NRZ-Weihnachtsaktion

Gegen die Angst in den Augen: Kinder in Not brauchen Hilfe

Die Kinder in den Altenessener und Borbecker Notaufnahmen des Kinderschutzbundes hoffen auch in diesem Jahr auf die Unterstützung der NRZ-Leserinnen und -Leser. Foto:Socrates Tassos

Die Kinder in den Altenessener und Borbecker Notaufnahmen des Kinderschutzbundes hoffen auch in diesem Jahr auf die Unterstützung der NRZ-Leserinnen und -Leser. Foto:Socrates Tassos

Essen.  Die alljährliche NRZ-Spendenaktion für die Notaufnahmen des Kinderschutzbundes Essen startet zum 1. Advent. Die Häuser hoffen auf Unterstützung.

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Ihr Kinderlächeln lässt Erwachsene schaudern. Denn jedes kleine Schmunzeln ist eine Schande für die Eltern von Karl und Maria: Ihre Zähne sind schwarz und verfault, die Köpfe überlaufen von Läusen, die Haarsträhnen wie zu Trauben verklebt, die Seelen geschunden durch Gewalt und Missachtung. Der Zustand der kleinen Geschwister ist erbarmungswürdig, als sie aus einer verwahrlosten Wohnung gerettet werden. Dort gibt es Schimmel statt Strom, kein warmes Wasser, keine Möbel, dafür überall nur Müll und Unrat.

Sind Maria und Karl drei, sind sie vielleicht schon sechs Jahre alt? Noch weiß es niemand genau. Es existieren keine Untersuchungsnachweise oder Versichertenkarten, keine Ausweise oder andere Papiere der Kinder, die vom Jugendamt in Obhut genommen wurden, nachdem Nachbarn Alarm geschlagen hatten, weil es in dem Haus unerträglich stank. Und dann immer diese Kinderschreie. Tag und Nacht ging das so, bevor die beiden Kleinen vor vier Monaten endlich im „Spatzennest“, einer der zwei Notaufnahmen des Essener Kinderschutzbundes, landeten, geschützt vor Leid und Pein.

Im Kindergarten werden Spuren der Gewalt entdeckt

So wie Jerome, der vierjährige Sohn einer alleinerziehenden Mutter, die sich tagelang auf einem Musikfestival amüsiert, während ihr volltrunkener Lebensgefährte den Kleinen zu Hause schlägt – immer wieder auf den Rücken, damit die Spuren der rohen Gewalt nicht sichtbar werden sollten – dann aber doch im Kindergarten auffallen.

So wie Sevgi, die sich unter dem Esstisch zusammenkauert, sobald es laut um sie herum wird. Die nackte Angst in ihren Augen hat sie aus Syrien mitgebracht, wo sie und ihre Familie den Krieg und unfassbare Gräueltaten erlebten. Die schrecklichen Erinnerungen haben die Sechsjährige den langen und gefährlichen Weg übers Mittelmeer bis nach Essen verfolgt. Inzwischen gibt es gute Tage, doch noch sind sie rar, an denen es dem Mädchen gelingt, ein Kind zu sein, und fröhlich in den Räumen des „Spatzennests“ zu spielen.

So wie die übrigen mehr als 70 Kinder, die – misshandelt, missbraucht, vernachlässigt oder als Opfer schlimmster Schicksalsschläge – allein in diesem Jahr in Altenessen und in dem neu eröffneten Schutzhaus „Kleine Spatzen“ ein sicheres Zuhause auf Zeit bekommen haben, wo sie Ruhe und sich selbst finden können. Wo sie erstmals erfahren, dass auch sie etwas wert und nicht alle Erwachsenen so sind wie die Monster in ihren schrecklichsten Träumen.

Die Kinder werden immer jünger und auffälliger

Sie werden mehr, „immer jünger und auch auffälliger“, sagt Tanja Zirbes, stellvertretende Leiterin der Notaufnahmen des Essener Kinderschutzbundes. Die Belastungen für die 50 Mitarbeiter steigen und längst nicht alle Kinder in Not finden einen Platz. Die Einrichtungen sind durchgängig belegt. „Wir mussten 230 Absagen erteilen – das ist wirklich extrem“, sagt Daniel Raifura, der das Haus an der II. Schichtstraße leitet.

Die Zwei- bis Sechsjährigen sind inzwischen die gefährdetsten unter den Kleinen. Doch auch Säuglinge werden in zunehmendem und erschreckendem Maße Opfer extremer Gewalt. Die steigende Zahl psychisch kranker, süchtiger oder hoffnungslos überforderter Eltern, selbst noch halbe Kinder, ist immer häufiger der Aufnahmegrund in den beiden Häusern, die sich jetzt für Weihnachten mit ihren kleinen Bewohnern rausputzen.

Die Zeit für Nestwärme und Nächstenliebe

Es ist die Zeit für besondere Nestwärme, für Nächstenliebe und Anlass genug, jenen Gutes zu tun, denen das Leben, kaum dass es begonnen hat, auf das Übelste mitspielt. Viele der Kinder im „Spatzennest“ werden in diesem Jahr zum ersten Mal ein Fest ohne Frust, einen Heiligabend ohne Heulen, eine Weihnacht zum Wohlfühlen und mit Präsenten erleben, die Sie, liebe Leserinnen und Leser, den kleinen Bewohnern der Notaufnahmen einmal mehr schenken können.

Der Kinderschutzbund ist noch heute begeistert von der Spendenbereitschaft bei der NRZ-Weihnachtsaktion des vergangenen Jahres: Rund 18 000 Euro und über 500 liebevoll verpackte Geschenke kamen bei den Kindern in Not an.

In jedem Präsent findet sich ein neues Selbstwertgefühl, schon die Kleinsten sind superstolz, wenn sie einfach mal etwas Neues zum Anziehen besitzen, ein eigenes Kuscheltier in den Arm nehmen können, um ihren Frieden zu finden, obwohl sie ihre Eltern verloren haben. Karl, Maria, Jerome oder Sevgi werden es nicht wissen: Doch ihre Eltern werden sie nicht besuchen, auch nicht an Weihnachten. Sie haben jegliches Interesse an ihren Kindern verloren.

>>> Alle Infos zur NRZ-Spendenaktion

Zum mittlerweile elften Mal unterstützt die NRZ-Stadtredaktion mit Ihrer „Wunschzettelaktion“ das „Spatzennest“, die Notaufnahme des Kinderschutzbundes in Altenessen. Dank zahlreicher Spenden konnte in diesem Jahr zudem das zweite Haus „Kleine Spatzen“ in Borbeck für die jüngsten Kinder in Krisen eröffnet werden. Ihre Spenden, liebe Leserinnen und Leser, kommen also erstmals beiden Einrichtungen zugute.

Auch in diesem Jahr bitten wir Sie um Ihre Mithilfe. Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Kinderschutzbundes haben wir einen Wunschzettel mit den Dingen zusammengestellt, die dringend benötigt werden:

>> Lego, Duplo, Playmobil

>> Motorikspiele für kleine Kinder

>> Diverse Spiele und Bastelmaterialien

>> Gutscheine für Aktivitäten (Schwimmen, Kino oder andere schöne Ausflüge)

>> Nachtlichter, Spieluhren

>> Startersets mit Kinderkleidung (Unterwäsche, Schlafanzug, Jeans, T-Shirt, Pullover, Jacke, Socken, Bademantel etc.) in den Größen 98 bis 164 für Jungen und Mädchen, die oftmals nur mit dem Nötigsten bekleidet in den Notaufnahmen landen, wenn sie aus ihren Familien geholt werden.

>> Hygieneartikel (Shampoo, Duschgel, etc.)

>> Bettwäsche

Ihre Spende können Sie bis einschließlich 21. Dezember im NRZ-Pressehaus an der Sachsenstraße 30 abgeben: montags, dienstags, mittwochs von 8 bis 16 Uhr, donnerstags 8 bis 18 Uhr und freitags 8 bis 14 Uhr.

Noch eine Bitte: Selbstverständlich freut man sich im „Spatzennest“ auch über gebrauchtes Spielzeug und getragene Kleidung. Zu Weihnachten wäre es allerdings schön, wenn Ihre verpackten Geschenke neuwertig wären. Ein kleines Inhaltsschildchen an dem Päckchen ist hilfreich bei der Bescherung an Heiligabend.

Wenn Sie für die wichtige Arbeit im „Spatzennest“ oder im Haus „Kleine Spatzen“ lieber Geld spenden möchten, ist dies natürlich auch möglich: Sparkasse Essen, BLZ: 360 501 05, Konto: 290 700, IBAN DE70 3605 0105 0000 2907 00, Empfänger: Kinderschutzbund Essen, Verwendungszweck: Spatzennest/NRZ-Aktion.

Auf Wunsch wird auch eine Spendenquittung ausgestellt. Infos dazu beim Kinderschutzbund Essen unter der Rufnummer 0201/49 550 755.

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