Arbeitsplätze

Gastronomie in Essen: Personalmangel lähmt Betriebe

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Für sein Restaurant „Alte Metzgerei“ in Essen-Rüttenscheid sucht Frank Schikfelder schon seit Monaten vergeblich einen neuen Koch oder eine neue Köchin.

Für sein Restaurant „Alte Metzgerei“ in Essen-Rüttenscheid sucht Frank Schikfelder schon seit Monaten vergeblich einen neuen Koch oder eine neue Köchin.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Essen.  In Essen fehlt in vielen Restaurants, Bars und Cafés Servicepersonal. Warum sich die Situation nach dem Sommer noch mehr zuspitzt.

Die Gäste kommen wieder, aber in Restaurants, Kneipen und Cafés fehlt Personal: Das bringt viele Essener Betriebe an ihre Grenzen.

  • Etwa ein Fünftel der Beschäftigten ist 2020 von der Gastronomie in andere Branchen gewechselt.
  • In vielen Essener Betrieben fehlen Servicekräfte, auch Küchenpersonal und Auszubildende werden gesucht.
  • Einige Betriebe müssen ihre Öffnungszeiten einschränken.

„Ich suche schon seit Monaten einen neuen Koch und finde keinen“, sagt etwa Frank Schikfelder, der die „Alte Metzgerei“ in Rüttenscheid betreibt. Ähnliche Erfahrungen machen auch andere gastronomische Betriebe in der Stadt. Einige mussten aufgrund des Personalmangels bereits ihre Öffnungszeiten einschränken, zudem berichten sie von einer hohen gesundheitlichen Belastung der verbliebenen Angestellten.

Nach Zahlen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat im Corona-Jahr 2020 ein Fünftel der Beschäftigten das Gastgewerbe verlassen. Als Hauptgrund sieht die Gewerkschaft Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit. „Man muss fairerweise sagen, dass es in der Branche schon seit Jahren schwieriger wird Nachwuchs und Servicekräfte zu finden – in der Corona-Zeit sind zusätzlich viele in andere Branchen gewechselt“, sagt Schikfelder. Das habe den Fachkräftemangel noch einmal verstärkt.

Personal fehlt in Essener Restaurants, Cafés und Kneipen

Ausgerechnet im Sommer nach den Lockdowns, wo das Geschäft wieder rund laufen sollte, standen Gastronominnen und Gastronomen vor großen Schwierigkeiten – und sie werden jetzt zum Herbst teilweise noch größer. „Im Sommer konnten wir zum Glück noch viele Schüler beschäftigen“, sagt zum Beispiel Stefan Romberg, Geschäftsführer im „Wirtshaus zur heimlichen Liebe“.

So konnten die Gäste den Sonnenschein wieder auf der Terrasse mit Blick auf den Baldeneysee genießen, obwohl über die Corona-Zeit nur noch 10 von vorher 40 Aushilfen geblieben waren. Doch die Schulferien sind nun vorbei, und auf viele Studierende könne er nicht setzen, sagt Romberg. Sie seien immer mehr in Nebenjobs und Praktika in den Branchen eingespannt, in denen sie später arbeiten möchten, weil das im Lebenslauf vielerorts erwartet werde.

In der Essener Gastronomie sind noch Ausbildungsplätze frei

Und so sind viele Stellen unbesetzt im Wirtshaus, nicht nur Aushilfen werden gesucht: „Im Service würde ich gerne noch fünf Leute fest anstellen und in der Küche ist auch noch eine Stelle frei“, sagt Romberg. Durch die erhöhte Belastung gehe das verbliebene Personal „auf dem Zahnfleisch“, der Krankenstand schnelle derzeit in die Höhe. Noch komme man über die Runden, aber an einigen Tagen war die Heimliche Liebe bereits eingeschränkt geöffnet oder gar nur mit geschlossenen Gesellschaften zu Hochzeiten belegt. Ein zusätzlicher regulärer Betrieb ist bei mehreren Feiern parallel derzeit nicht drin.

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Dringend nach Personal sucht zum Beispiel auch die Rüttenscheider „Zweibar“. Dort sind neue Kräfte für Service, Theke und Küche gefragt. Um den Kolleginnen und Kollegen die Suche nach neuem Personal zumindest nicht zusätzlich zu erschweren, hatte der Essener Dehoga-Vorsitzende Moritz Mintrop bereits vor dem Sommer von der Politik gefordert, der Gastronomie Planungssicherheit zu geben. Doch die Erfahrung der Pandemie scheint viele potenzielle Fachkräfte zusätzlich verunsichert zu haben.

Wie Schikfelder ist auch Romberg der Ansicht, dass die Pandemie Trends verstärkt hat, die es schon vorher gab. Vor allem die Arbeitszeiten seien für viele einfach nicht attraktiv. Selbst auszubilden und die Angestellten mit möglichst guter Bezahlung und Extras langfristig zu halten, ist eine Strategie, auf die er setzt. „Wir sind erpicht darauf, möglichst viele Azubis einzustellen.“ Doch auch das werde schwieriger, drei Ausbildungsplätze sind allein in der Heimlichen Liebe aktuell noch frei: Zwei in der Küche und einer im Service. Die Hoffnung bleibt, dass sich noch Interessierte finden.

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