Flüchtlinge

Frohnhauser Flüchtlings-WG als spannendes Experiment

Pater Lutz Müller (links), Faustin Ayamba aus der Republik Kongo und Pater Ludger Hillebrand wohnen gemeinsam im ehemaligen Pfarrhaus der St. Elisabeth-Gemeinde. Nicht alle Bewohner ließen sich so bereitwillig fotografieren wie Faustin Ayamba.

Pater Lutz Müller (links), Faustin Ayamba aus der Republik Kongo und Pater Ludger Hillebrand wohnen gemeinsam im ehemaligen Pfarrhaus der St. Elisabeth-Gemeinde. Nicht alle Bewohner ließen sich so bereitwillig fotografieren wie Faustin Ayamba.

Foto: Michael Korte

Essen-Frohnhausen.   Zwei Jesuiten-Pater leben jetzt mit Flüchtlingen unter einem Dach. Männer aus unterschiedlichsten Kulturen und Religionen kommen so zusammen.

Studenten-Wohngemeinschaften sind alltäglich, und Senioren-WGs sind auch schon lange keine Sensation mehr. Doch die Wohngemeinschaft, die sich gerade in Frohnhausen entwickelt, ist wohl deutschlandweit einzigartig. Denn hier haben sich zwei Jesuiten-Patres bereit erklärt, mit bis zu acht Flüchtlingen unter einem Dach zu wohnen.

Zusammenleben mit Flüchtlingen erproben

Es ist ein spannendes Experiment, auf das sich die beiden Ordensbrüder eingelassen haben, zumal sie sich erst in Essen kennengelernt haben. Lutz Müller (55) war zuletzt in Mannheim als Therapeut tätig, während Ludger Hillebrand (54) acht Jahre lang in einem Berliner Abschiebegefängnis in der Rechtsberatung gearbeitet hat. „Jesuiten sind nicht ortsfest, sondern mobil und flexibel“, erklärt Lutz Müller, der in Amerika zum – hier nicht anerkannten -- Psychotherapeuten ausgebildet wurde.

Im Auftrag ihres Provinzials, dem Leiter des Jesuiten-Ordens in Deutschland, sollen sie nun das Zusammenleben mit Flüchtlingen erproben. Zu Beginn haben sich die beiden Jesuiten im vergangenem Herbst bei der Caritas, bei Pro Asyl, der Diakonie und dem Jugendamt vorgestellt und ihr Vorhaben erläutert. Über diese Kontakte wurden nach und nach sechs Flüchtlinge gefunden, die sich ein Leben in einer Wohngemeinschaft vorstellen können. Ein Argument war das Einzelzimmer, das, so bescheiden es auch ist, einer Gemeinschaftsunterkunft vorzuziehen ist. Doch dieses Argument zog nicht bei jedem der WG-Kandidaten: „Einer wollte sich das Bad nicht mit anderen teilen, und einer nicht mit Moslems zusammen leben.“

Fünf Flüchtlinge sind schon da, zwei weitere werden erwartet

Doch nun stehen die Namen von fünf Flüchtligen auf der Tür des alten Pfarrhauses, dabei handelt es sich um einen Libanesen, drei Syrer und einen Kongolesen im Alter zwischen 24 und 68 Jahren. Zwei weitere Nigerianer stellen sich noch in dieser Woche in Frohnhausen vor. Allein ihre Glaubensrichtungen lassen ahnen, wie groß Toleranz geschrieben werden muss: Ein evangelischer Christ lebt mit zwei katholischen armenischen Christen aus Syrien, mit zwei sunnitischen Moslems und einem Atheisten unter einem Dach.

Auch wenn schon gegenseitige Kirchen- und Moscheebesuche stattgefunden haben: Hauptziel der Wohngemeinschaft ist die Integration der Männer in die deutsche Gesellschaft. „Deshalb ist Deutsch auch die Sprache in diesem Haus“, sagt Lutz Müller, muss aber angesichts der sprachlichen Hürden gleich lachend einschränken: „Das ist das Ziel.“

Smartphone hält Kontakt zur Familie – und zum Krieg

Unter welchem Druck die Flüchtlinge stehen, schildern die Patres am Beispiel eines Syrers, dessen Familie noch im kriegsverwüsteten Land lebt. „Durch das Smartphone hält er Kontakt zu ihr, aber dadurch findet der Krieg in Echtzeit hier im Hause statt.“

Trotzdem sei die Stimmung in der WG „lebendig und vital“. „Die Menschen sind auf Entdeckungsreise“, beschreibt Lutz Müller die Gefühlslage. „Keiner ist resigniert, sie wollen ankommen in Deutschland.“

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