Bestattungen

Friedhof Essen-Kettwig bietet Urnenbestattung unter Bäumen

Der Kettwiger Friedhof An der Nittlau: Heike Lewandowski, Hans-Joachim Hüser und Melanie Ihlenfeld (v.l.) befinden sich auf der neuen Bestattungsfläche für naturnahe Urnenbaumgräber.

Der Kettwiger Friedhof An der Nittlau: Heike Lewandowski, Hans-Joachim Hüser und Melanie Ihlenfeld (v.l.) befinden sich auf der neuen Bestattungsfläche für naturnahe Urnenbaumgräber.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Kettwig.  Unter 122 alten Buchen bietet der Kettwiger Friedhof An der Nittlau die neue Bestattungsform der naturnahen Urnenbaumgräber an. Die Einzelheiten.

Zartes Licht fällt durch die Wipfel der rund 70 Jahre alten Buchen, die schon eine stattliche Größe erreicht haben. Der Waldboden verschwindet bereits unter herbstlich braunen Blättern. Neben einem dicken Baumstamm erinnert ein Herz aus Blumen an einen verstorbenen Menschen. Die weißen Blüten sind mittlerweile verwelkt. Es ist der letzte Gruß einer trauernden Mutter.

Diese idyllische Ruhestätte gehört zu den ersten fünf naturnahen Urnenbaumgräbern im oberen Bereich des Kettwiger Friedhofs An der Nittlau. Auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern mit 122 Bäumen bietet der Friedhof diese neue Bestattungsform seit wenigen Wochen an.

Trend geht zu pflegeleichten und naturnahen Urnengräbern

Melanie Ihlenfeld (43), Leiterin des städtischen Fachbereichs Grün und Gruga: „Die Nachfrage in Richtung der klassischen Erdbestattungen mit Sarg geht immer weiter zurück. Stattdessen verschiebt sich der Trend hin zu pflegeleichten und naturnahen Urnengräbern.“ Das sei auch für viele Angehörige eine große Erleichterung was die Pflege der Grabstätte betreffe, „weil sie häufig nicht am selben Ort wohnen.“

Diese Entwicklung ist im gesamten Bereich des Essener Stadtgebietes deutlich erkennbar. So hatten die Urnenbestattungen bei insgesamt 4639 Beerdigungen auf 23 Essener Friedhöfen im Jahr 2018 einen Anteil von satten 76 Prozent.

Auch für die Urnenbaumgräber auf dem Kettwiger Friedhof gibt es schon weitere Nachfragen. Hans-Joachim Hüser (61), Abteilungsleiter der städtischen Friedhöfe: „Man kann sich bereits im Vorfeld seinen Baum reservieren.“ Pro Grabstätte haben bis zu vier Urnen Platz. Sie sind biologisch abbaubar und werden mindestens 80 Zentimeter tief in die Erde eingelassen.

Erwerber hat ein Nutzungsrecht von 25 Jahren

Dabei halten die Verantwortlichen einen Abstand von zwei Metern zum Baum ein, um dessen Wurzeln nicht zu beschädigen. Wer eine Grabstätte erwirbt, hat ein Nutzungsrecht von 25 Jahren und zahlt dafür 2450 Euro.

Damit Freunde und Angehörige sie finden, sind Baum und Grab jeweils mit einer kleinen, nummerierten Platte gekennzeichnet. Dieses bleibt allerdings der einzige Hinweis. Denn Lichter, Blumenschalen und anderer Grabschmuck sind nicht gestattet. Hans-Joachim Hüser erklärt den Hintergrund: „Wir wollen den Bereich komplett naturnah gestalten.“

Und auch die fernere Zukunft der Urnenbaumgräber ist bereits in Planung. Noch in diesem Herbst werden auf zusätzlicher Fläche neue, junge Buchen gepflanzt.

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