Coffee-Bike gestohlen

Gestohlenes Coffee-Bike lässt Besitzerin um Existenz bangen

Claudia Lüpken, Eigentümerin des gestohlenen Coffee-Bikes, hat in den letzten Tagen ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Nach dem Schock über den Verlust des Rades folgte Erleichterung: Die Firma stellte ihr ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung.

Foto: Socrates Tassos

Claudia Lüpken, Eigentümerin des gestohlenen Coffee-Bikes, hat in den letzten Tagen ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Nach dem Schock über den Verlust des Rades folgte Erleichterung: Die Firma stellte ihr ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung. Foto: Socrates Tassos

Essen.   Auffälliges Kaffee-Fahrrad wurde in Fulerum entwendet. Die Eigentümerin muss deshalb Aufträge absagen. Jetzt arbeitet sie mit einem Ersatz-Bike.

Claudia Lüpken hat ein Wechselbad der Gefühle hinter sich: Schockzustand, Wut, Existenzangst, Resignation, am Ende Hoffnung und Erleichterung – in den vergangenen Tagen ist alles dabei gewesen. Die 49-Jährige aus Fulerum verdient ihren Lebensunterhalt, indem sie mit ihrem Coffee-Bike, einer mobilen Kaffeestation, Veranstaltungen besucht. Das Fahrrad im verschlossenen Anhänger hatte sie über Ostern an der belebten Fulerumer Straße geparkt. Als sie nach den Feiertagen zur Arbeit fahren wollte, war es weg.

„Ich stand regelrecht unter Schock, bin die Straße auf- und abgelaufen, konnte einfach nicht glauben, dass das Bike weg ist. Dann habe ich meine Tochter und die Polizei angerufen“, erinnert sie sich an den Dienstagmorgen. Für den Rest der Woche habe sie alle Buchungen absagen müssen. „Wenn sich nicht schnell eine Lösung findet, war es das mit meiner Selbstständigkeit“, war sie noch Tage später verzweifelt. „Man richtet sich ja mit dem Wareneinkauf auf die Aufträge ein.“

„Ich bin selbstständig, habe noch nie eine Veranstaltung wegen Krankheit abgesagt. Das waren meine ersten freien Tage seit anderthalb Jahren, und dann passiert so etwas“, sagt sie traurig. Am Dienstagmorgen um 1.29 Uhr habe es noch ein Signal des eingebauten GPS-Senders gegeben, dann verliere sich die Spur des Fahrrads. Da die Versicherung nur den Zeitwert ersetze, sie dafür aber kein neues Coffee-Bike bekomme, sei der finanzielle Schaden für sie riesig.

Ersatz-Fahrzeug rettet Job bei Veranstaltung in Wesel

Inzwischen kann Claudia Lüpken schon wieder lächeln. Am Freitag kam die gute Nachricht: Das Dachunternehmen Coffee-Bike, dem die Essenerin als Franchise-Nehmerin angeschlossen ist, stellt ihr ein gebrauchtes, generalüberholtes Bike zur Verfügung. „Ich bin sehr dankbar, dass das so schnell geklappt hat und ich am Sonntag schon wieder auf einer Veranstaltung in Wesel arbeiten konnte, für die ich gebucht war“, sagt sie.

Das Bike habe abholbereit in Osnabrück, dem Sitz der Firma, gestanden. „Derjenige, für den es eigentlich bestimmt war, braucht es noch nicht, so dass ich es übernehmen konnte. Es ist zwar kein E-Bike wie das alte, aber das Wichtigste ist, dass ich wieder arbeiten kann“, sagt Lüpken, die das Gefährt noch am Freitag abholte.

Dass ihr fünf Jahre altes Gefährt wieder auftaucht, daran glaubt Claudia Lüpken nicht, auch wenn dieses über die Fahrgestellnummer eindeutig zu identifizieren sei. „Eigentlich kann das Bike so, wie es entwendet wurde, niemand nutzen, da ja das Herzstück, die Elektro-Einheit, fehlt“, sagt Lüpken.

Saison für das Coffee-Bike geht von März bis Dezember

Seit 2015 verdient die Essenerin ihren Lebensunterhalt mit dem Coffee-Bike, das Gefährt ist durch seinen nostalgischen Aufbau ein Hingucker. Sie verkauft auf Märkten, Stadtteilfesten oder Firmenfeiern Kaffee-Spezialitäten, Fruchtsäfte und Milchshakes. Während der Saison von März bis Dezember sei sie eigentlich täglich unterwegs, biete ihr Sortiment auf Firmenparkplätzen, Feierabend- und Babyflohmärkten oder kleinen Weihnachtsmärkten an. In Essen sei sie von der Fahrradmesse bekannt. „Ich bin aber auch auf dem Streetfood-Markt auf Zollverein oder auf der Gourmetmeile ,Rü Genuss Pur’ zu finden“, sagt sie. Privat könne man sie zu Hochzeiten, Geburtstagen oder Firmenfeiern engagieren.

Die gelernte Krankenschwester hat schon in vielen Bereichen gearbeitet: Neue Medien, Öffentlichkeitsarbeit, Marketing, Handelsvertretung. „Wegen der drei Kinder war ein Studium für mich nicht möglich. Heute sind sie erwachsen, studieren selbst und helfen immer gern auf dem Coffee-Bike aus“, sagt Claudia Lüpken. In das Gefährt habe sie sich ganz spontan auf einer Messe verliebt. Das Bike sei ihr nicht mehr aus dem Kopf gegangen und nur kurze Zeit später sei sie nach Osnabrück gefahren, um es zu kaufen und eine Schulung zu absolvieren.

Aus dem zweiten Standbein wurde der Hauptjob

Erst sei sie vor allem an den Wochenenden unterwegs gewesen, als zweites Standbein neben der Handelsvertretung. „Die Arbeit macht so viel Spaß, man kommt herum und lernt nette, entspannte Leute kennen.“ Als dann die Firma schloss, für die sie hauptberuflich arbeitete, setzte sie 2015 alles auf die Karte „Coffee-Bike“. Bereut hat sie ihre Entscheidung nicht.

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