Weihnachten

Gemeinde in Essen-Haarzopf feiert Heiligabend im Wohnzimmer

Pfarrerin Elisabeth Müller erläutert die Pläne der evangelischen Gemeinde Essen-Haarzopf-Fulerum für Weihnachten.

Pfarrerin Elisabeth Müller erläutert die Pläne der evangelischen Gemeinde Essen-Haarzopf-Fulerum für Weihnachten.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen-Haarzopf/Fulerum.  Zwei Jahre hat die ev. Gemeinde Haarzopf Karten für Weihnachtsgottesdienste vergeben. Wegen Corona gibt es die Christvesper 2020 online.

Zwei Jahre lang hat die evangelische Gemeinde Essen-Haarzopf-Fulerum Karten für ihre Weihnachtsgottesdienste vergeben, um Überfüllung und unschöne Szenen zu vermeiden. Die Aktion hat über die Stadtgrenzen hinaus für Schlagzeilen gesorgt. In diesem Jahr ist coronabedingt alles anders: Die Gemeinde setzt auf „Heiligabend im Wohnzimmer“ und plant entsprechende Angebote.

„Im vergangenen Jahr haben 1400 Menschen unsere Weihnachtsgottesdienste besucht, das geht in diesem Jahr natürlich nicht. Auch die große Seniorenadventsfeier mit Kaffee und Kuchen muss wegen der Pandemie ausfallen“, sagt Pfarrerin Elisabeth Müller. Trotzdem wolle man den Menschen das Gefühl von Weihnachten in der Gemeinschaft vermitteln.

Im Mittelpunkt steht die Haarzopfer Christvesper an Heiligabend

Im Mittelpunkt werde die Christvesper an Heiligabend um 18 Uhr stehen. Die werde entweder schon um 17 Uhr aufgezeichnet und eine Stunde später im Internet gezeigt oder es gebe einen Livestream um 18 Uhr, so Elisabeth Müller. In der Kirche dabei sein könnten 80 Gläubige. Karten für die Christvesper und für alle anderen zu Weihnachten geplanten Veranstaltungen gebe es im Dezember im Gemeindebüro.

„Wir hoffen, dass die Familien die Christvesper gemeinsam zu Hause am PC miterleben und vielleicht auch noch die Nachbarsfamilie einladen“, setzt die Pfarrerin auf das gemeinschaftliche Erlebnis. Damit die Gläubigen vor dem Computer mitsingen könnten, verteile man im Vorfeld 3500 Liedzettel im Stadtteil. „In der Kirche verzichten wir derzeit wegen Corona komplett auf das Singen. Aber zu Hause geht das natürlich“, so Elisabeth Müller.

Alle Gottesdienste finden in der renovierten Kirche an der Raadter Straße statt

Sämtliche Gottesdienste fänden aktuell in der evangelischen Kirche an der Raadter Straße statt. Das Gemeindezentrum Fulerum benötige man für alle anderen Veranstaltungen, da die sonstigen Räume zu klein seien. „Auch die Gottesdienste an normalen Tagen finden in diesem Winter an der Raadter Straße statt, was wir ja sonst möglichst vermeiden“, sagt Elisabeth Müller.

Die Christvesper ist nicht das einzige Angebot, das die Gemeinde den Gläubigen zu Weihnachten macht. „Meine junge Kollegin Pfarrerin Tabea Meyer wird an Heiligabend um 15 Uhr einen halbstündigen Gottesdienst für Familien mit Kleinkindern unter der Blutbuche an der Kirche abhalten, der bei jedem Wetter im Freien stattfindet“, so Elisabeth Müller. Dazu seien 150 Teilnehmer mit Eintrittskarten inklusive der Kinder zugelassen. Details dazu würden im Vorfeld auf der Homepage veröffentlicht.

Telefongottesdienste werden fortgesetzt

Elisabeth Müller will zudem die Telefongottesdienste, die sie seit Juni alle zwei Wochen donnerstags anbietet, auch an Heiligabend fortsetzen. „Das trifft sich gut, dass Heiligabend auf einen Donnerstag fällt, da bleiben wir im Rhythmus.“ Die Telefonleitung sei für 30 Leute geeignet, man könne sich von jedem Telefon aus einwählen. Wenn es zu viele Interessenten gebe, finde ein zweiter Gottesdienst um 15.30 Uhr statt.

Dieses Angebot richte sich speziell an ältere Menschen, denen der Besuch der Kirche und das damit verbundene Ansteckungsrisiko erspart werden sollen. Die Telefongottesdienste seien in den vergangenen Monaten gut angenommen worden, so die Pfarrerin. Ihr Mann habe inzwischen rund 300 Musikstücke mit Kirchenmusikern und Solisten aufgenommen, so dass es sicherlich auch für Heiligabend einen entsprechend feierlichen Rahmen geben werde.

300 Besucher können die verschiedenen Veranstaltungen in der Kirche erleben

Um 22 Uhr werde es noch einen Gottesdienst in der Kirche geben, an dem 80 Personen mit Eintrittskarten teilnehmen könnten. „Insgesamt kommen wir so auf rund 300 Besucher, kein Vergleich zu den 1400 im vergangenen Jahr“, sagt die Pfarrerin. Es werde weiterhin zwei Krippenspiele von den Kindern und Konfirmanden geben – allerdings als Filme. Die Konfirmanden würden ihren Film selbst drehen, die Kinder bekämen Unterstützung. Bei der Vorpremiere mit Lebkuchen könnten die Kinder ihr Werk dann als erstes sehen. Für alle Gemeindeglieder stelle man die Filme dann am Morgen des 24. Dezember online.

Elisabeth Müller ist optimistisch, dass das Konzept für Weihnachten aufgeht. „Unter den gegebenen Umständen ist das eine gute Lösung. Außerdem hat das Christentum über Jahrhunderte so existiert, dass sich die Menschen zu Hause getroffen haben.“ Man könne nicht 20 Gottesdienste abhalten und den Menschen trotzdem nicht das bieten, was sie gewohnt seien. „Dann machen wir es lieber gleich ganz anders.“

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