Wassertürme

Für Wasserturm-Freunde ist jedes Silo etwas Besonderes

Die Deutsch-internationale Wasserturmgesellschaft besuchte den Wasserturm am Steeler Berg im Südostviertel.

Die Deutsch-internationale Wasserturmgesellschaft besuchte den Wasserturm am Steeler Berg im Südostviertel.

Foto: Stefan Arend

Essen-Südostviertel.   Vor 15 Jahren gründete sich die Deutsch-internationale Wasserturm-Gesellschaft. Nun stattete der Verein Essen erstmals einen Besuch ab.

Wer im Südostviertel die Steeler Straße in Richtung Ostpark befährt, sieht ihn schon von Weitem: den Wasserturm am Steeler Berg. Beeindruckt das mächtige Wassersilo schon allein durch seine imposante Größe, so gibt es tatsächlich knapp 80 Enthusiasten, die vor 15 Jahren einen Verein gründeten, um ihrer Faszination für Wassertürme Ausdruck zu verleihen. Nun folgte die Stippvisite in Essen.

Jürgen Malone, langjähriger Mitarbeiter der Stadtwerke und ausgewiesener Kenner der Materie, gewährt seinen Gästen an diesem Tag direkte Einblicke in den geschichtsträchtigen Backsteinturm. Was eher selten vorkommt, denn ein Wasserturm ist für die Trinkwasserversorgung gedacht und daher „ein durchaus sensibeler Bereich“, wie er sagt.

Wasserturm-Gesellschaft zählt knapp 80 Mitglieder

Doch für die „Deutsch-internationale Wasserturm-Gesellschaft“, macht Malone heute mal eine Ausnahme. Zumal der in den Jahren 1883/1884 nach Plänen des Aachener Professors Otto Intze erbaute Turm zwar technisch noch immer intakt ist, aber derzeit nicht das Essener Leitungsnetz versorgt.

Das Netz habe sich seitdem von 19 auf 1700 Kilometer Länge vergrößert, „was der Strecke von Essen nach Madrid entspricht.“ Die Stadtwerke besitzen in Essen sieben Türme mit einer Kapazität von 50 000 Kubikmetern Trinkwasser – das sind über 400 000 Badewannen voll.

Kontakte auf ins Ausland

Der Verein trägt seinen Namen zu Recht, pflegt Kontakte beispielsweise auch nach Frankreich. „In den Niederlanden gibt es 200 Türme und sogar eine Stiftung“, sagt Ulrich Rosenbaum. Er organisierte diesmal die Reise der 42 Wissbegierigen („So viele waren noch nie“), darunter Architekten, Fotografen, Wasserversorger, Historiker und Modellbauer.

Ulrich Rosenbaum ist Geschäftsführer des Vereins und seit 2008 dabei. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete er bei der Stadt Essen. Nun widmet er den größten Teil seiner Freizeit seinem Hobby: „Die Architektur interessiert mich.“ Das gilt auch für Norbert Reppelmund, ein Maschinenbauer aus Bonn: „Wassertürme haben alle die gleiche Funktion, doch sie sehen alle anders aus“, schwärmt er.

Verein bringt eigenes Magazin heraus

Rosenbaum ist, wie alle Mitstreiter, stets auf der Suche nach neuen, noch unbekannten Wassertürmen. Zuletzt wurde er in Österreich fündig, Sein Sohn, der dort studierte und arbeitete, schickte ihm ein Foto in die Heimat. „Darüber schreibe ich nun einen Artikel in unserer Vereinszeitung“, sagt Rosenbaum. Für das Magazin „Der Wasserturm“, das zweimal pro Jahr erscheint, zeichnet Jens U. Schmidt verantwortlich. Der Psychologe aus Leipzig studierte in den 1970er Jahren in Berlin. „Ein Foto gab den Ausschlag, seitdem ist mein Interesse geweckt.“ Etliche Bücher hat Schmidt bereits zum Thema verfasst.

Auch Gefängnisse haben oft ein eigenes Wassersilo

„Wassertürme entstanden immer dort, wo eine eigene Wasserversorgung unumgänglich war“, erzählt er. Zum Beispiel in der Nähe von Firmen. „Aber auch an Schornsteinen wie beispielsweise in Karnap in der Glasverarbeitung.“ Man nutzte die Höhe der Esse, um den Wasserdruck zu erhöhen. „Die Abwärme hatte zudem den Vorteil, dass das Wasser im Tank im Winter nicht gefrieren konnte.“

Wassertürme gab es auch an Orten, die in der Gesellschaft eher ausgeblendet werden und daher ausgelagert wurden. Schmidt stieß bei seiner Recherche in Bayern und Berlin auf Gefängnisse, aber auch auf „Irrenanstalten“, wie sie früher genannt wurden.

Étwa 2500 Türme gibt es allein in Deutschland

Vereinschef und Gründer Werner Langels aus Dorsten fügt all diese Funde in eine sorgsam geführte Liste ein. „Etwa 2500 Türme gibt es allein in Deutschland“, sagt er. „Rund 400 davon habe ich schon selbst gesehen.“ Geht es nach Langels, dann müssten alle erhalten bleiben. Und er geht noch einen Schritt weiter: „Unser Vereinsziel, die Gründung eines eigenen Wasserturm-Museums, haben wir fast erreicht. Besucher können unseren Wasserturm in Neustrelitz-Altstrelitz in Mecklenburg-Vorpommern im Sommer besteigen und die Ausstellung des Vereins besichtigen.“

>> WASSERTÜRME DIENEN AUCH ALS BÜRO

Neben dem Wasserturm am Steeler Berg in Huttrop gibt es in Essen noch einige mehr, die jedoch längst nicht alle an die Trinkwasserversorgung angeschlossen sind.

Wird der Huttroper Wasserturm seit Jahren von der Essener Tafel genutzt, bezog in direkter Nachbarschaft beispielsweise ein Software-Unternehmen Quartier im Wasserturm am Laurentiusweg 83 in Steele. Kunden können stets einen Blick in die umgebauten Büroräume werfen, Führungen bietet Inhaber Chritian Mauve nur selten an, „weil das den Arbeitsablauf zu sehr stören würde“, wie er sagt.

Für seine umfangreiche Umgestaltung des Wasserturms in Bredeney wurde das Architekturbüro „Madako“ schon vor Jahren ausgezeichnet. Noch immer befinden sich dort Wohnungen und Büros.

Kettwiger Wasserturm ist ein Zwerg

Auch in Kettwig an der Schmachtenbergstraße ist ein Wasserturm zu finden. Mit seinen fünf Metern Höhe ist dieser ein Zwerg im Vergleich zu den anderen in der Stadt. Für die Zwecke eines Gartenbaubetriebes reicht er dennoch völlig aus.

Weitere Türme finden sich in Karnap an der Ruhrglasstraße als Schornstein-Wasserturm einer Glasverarbeitung, in Steele an der Horster Straße (ehemals Union-Brauerei) und auch an der Kerckhoffstraße in Frohnhausen. Der Wasserturm des ehemaligen Friedrichbades ist auf den ersten Blick nicht als solcher erkennbar und befindet sich in Besitz der Stadt.

Es gibt auch noch Wassertürme, die ihre ursprüngliche Aufgabe erfüllen: an der Ernestinenstraße in Frillendorf (Stadtwerke), in Bedingrade an der Frintroper Straße (Rheinisch-Westfälische Wasserwerke), an der Hochfeldstraße im Isinger Feld (Gelsenwasser) und in Byfang an der Niederweniger Straße (Stadtwerke).

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