Bestattungen

Gebühren für Beerdigungen sind in Essen besonders hoch

Urnengräber wie auf dem Parkfriedhof

Foto: Sebastian Konopka

Urnengräber wie auf dem Parkfriedhof Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Nach einem bundesweiten Vergleich müssen Essener für Urnen- und Baumbestattungen viel bezahlen. Grün und Gruga kritisiert die Untersuchung.

In Essen ist das Sterben vergleichsweise teuer: Gerade wer sich für ein derzeit populäres Urnen-Reihengrab entscheidet, muss im Vergleich mit insgesamt 18 deutschen Großstädten tief in die Tasche greifen: Bei dieser Begräbnis-Variante liegt der Preis in Essen laut einer vom digitalen Bestattungshaus „Mymoria“ veröffentlichten Untersuchung auf Platz vier. 1524 Euro müssen Hinterbliebene laut Vergleich des Unternehmens in Essen in diesem Jahr für ein Urnen-Reihengrab ausgeben. Teurer sind da nur noch Düsseldorf mit 1552,37 Euro, Frankfurt am Main mit 1595 Euro und Köln mit sogar 2531 Euro. Zum Vergleich: Im Schlusslicht Frankfurt/Oder muss man für eine Bestattung in einem Urnen-Reihengrab lediglich 399,40 Euro bezahlen.

Auch wenn Essen hier preislich recht weit vorne liegt, sind Urnenbestattungen in der Stadt sehr beliebt: Laut Friedhofsamt entscheiden sich 76 Prozent der Hinterbliebenen für genau diese Bestattungsart. Wohl, weil sie vergleichsweise pflegeleicht und im Vergleich zu anderen Varianten durchaus noch günstig ist.

Baumbestattung in Essen für 2680 Euro

Zum Beispiel im Vergleich zur Baumbestattung, bei der der Verstorbene im Wurzelbereich eines Baumes auf dem Friedhof beerdigt wird: Diese schlägt in Essen laut „Mymoria“ mit 2680 Euro zu Buche – was der Stadt in dieser Grab-Variante wieder den vierten Platz einbringt, vor Stuttgart (2980 Euro), Dortmund (3200 Euro) und Leipzig (3350 Euro). Beim Schlusslicht Dresden fallen insgesamt 971,41 für die letzte Ruhestätte am natürlichen Schattenplatz an.

Was das traditionelle Erdreihengrab angeht, liegt Essen dagegen mit dem achten Platz im deutschlandweiten Mittelfeld: 2168 Euro kostet diese klassische Beerdigungsvariante hier. Auf Platz eins liegt abermals Köln (2741 Euro), gefolgt von Dortmund (2599 Euro).

Laut „Mymoria“-Sprecher Christian Soult habe der Vergleich sämtliche Gebühren, die eine Kommune für die Bestattung veranschlagt, einbezogen: Also für die Beisetzung, für die Trauerhalle, das Grab mit Mindestnutzungsdauer und das Grabmal.

Unterschiede in den Kommunen

Hans-Joachim Hüser, Leiter der Friedhofsabteilung von Grün und Gruga, warnt vor solchen pauschalen Gegenüberstellungen zwischen Städten: „In den Satzungen der Kommunen und was individuelle Begebenheiten angeht, existieren so viele Unterschiede, dass Vergleiche oft nur wenig zielführend sind.“

So hat „Mymoria“ zum Beispiel anonyme Urnengräber gar nicht berücksichtigt. Auch wurde bei der Mindest-Nutzungsdauer kein Unterschied gemacht: „Diese können je nach Kommune zwischen 15 und 30 Jahren variieren“, so Hüser. In Essen sind es 25 Jahre, für die man eine Grabstelle mindestens pachtet. Tatsächlich habe man diesen Unterschied nicht in die Berechnung einfließen lassen, räumt „Mymoria“-Sprecher Christian Soult ein. „Unabhängig von der Nutzungsdauer haben wir den Betrag als Basis genommen, den man in der jeweiligen Kommune mindestens zahlen muss.“

Verwunderung über Vorjahres-Vergleiche

Hans-Joachim Hüser zeigt sich auch verwundert über die Vorjahresvergleiche und die damit verbundenen angeblichen Anstiege der Gebühren, die der Vergleich zeigt: „Wir haben die Gebühren zuletzt am 1. Januar 2016 leicht angehoben.“ In diesem Jahr habe es, anders als „Mymoria“ behauptet, keine Erhöhung gegeben.

Genau kann sich Christian Soult diesen offenkundigen Fehler in seiner Statistik nicht erklären. Immerhin macht diese bei den Kosten für ein Erdreihengrab in Essen von 2016 auf 2017 eine Steigerung von sieben Prozent aus, für ein Urnen-Reihengrab sogar um 9,12 Prozent. Möglich sei ein Fehler in der Datenquelle, der sich das Unternehmen bedient hat: Diese stammen von der „Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas“. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Zahlen zu dem Zeitpunkt, an dem wir in vergangenen Jahr die Daten für 2016 sammelten, dort noch nicht auf den neuesten Stand waren“, so Christian Soult.

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