Karneval

Steeler Jungs: Karnevalsverein wusste offenbar Bescheid

Nach Angaben der Gänsereiter war bei der Abnahme „nicht erkennbar“, dass sich hinter den „Steeler Jecken“ die „Steeler Jungs“ verbergen. Dabei ist bekannt, dass die RWE-Hooligans und Steeler Jungs auch als „First Class Crew“ firmieren - wie sie auch offen auf ihrem Wagen zeigen.

Nach Angaben der Gänsereiter war bei der Abnahme „nicht erkennbar“, dass sich hinter den „Steeler Jecken“ die „Steeler Jungs“ verbergen. Dabei ist bekannt, dass die RWE-Hooligans und Steeler Jungs auch als „First Class Crew“ firmieren - wie sie auch offen auf ihrem Wagen zeigen.

Foto: Facebook / Freisenbrucher.de

Essen-Freisenbruch.   Die Gänsereiter sollen von der Teilnahme der Steeler Jungs gewusst haben, sagt ein Insider. Die Karnevalisten bemühen sich um Schadensbegrenzung.

Wussten die Gänsereiter aus Freisenbruch schon im Vorfeld, dass eine Abordnung der Steeler Jungs am Karnevalsumzug teilnimmt? Das zumindest behauptet ein Insider, der im Stadtteil aufgewachsen ist und die Szene kennt: „Das sind die gleichen Leute, die vor 20 Jahren als Hooligans bei einer Massenschlägerei dafür gesorgt haben, dass die Bochumer Landstraße gesperrt werden musste. Und die kennt man“, sagt der Freisenbrucher, der aus Angst vor möglichen Folgen seinen Namen nicht veröffentlicht wissen will.

Außerdem habe er in den vergangenen Wochen mehrere Gespräche mitbekommen, in denen über die Teilnahme der Steeler Jungs beim Umzug gesprochen worden sei, behauptet der Mann. „Das ist mir von mehreren Seiten zugetragen worden und die waren alle entsetzt darüber. Nur traut sich keiner, was zu sagen“, sagt der Bürger.

Gänsereiter mahnten umstrittenes Schild noch an

Die Gänsereiter widersprechen dem Vorwurf: „Wir haben nichts von der Teilnahme gewusst und sind arglistig getäuscht worden“, beteuert der Vereinsvorsitzender Hans-Walter Röpke am Dienstag erneut. Dass der Wagen am Sonntag nicht schon bei der Abnahme negativ aufgefallen und in der Folge ausgeschlossen worden sei, begründet Röpke so: „Dieses Schild mit der Zecken-Aufschrift und der Faust drauf hatten die bei der Abnahme noch in der Hand und wollten es gerade anbringen. Wir haben dann noch gesagt, dass sie das lassen sollen und das Ärger geben würde. Danach haben wir die weiteren Wagen abgenommen und nicht mitbekommen, dass das Schild offenbar doch noch montiert wurde.“

Ob nicht die bloße Existenz des ganz offensichtlich fremdenfeindlichen Wagenelements zum Ausschluss hätte führen müssen, verneint Röpke. Schließlich sei nicht erkennbar gewesen, dass es sich bei den „Steeler Jecken“ um Mitglieder der als rechts geltenden Bürgerwehr „Steeler Jungs“ gehandelt habe. „Die hatten diese Helme noch nicht auf und haben überhaupt nicht den Eindruck erweckt, mit den Steeler Jungs etwas zu tun zu haben“, sagt Röpke.

Bei der Anmeldung der „Steeler Jecken“ hätten diese sogar die explizite Nachfrage verneint, ob ein Zusammenhang zu den „Steeler Jungs“ bestehe. „Dieses Ehepaar, das den Verein bei uns vorgestellt hat, war wirklich freundlich. Wir hatten da keine Bedenken“, schildert Röpke.

Gänsereiter treffen sich am Dienstag zur Krisensitzung

Am Dienstagnachmittag kommt er mit weiteren Gänsereitern zusammen, um eine gemeinsame Stellungnahme zu erarbeiten. „Wir sind im Moment die Buhmänner und wollen das nicht auf uns sitzen lassen. Den Umzug gibt es seit 1926 und bislang haben wir immer friedlich und gut miteinander gefeiert“, sagt der oberste Gänsereiter.

Dass sich der Verein vergleichsweise spät von den „Steeler Jecken“ und ihrem Wagen distanziert habe, begründet Röpke mit dem ehrenamtlichen Einsatz des Vereins bei den Umzügen in Höntrup und Wattenscheid: „Da sind wir als Gänsereiter Rosenmontag immer als Ordner unterwegs, um den Vereinen dort zu helfen. Deswegen konnten wir uns gar nicht zusammensetzen.“

Um anstößige Motive und Wagen künftig zu verhindern, müssen vielleicht eine weitere Kontrolle während des Zuges her, sagt Hans-Walter Röpke: „Nur so können wir sicher stellen, dass nach der Abnahme nichts an den Wagen verändert wurde.“

Mittlerweile prüft auch die Polizei, ob der Vorfall strafrechtlich verfolgt werden kann und steht dazu in Gesprächen mit der Staatsanwaltschaft. Aktuell sehe es aber nicht danach aus, als werde man den Vorfall weiter verfolgen, so ein Polizeisprecher.

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