Kirchenkrise

Kirchenschließung in Essen-Frohnhausen gilt als unumgänglich

Zur außerordentlichen Gemeindeversammlung war die Markuskirche in Frohnhausen voll. Thema war die drohenden Schließungen der evangelischen Apostelkirche und der Markuskirche.

Zur außerordentlichen Gemeindeversammlung war die Markuskirche in Frohnhausen voll. Thema war die drohenden Schließungen der evangelischen Apostelkirche und der Markuskirche.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Frohnhausen.  Diskussionen gab es bei der Gemeindeversammlung zur Schließung der ev. Gotteshäuser Apostel- und Markuskirche. Neues Gemeindezentrum geplant.

Bis auf die letzte Bank ist die evangelische Markuskirche in Frohnhausen besetzt: Dort trifft sich die Gemeinde, um mit dem Presbyterium über die drohenden Schließungen der Markuskirche und der Apostelkirche zu diskutieren.

Wie eine Bombe schlug die Nachricht in der Frohnhauser Gemeinde ein, dass beide Kirchen und auch das Apostel-Jugendhaus langfristig nicht mehr haltbar seien, die Gebäude in Zukunft aufgegeben, abgerissen, verkauft oder anderweitig genutzt werden müssen. Was viele Gemeindeglieder besonders störte, war die Art und Weise, wie sie davon erfuhren: Das Presbyterium informierte zunächst lediglich über einen Aushang an beiden Kirchenstandorten. Das sei unverschämt und unzureichend, lautete das Urteil vieler.

Ein gemeinsamer Neuanfang

So hoch die Wellen vorher schlugen, so relativ sachlich ist, bis auf wenige Ausnahmen, die Diskussion an diesem Sonntagnachmittag. Zunächst einmal zeichnet Monika Fränkel, Vorsitzende des bis auf vier Mitglieder vollzählig angetretenen Presbyteriums, die weiteren Schritte auf: Geplant sei nicht nur eine Aufgabe der beiden Kirchengebäude, deren Funktion dann die Apostelnotkirche übernehmen werde, sondern, als gemeinsamer Neuanfang, der Bau eines neuen Gemeindezentrums.frohnhausen ist essens „jugendstil-stadtteil schlechthin“

Wie das genau aussehen soll, das würde eine Bedarfsplanung mit anschließender Machbarkeitsstudie und Architektenwettbewerb zeigen. „Das wird allerdings Jahre dauern, in denen wir den eingeschlagenen Weg immer wieder überprüfen werden“, sagt Monika Fränkel. Dass dieser Weg aber unumgänglich sei, daran lässt sie keinen Zweifel: „Wir müssen uns von den Immobilien trennen, da uns für den Erhalt das Geld fehlt.“ Auf 8,1 Millionen Euro beläuft sich mittlerweile der Investitionsstau.

Gemeinde beklagt mangelnde Transparenz

Genau diese Zahlen fehlen vielen Anwesenden: Sie beklagen mangelnde Transparenz und wünschen sich eine detailliertere Auflistung. Andere bezweifeln, dass beide Kirchen mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten (die Apostelkirche ist offen nach außen, die Markuskirche eher ein Familienzentrum) zusammenwachsen. „Das ist uns doch schon in den vergangenen Jahren nicht gelungen“, sagt Gabi Feggeler, die in der Markuskirche zu Hause ist. „Beide Schwerpunkte vertragen sich. Wir müssen uns einfach gemeinsam auf den Weg machen“, appelliert Pfarrerin Susanne Gutjahr-Maurer an die Gemeinde.

Doch gerade ältere Frohnhauser wollen ihr nicht folgen. „Die Apostelkirche ist doch ein Wahrzeichen des Stadtteils, sie abzureißen, wäre katastrophal“, beklagt eine Frau und erhält zustimmenden Beifall. Andere verbinden ganz persönliche Geschichten und Erinnerungen mit ihrer Kirche und geben ihrer Trauer und ihrem Unverständnis über die aktuelle Situation Ausdruck.

Weitere Dialoggespräche können folgen

Warum konnte das finanzielle Fiasko nicht verhindert werden, obwohl das schon seit Jahren bekannt sei? – auch dieser Einwand ist zu hören. „Hätte, wäre, wenn – das ist vorbei. Wir müssen nach vorne sehen und die Chance ergreifen, die Gemeinde neu zu gestalten“, sagt eine jüngere Frau. Im Bau eines neuen Gemeindezentrums sieht sie auch eine Möglichkeit, den ganzen Stadtteil mit einzubeziehen. Menschen seien wichtiger als Gebäude, heißt es immer wieder.

„Das wird nicht das letzte Mal sein, dass wir darüber diskutieren“, verspricht Monika Fränkel am Ende der zweistündigen Versammlung. Viele Anregungen würde sie mitnehmen, darunter auch den Vorschlag, Dialoggespräche zu führen. Ob sie noch Hoffnung habe, dass vielleicht ein Investor komme und alle Probleme beseitige, wird sie gefragt. „Hoffen kann man immer“, lautet ihre Antwort.

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