Musik und Bildung

Gesamtschüler besuchen ein Jahr lang Oper und Philharmonie

Symbolischer Akt: Mit dem Durchschneiden des roten Bandes gaben die Schüler der Gustav-Heinemann-Gesamtschule im Aalto-Musiktheater gestern grünes Licht für das Projekt „AkzepTanz“.

Symbolischer Akt: Mit dem Durchschneiden des roten Bandes gaben die Schüler der Gustav-Heinemann-Gesamtschule im Aalto-Musiktheater gestern grünes Licht für das Projekt „AkzepTanz“.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen.  „AkzepTanz“: Projekt von Aalto, Folkwang Kammerorchester und Stiftung Zollverein ebnet Gustav-Heinemann-Gesamtschülern Weg zur klassischen Musik.

Sie besuchen Konzerte der Essener Philharmoniker, erleben Führungen auf der Zeche Zollverein, sehen Ballett-Aufführungen und beschäftigen sich in Workshops mit Ludwig van Beethoven: „AkzepTanz“ heißt das neue Projekt von Aalto-Musiktheater und Stiftung Zollverein, das nicht nur in seiner Größenordnung Maßstäbe setzen soll: Mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler der Essener Gustav-Heinemann-Gesamtschule sollen ein Jahr lang einen besseren Zugang zur klassischen Musik im Alltag bekommen. Auch das Folkwang Kammerorchester unter Leitung seines Dirigenten Johannes Klumpp beteiligt sich.

Finanziert wird das ehrgeizige Unternehmen von der RAG-Stiftung. Mitinitiiert wurde das Projekt von den Freunden Zollverein, deren Vorsitzende Anneliese Rauhut auf eine breite Beteiligung hofft: „Wenn ihr in einem Jahr sagt: Klasse, das hat Spaß gemacht, weiter so, dann würde ich mich dafür einsetzen“, versprach Rauhut den zehn Jugendlichen, die gestern stellvertretend für ihre gesamten Mitschüler schon mal ein dickes „Tagebuch“ mit auf den Weg bekam: In dem soll es in den kommenden Monaten allerdings nur um Noten im musikalischen Sinne gehen. „AkzepTanz“ schließlich will Kultur ohne Leistungsdruck und Hemmschwellen vermitteln – von der 5. Klasse bis zum Abiturjahrgang.

Eine ganze Schule als Projektpartner – diese Größenordnung ist auch für Marie-Helen Joël neu. Die Opernsängerin und Leiterin der Musikpädagogik am Aalto bekommt dabei nicht nur Unterstützung aus dem eigenen Haus. Auch das Kollegium der Gustav-Heinemann-Gesamtschule engagiert sich intensiv. Schon jetzt sei der Dienstag für einige der Musikklasse und des Bereichs Darstellen und Gestalten ein „Kulturtag“, verrät Lehrerin Carola Wohlleb. Neben den Proben für eigene Projekte arbeitet man in Schonnebeck nun auch auf die große Abschlussaufführung mit Ausstellung und Tanzperformance hin, die am 7. Juni 2020 auf der Zeche Zollverein stattfinden soll. Das Projekt sei ein weiterer Brückenschlag in die Stadtteile, erklärt Christof Wolf von der Stiftung Zollverein. So diene AkzepTanz auch als Einladung an die Schüler, das Gelände zu besuchen. Und diese gelte auch über das einjährige Projekt hinaus.

Was in diesem Jahr alles passiert, darauf ist nicht nur der 14-jährige Emanuel gespannt: „Man sollte alles wahrnehmen, was einen auf dem Schulweg begegnet“, findet der Gustav-Heinemann-Gesamtschüler. Neue Eindrücke sind auf jeden Fall garantiert, wenn die Klassen 6 und 7 Backstage-Vormittage im Aalto erleben. Schülerinnen und Schüler der Stufen 8 und 9 dürfen Proben und Konzerte im Aalto und in der Philharmonie besuchen. In Workshops sollen Texte, Klänge, Bilder, Skulpturen, aber auch Schauspiel und Tanz zum Thema Ludwig van Beethoven entstehen.

Gesamtschüler werden auch zu Theater-Scouts

Für die Zehntklässler ist der Junge Opern Treffen Aalto (Jota) reserviert, während die Jugendlichen des 11. Jahrgangs ein Tagespraktikum am Aalto absolvieren dürfen. Für die Klasse 12 und 13 schließlich stehen Besuche von Konzerten der Essener Philharmoniker und des Folkwang Kammerorchesters auf dem Programm. Und damit noch mehr Jugendliche von diesem einzigartigen Vermittlungs-Angebot profitieren, dürfen sich die Gustav-Heinemann-Gesamtschüler auch als Theater-Scouts ausprobieren und über ihre Eindrücke auf dem Social-Media-Kanal der Theaterpädagogik berichten.

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