Gesundheit

Gesunde Kräuter und Beeren wachsen vor der Tür

Die markanten hellen Dolden des Holunders sind auch von Anfängern recht leicht am Wegesrand zu erkennen. Sie können getrocknet und zu Tee verarbeitet werden.

Die markanten hellen Dolden des Holunders sind auch von Anfängern recht leicht am Wegesrand zu erkennen. Sie können getrocknet und zu Tee verarbeitet werden.

Foto: Getty/Zbynek Pospisil

Essen.   In der Region wachsen Kräuter, Beeren und Heilpflanzen vor der Tür. Wer sich etwas auskennt, kann die Stadt als Selbstbedienungsladen nutzen.

Die Blätter für den Wohlfühl-Tee kommen von der wilden Wiese. Die Salatzutat ist ein Geschenk des Grünstreifens. Und die Beeren mit all ihren Vitalstoffen für die Marmelade? Gibt es mit freundlicher Unterstützung der Büsche hinten am Wald.

Wer genau hinschaut und sich ein wenig auskennt, kann die Stadt wie einen großen Selbstbedienungsladen nutzen. Es ist erstaunlich, wie viele gute und gesunde Sachen sich gratis vor der Haustür ernten lassen. Selbst wenn sich diese Haustür mitten in einer Ruhrgebietssiedlung befindet.

Die Artenvielfalt in der Stadt ist groß

„Die Artenvielfalt ist in der Stadt sogar größer als auf dem Land, weil die Abwechslung so groß ist. Es gibt trockene Ecken, Fettböden, Parks oder Spielplätze“, sagte Jeannette Cwienk, die ihr Auge für die gesunde Kräuterküche schon während ihrer Kindheit in Bochum geschult hat. Sie ist zur Freundin von Brennnessel und Holunderblüte geworden. Sie hat den Beifuß lieb gewonnen und sich sogar mit der Schafgarbe angefreundet („der Tee ist sehr bitter, aber gut bei Völlegefühl“).

Heute arbeitet die 44-Jährige als Journalistin, füllt ihren Internet-Blog www.wilderwegesrand.de mit grünem Leben und bietet Wildkräuterwanderungen an. Wenn sie ihre Wohnung verlässt, nimmt sie Beutel und Schere mit und kommt selten mit leeren Händen wieder nach Hause.

„Mit den richtigen Heilpflanzen können Sie ganz unterschiedlichen Beschwerden vorbeugen oder diese lindern“, sagen die Experten der Carstens-Stiftung „Natur und Medizin“ mit Sitz in Essen. Auch Naturspürnase Jeannette Cwienk achtet sehr darauf, was – husch, husch – ins Körbchen darf. An dieser Stelle ein paar Beispiele für gesunde Gaben vom Wegesrand:

Brennnesseln – „Sie lassen sich das ganze Jahr über ernten. Ich empfehle, die oberen frischen Blätter zu sammeln“, sagt Cwienk, die die Blätter trocknet und zu Tee verarbeitet oder auch ungetrocknet überbrüht. Das steckt drin: „Sehr viel Kieselsäure. Das ist gut für Haut und Haare.“ Selbst die Samen sind nicht zu verachten: „Ich trockne sie und streue sie ins Müsli oder über Kartoffelpüree. Sie enthalten viele essenzielle Fettsäuren“, sagt die Expertin.

Schafgabe soll entzündungshemmend wirken

Schafgarbe – „Ein sehr beständiges Wildkraut, das man auch in einem trockenen Sommer findet.“ Jeannette Cwienk verwendet Blätter und Blüten. Sie sollen entzündungshemmend wirken und die Verdauung fördern. Doch Vorsicht: Wer sich daraus einen Tee kocht, sollte die Zähne zusammenbeißen. Süß ist der nicht.

Holunder ist eine Vitaminbombe

Holunder – eine Vitaminbombe. Steckt voller Antioxidantien und Vitamin C und wird deshalb bei Erkältungen eingesetzt. „Der Holunder lässt sich von Anfängern gut erkennen. Wegen seiner markanten Dolden und Beeren besteht kaum Verwechslungsgefahr.“ Aber: Er sollte nie roh verzehrt, sondern immer gekocht oder überbrüht werden. Getrocknete Blüten können auch zu Tee verarbeitet werden.

Beifuß schmeckt gut und senkt Fieber

Beifuß – ein Würzkraut, perfekt zu Fleischgerichten. Der Klassiker unter den Happen vom Wegesrand. Die Fachfrau entdeckt ihn „fast überall“, beispielsweise in den Ruhrauen. Ihr Tipp: Blätter, Blüten und Stängel antrocknen, sechs bis acht Wochen in Rapsöl einlegen und dann verwenden. Zu erkennen ist Beifuß an der leichten Silberfärbung auf der Unterseite der Blätter. In der Naturheilkunde wird er eingesetzt, um Fieber, Krämpfe und Menstruationsbeschwerden zu lindern.

Brombeere – jedes Kind entdeckt sie. Sie gilt als Superfrucht in der kostbaren Natur. Die Vitamine C und E sind gut für die Körperzellen, ihre Ballaststoffe regen die Verdauung an. Jeannette Cwienk verarbeitet die Beeren gerne zu Marmelade. Wie bei vielen Sachen, die nah am Boden wachsen, wird sie bei ihren Exkursionen immer wieder gefragt, ob nicht eine Infektionsgefahr mit dem Fuchsbandwurm bestehe. Die Expertin gibt Entwarnung: „Wer sicher gehen will, kocht die Früchte. Ab 60 Grad sterben Larven ab.“

Den Blog von Jeannette Cwienk gibt es hier.

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