Märchenerzählerin

Franziska Ebersoldt aus Werden ist Märchenerzählerin

Franziska Ebersoldt verwandelt sich in Fabula, wenn sie zu erzählen beginnt...

Franziska Ebersoldt verwandelt sich in Fabula, wenn sie zu erzählen beginnt...

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Schon als Kind hat sich Franziska Ebersoldt Geschichten ausgedacht. Jetzt ist die 33-jährige Werdenerin von Beruf Märchenerzählerin.

ESSEN-WERDEN. Direkt hinter den Gleisen der S6 und nur einen Steinwurf von der Ruhr entfernt steht der Kattenturm. Versteckt unter hohen Bäumen und dichtem Gebüsch. Um die imposante Ruine ranken sich seit Urzeiten zahlreiche Sagen. Von Rittern, einer schwarzen Katze und einem unermesslich wertvollen Schatz. Die perfekte Kulisse für ein besonderes Foto-Shooting, denn an diesem Morgen treffen wir dort Franziska Ebersoldt, Künstlername Fabula.

Die 33-jährige ist Geschichten- und Märchenerzählerin und lebt seit kurzem mit ihrem Freund Per zwischen Kettwig und Werden – „natürlich mit Garten. Das ist uns ganz wichtig.“

Der Liebe wegen ging es nach Düsseldorf

Geboren wurde sie in Saarbrücken und lebte danach lange mit ihrer Familie auf einem Bauernhof. „Schon als Kind habe ich auf einer Wiese unter einem Birnbaum gesessen – um mich herum die Ziegenherde – und habe mir Geschichten ausgedacht.“

Irgendwann war Schluss mit der Saarland-Idylle. Der Liebe wegen ging es an den Rhein, nach Düsseldorf. Studiert hat sie Deutsch und Englisch auf Lehramt und anschließend Sozialpädagogik. Abgeschlossen hat sie beides. „Ich bin keine Streberin, aber lernen fällt mir einfach leicht.“

Einjährige Weiterbildung zur Erzählerin

Als Dozentin arbeitete sie in der Offenen Ganztagsbetreuung, und „ich habe den Kindern vorgelesen, Geschichten erzählt“. Um noch besser zu werden, machte sie eine zweitägige Fortbildung, in der es ausschließlich ums Erzählen ging. „Das hat mein Leben völlig verändert. Ich wusste, dass ich irgendwann einmal komplett davon leben will. Das ist genau meins.“

Franziska Ebersoldt machte weiter, entschied sich für eine einjährige Weiterbildung zur Erzählerin. „1000 Euro hat das gekostet. Viel Geld, aber das war es allemal wert.“

Mittlerweile wird sie gut gebucht, ist viel unterwegs. „Am liebsten erzähle ich vor Kindern und Erwachsenen. Kinder besuche ich in ihrer Fantasie, und die Erwachsenen hole ich ab und bringe sie für eine gewisse Zeit auch wieder dorthin zurück, wo sie als Kinder waren. Wenn sich gestandene Männer bei der Geschichte vom Zicklein, das bis zehn zählen konnte, Tränen wegwischen, habe ich es wohl gut gemacht. Jugendliche sind allerdings nur schwer zu begeistern – sie leben in ihrer ganz eigenen Welt.“

Immer erzählt sie frei, liest niemals ab

Wenn sie in die Rolle der Fabula schlüpft, erzählt sie in Cafés, Scheunen und Parks, in Kindergärten, Schulen und Freizeiteinrichtungen, auf Geburtstags- und Weihnachtsfeiern, auf Mittelaltermärkten, an Lagerfeuern und am Kamin. Sie umgibt sich mit märchenhaften Kulissen, nutzt passende Accessoires. Und immer erzählt sie frei, liest niemals ab. „Spontan kann ich 80 Geschichten und Märchen erzählen. Und weitere 40 oder 50 müsste ich nur auffrischen.“

Und sie arbeitet nicht nur mit ihrer Stimme. „Die Hälfte ist immer Gestik und Mimik.“ Die Erzählungen, Märchen, Balladen und Gedichte stammen aus aller Herren Ländern – und es sind auch ein paar eigene dabei.

„Fabula“ hat zwei besondere Wünsche

In vielen Märchen erfüllt die gute Fee drei Wünsche – Franziska Ebersoldt hat nur zwei. „Ich wünsche mir ein Stück Wiese, auf dem ich eine Jurte aufbauen würde. Das wäre dann mein Märchenzelt, mein fester Platz, und ich könnte dort regelmäßig etwas anbieten.“ Und wenn ein Musiker sie begleiten könnte, „das wäre schön. Ob Klavier oder Geige. Das wäre ganz egal.“ Zu ihren vielen Requisiten gehört auch eine Wunderlampe… Einmal kräftig daran reiben, die Augen schließen… Einen Versuch ist es allemal wert.

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