Prozess beim Arbeitsgericht

Gestohlener Lkw-Auflieger: Fahrer zahlt 2000 Euro „Lehrgeld“

Mit einem solchen Auflieger verschwand auch Ware im Wert von fast 97.000 Euro. Einen Anteil von 15 Prozent, den die Haftpflichtversicherung nicht erstattete, forderte der Arbeitgeber von seinem Ex-Mitarbeiter ein.

Mit einem solchen Auflieger verschwand auch Ware im Wert von fast 97.000 Euro. Einen Anteil von 15 Prozent, den die Haftpflichtversicherung nicht erstattete, forderte der Arbeitgeber von seinem Ex-Mitarbeiter ein.

Foto: Foto: Manuela Schwerte/press

Essen.  Mit 2000 Euro beteiligt sich ein Essener Berufskraftfahrer an einem Diebstahls-Schaden. Wohl auch, weil er einsah: Es hätte teurer werden können.

2000 Euro? Sein Okay für diesen Vergleichs-Vorschlag kam so schnell, dass manch einer im Landesarbeitsgericht an diesem Donnerstag mutmaßte: Ganz so unschuldig dürfte sich der Essener Berufskraftfahrer am Diebstahl seines vollbeladenen Lkw-Aufliegers dann wohl doch nicht gefühlt haben. Jetzt zahlt er einen Teil des Schadens und weiß: Es hätte schlimmer kommen können.

„Lehrgeld“, wenn man so will, denn Kosmetik- und Hygieneartikeln im Wert von immerhin 96.685 Euro waren abhanden gekommen, als der Fahrer seinen Auflieger an einem Freitagabend nicht auf dem umzäunten Firmengelände, sondern in einer ruhigen Seitenstraße im Bergeborbecker Gewerbegebiet „Econova“ abgestellt hatte. Das war, so betonte sein Ex-Arbeitgeber, schon deshalb untersagt, weil es dem Unternehmen in der Vergangenheit alle Nase lang Knöllchen eingebracht hatte.

Das Gericht wollte nicht ohne Beweisaufnahme entscheiden

War der eingefriedete Parkplatz wirklich überfüllt? Oder war der Fahrer nur zu bequem, sich noch einmal telefonisch zu melden? Waren die ausgehängten Informationen zum Parkverbot andernorts nicht rechtzeitig bei ihm angekommen?

Das Gericht sah sich am Donnerstag nicht in der Lage, den Fall ohne Beweisaufnahme zu entscheiden. Womöglich hätte der Disponent dann den Fahrer weiter reingerissen, als diesem lieb sein konnte – immerhin sollte er 14.502 Euro zahlen, jenen Anteil von 15 Prozent am Gesamtschaden, den die Haftpflichtversicherung nicht beglichen hatte. Womöglich wäre aber auch nicht zu beweisen gewesen, dass der Parkplatz wirklich noch Lücken aufwies.

Ein Risiko lag also auf beiden Seiten. Mit den 2000 Euro, die das Landesarbeitsgericht deshalb ls Vergleich vorschlug, ist der Fahrer seinen Teil der Last auf jeden Fall los – und das Unternehmen zufrieden, weil es ohne viel weiteres Aufhebens wenigstens ein Stück des Schadens ersetzt bekommt. Noch einmal kommen sich beide Seiten ohnehin nicht in die Quere: Der Lkw-Fahrer ist inzwischen für eine andere Firma auf Achse. (Az: 13 Sa 1171/18)

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