Achtsame Trennung

Friedliche Trennung statt Rosenkrieg: Juristin hilft dabei

Annette Oschmann aus Essen-Bredeney ist Coach für die Methode Conscious Uncoupling. Die Gespräche mit den Klienten finden in diesem Raum bei ihr zu Hause statt.

Annette Oschmann aus Essen-Bredeney ist Coach für die Methode Conscious Uncoupling. Die Gespräche mit den Klienten finden in diesem Raum bei ihr zu Hause statt.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen-Bredeney.  Neuanfang statt Rosenkrieg: Annette Oschmann aus Essen bietet als einziger Coach in Deutschland die Methode der Bewussten Trennung an.

Wenn sich Paare trennen, gibt es oft einen langwierigen Rosenkrieg, der nicht nur die Ex-Partner, sondern vor allem auch Kinder schwer belastet. Wie man achtsam und in Frieden auseinandergehen kann, vermittelt die promovierte Rechtsanwältin Annette Oschmann aus Essen-Bredeney. Sie ist nach eigenen Angaben die einzige praktizierende Trainerin für die Methode „Conscious Uncoupling“ (Bewusste Trennung) in Deutschland.

Annette Oschmann (49) ist seit 20 Jahren als Rechtsanwältin tätig, aktuell in Teilzeit. „Ich habe mich auf Markenrecht spezialisiert, mag diese Arbeit eigentlich sehr, weil ich sehr nüchtern, strukturiert und klar denke“, sagt die Mutter von drei Söhnen im Alter von 16, 14 und zehn Jahren. Den Ausgleich finde sie in ihrer Tätigkeit als Mediatorin, die sie seit sieben Jahren ausübe. „Dabei ist eher Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis gefragt“, sagt die Bredeneyerin. Ihr Anliegen sei es, vernünftige Lösungen zu finden, die die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigten.

Probleme in partnerschaftlichen, beruflichen oder geschäftlichen Beziehungen

Bekannt geworden war das Bewusste Trennen 2014 durch die Schauspielerin Gwyneth Paltrow und den Sänger Chris Martin, die nach dieser Methode als Ehepaar friedlich auseinandergingen. Die Methode wurde von der Amerikanerin Katherine Woodward Thomas, einer Ehe- und Familientherapeutin aus Los Angeles, entwickelt.

Als Mediatorin vermittele die Bredeneyerin zwischen Menschen, die in ihrer partnerschaftlichen, beruflichen oder geschäftlichen Beziehung Probleme miteinander haben. Vor rund drei Jahren sei sie auf die Methode des Bewussten Trennens aufmerksam geworden. Damals sei die deutsche Übersetzung des Buches von Katharine Woodward Thomas erschienen. Annette Oschmann las das Buch, das ihr weiteres Leben beeinflussen sollte. „Ich habe sofort dafür gebrannt“, sagt Annette Oschmann mit leuchtenden Augen. Sie sei sofort überzeugt gewesen, sich als Coach für diese Methode ausbilden zu lassen – auch wenn das mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden sei.

Der Kurs zur Zertifizierung findet in Los Angeles statt

„Glücklicherweise fing damals direkt ein Kurs ein, der nur alle zwei Jahre angeboten wird“, sagt die 49-Jährige. Der siebenmonatige Kurs finde in Los Angeles statt, umfasse eine Einführungswoche und dann zwei Vorlesungen pro Woche plus anschließender Diskussion. Die würden im Internet übertragen, „hier glücklicherweise um 19 Uhr, wenn ich auch Zeit habe“, sagt sie.

„Durch eine inhaltliche Zusammenfassung muss man beweisen, dass man die Vorlesung tatsächlich gehört hat“, so Annette Oschmann. Protokolle, Arbeitsgemeinschaften, Leseliste, das Coachen von drei Probe-Klienten auf Englisch inklusiver Dokumentation – der Aufwand bis zum Zertifikat sei erheblich. Mit ihr gemeinsam hätten drei Amerikanerinnen, eine Engländerin und zwei Australierinnen den Kurs absolviert, berichtet Annette Oschmann.

Im Gegensatz zur Mediation, bei der es darum gehe, zwei Parteien zusammenzubringen, gehe es beim Bewussten Trennen um Einzelgespräche. „In der Regel kommt ein Partner, der sich gerade trennt, getrennt hat, trennen will oder der verlassen wurde, auf mich zu“, so Annette Oschmann. 70 bis 80 Prozent der Klienten seien Frauen. In einem längeren kostenlosen Telefongespräch stellten beide Seiten fest, „ob es passt“. Erst dann buche der Klient die kostenpflichtigen Sitzungen. „Eine solches Training absolvieren eigentlich nur Menschen, die zur Selbstreflexion bereit und fähig sind“, sagt die 49-Jährige.

Die Klienten werden persönlich oder telefonisch betreut

Die Klienten würden persönlich bei ihr zu Hause in einem in freundlichen Farben gestalteten Raum gecoacht, der Kontakt könne aber auch über Telefon oder Skype laufen. Wer welche Kommunikationsart bevorzuge, sei nicht nur von der eigenen Persönlichkeit abhängig, sondern auch vom Wohnort der Klienten, die aus ganz Deutschland kämen.

Ziel des Trainings sei es, die Menschen in der Phase, in der sie sich gerade befänden, abzuholen, sie aus Trauer, Wut und Selbstzweifeln herauszuholen und zu sich selbst und ihren eigenen Bedürfnissen zu führen. Schnell gehe es um sehr persönliche Themen wie Narzissmus, Kinderlosigkeit, familiäre Vorbilder. „Wer mit sich selbst im Reinen ist, kann sich auch wieder gut um Kinder kümmern, die oft besonders unter einer Trennungssituation mit Rosenkrieg leiden“, sagt Annette Oschmann.

Sechs Sitzungen seien erforderlich, einigen buchten später weitere Stunden, um den Prozess noch einmal zu reflektieren. „Das Training verändert die Menschen“, erklärt die Bredeneyerin, die oft positive Reaktionen von den Klienten erhält. Annette Oschmann: „Für mich ist das eine Herzenssache, mir ist es wichtig, dass die Menschen die Erlebnisse ihrer gescheiterten Partnerschaft verarbeitet haben, nach einer Trennung wieder positiv nach vorn blicken können und so auch innerlich frei werden für eine neue Beziehung.“

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