Debatte

Freiheiten für Geimpfte? Was Stadt und ein Hotelier sagen

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Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hat eine Debatte angestoßen. Es geht um Freiheiten für Geimpfte.

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hat eine Debatte angestoßen. Es geht um Freiheiten für Geimpfte.

Foto: Jakob Studnar / FUNKE Foto Services

Essen.  Mit der Impfquote ist die Stadt Essen „sehr zufrieden“, will aber mehr – auch in Anbetracht der Diskussion um Freiheiten für Geimpfte.

Mehr Freiheiten für Geimpfte? Angesicht wieder steigender Infektionszahlen gibt es erneut eine Debatte darum, ob das möglich sein soll. Entfacht hatte diese Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) in einem Interview. „Geimpfte werden definitiv mehr Freiheiten haben als Ungeimpfte“, hatte Braun der Bild am Sonntag gesagt. Für seinen Vorstoß erhält er Zuspruch und Kritik, auch aus den eigenen Reihen.

Zu einer möglichen Impfpflicht heißt es seitens der Stadt Essen von Sprecherin Silke Lenz deutlich: „Wir haben immer gesagt: Impfpflicht, davon halten wir nichts.“ Trotzdem registriert man auch im Rathaus die aktuelle Debatte im Lichte steigender Inzidenzen. Mit der aktuellen Impfquote sei man derzeit „sehr zufrieden“, Lenz stellt aber klar: „Wir wollen mehr.“

Denn es mache im Herbst bei einer drohenden vierten Welle einen großen Unterschied, ob 65 oder 75 Prozent der Menschen geimpft sind. „Eine entspanntere Situation hätten wir natürlich mit 75“, so Lenz.

Stadt: Möglichst viele Angebot schaffen und aufklären

Und so wird man bei der Stadt nicht müde zu betonen, weiter „möglichst viele Angebote zu schaffen und aufzuklären“. Das ist die Strategie. Gespannt ist man im Rathaus auf die neue Corona-Schutzverordnung des Landes. Denn von Bund und Ländern müssten Fragen in Richtung Freiheiten für Geimpfte beantwortet werden.

Einer, der sich Privilegien für Geimpfte wünscht, ist der ärztliche Leiter des Essener Impfzentrum, Dr. Stefan Steinmetz: „Wer sich solidarisch hat impfen lassen, für sich selbst, seine Familie und die Gesellschaft“, sagte er, wie bereits berichtet, unserer Redaktion, der solle an anderer Stelle ruhig davon profitieren – und meint damit etwa Kino-, Hotel- oder Restaurantbesuche. Einen Impfzwang lehnt auch er ab, ohne „sanften Druck“ passiere aber nicht viel.

Stadtsprecherin Silke Lenz sagt dazu, dass natürlich überall das Hausrecht gelte und jeder Unternehmer für sich festlegen kann, wer kommen darf oder nicht. Zu solchen Entscheidungen sagt sie aber: „Für Einzelpersonen ist das schwierig.“

Hotelier und Gastronom: Entscheidung nicht einfach

Eine solche Einzelperson ist Stefan Malich, Betreiber des Hotel und Restaurant Haus Gimken in Borbeck. An seiner Position lässt sich ablesen, wie schwer dieses Thema tatsächlich für Einzelpersonen sein kann, die indirekten Druck auf Ungeimpfte ausüben könnten.

Zu Freiheiten für Geimpfte sagt er: „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust – das Herz des Bürgers und das Herz des Unternehmers.“ Vor dem Hintergrund der Gleichheitsgrundsatzes ist er aktuell gegen eine Regelung, in der eine Gruppe von Menschen mehr Freiheiten genießen darf als eine andere. Vor allem, da derzeit noch nicht alle Menschen ein Impfangebot erhalten, wie es zum Beispiel bei Kindern der Fall ist.

Das Herz des Hoteliers und Gastronomen schlage bei Malich aber in genau die andere Richtung. „Bei der Frage geht es darum, Arbeitsplätze zu sichern, aber auch meine eigene Existenz.“ Aus diesem Grund sei er der Bundesregierung dankbar, dass durch Kanzleramtschef Braun „zumindest eine Debatte angestoßen“ wurde. In Anbetracht der Tatsache der zwei Herzen in seiner Brust sagt er aber: „Ich bin froh, dass ich das nicht entscheiden muss.“

Auf lange Sicht hat Malich eine ziemlich eindeutige Meinung. Wenn jeder in der Gesellschaft, also auch Kinder, geimpft werden dürfen, dann kämen Privilegien für Geimpfte in Frage.

„Die andere Gruppe muss dann sehen, dass Zugänglichkeiten nicht mehr so gegeben sind. Sie könnten ja jederzeit die Einschränkungen selbst aufheben, wenn sie sich impfen lassen. Da geht es nur um diejenigen, die sich verweigern.“ Womit er bei der Einschätzung beim Kanzleramtschef wäre.

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