist, einem weiteren Teil der Evangelischen Kirchengemeinde Dellwig-Frintrop-Gerschede – der allerdings eindeutig zu Frintrop gehört.

>>> Präses Manfred Rekowski kommt zum Auftakt

Das Jubiläumsjahr startet mit einem Festgottesdienst am 1. Januar um 16 Uhr. Die Predigt wird Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, halten. Das Jubiläumsjahr endet am 15. Dezember ebenfalls mit einem Festgottesdienst. Superintendentin Marion Greve wird predigen, OB Thomas Kufen ein Grußwort sprechen.

Dazwischen stehen weitere Punkte auf dem Jubiläumsprogramm. Am Pfingstmontag, 10. Juni, wird ein ökumenischer Gottesdienst gemeinsam mit der evangelischen Nachbargemeinde Bedingrade-Schönebeck und der katholischen Gemeinde St. Josef gefeiert.

Ein diakonischer Gottesdienst mit dem Essener Diakonie-Pfarrer Andreas Müller und diakonischen Einrichtungen ist für den 15. September geplant. Ein Gottesdienst mit dem Gustav-Adolf-Werk (GAW) im Rheinland ist angedacht. Die Kirche ist mit Mitteln des GAW erstellt worden.

Großes Gemeindefest für 1. Juli 2019 in Planung

Der neue Stadtdechant der katholischen Stadtkirche wird eine Predigt in der Gnadenkirche halten, ebenso der Essener Weihbischof Wilhelm Zimmermann. Angedacht ist ein eucharistischer Gottesdienst mit dem Bischof der Altkatholiken, Matthias Ring. Außerdem sind wie im Reformations-Jubiläumsjahr Gottesdienste in reformierter und lutherischer Tradition sowie kirchenmusikalische Veranstaltungen und ein großes Gemeindefest am 1. Juli geplant.

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