Dienstaufsichtsbeschwerde

Fotopose mit „Steeler Jungs“ hat Folgen: Polizist versetzt

Mittenmang unter den „Steeler Jungs“: der Steeler Bezirksbeamte der Polizei in Uniform. Das störte nicht nur die Linkspartei.

Mittenmang unter den „Steeler Jungs“: der Steeler Bezirksbeamte der Polizei in Uniform. Das störte nicht nur die Linkspartei.

Foto: Klaus Micke

Essen.   Mangel an professioneller Distanz: Polizeihauptkommissar wurde nach Dienstaufsichtsbeschwerde der Linken in einen anderen Bezirk abkommandiert.

Die umstrittene Fotopose eines Bezirksdienstbeamten der Essener Polizei mit den „Steeler Jungs“ hat Konsequenzen: Der Ordnungshüter wird zwar weiter als „Dorf-Sheriff“ seinen Dienst versehen – „nur nicht mehr in Steele“, sagte Polizeisprecherin Judith Herold am Montag.Wohin der Beamte abkommandiert wurde, wollte Herold allerdings nicht bekannt geben.

Die Entscheidung sei nach einem internen Gespräch mit dem Polizisten gefallen, nachdem die Essener Linkspartei eine Dienstaufsichtsbeschwerde auf den Weg gebracht hatte. Details aus den anschließenden Ermittlungen gab die Behördensprecherin nicht bekannt. Nur so viel: Der Bezirksbeamte habe sich wohl nicht wirklich bewusst gemacht, von welcher Tragweite das später auf einem Facebook-Profil veröffentlichte Foto sein könnte.

Das Bild zeigte ihn anlässlich eines „Weihnachtssingens“ uniformiert in einer Truppe der „Steeler Jungs“ mit Nikolausmützen. Das Dokument, so hieß es in einer ersten ärgerlichen Reaktion aus der Behörde auf die Dienstaufsichtsbeschwerde der Linken, zeige eine fehlende professionelle Distanz, die nur erneut die Diskussion befeuere, wie ernst die Polizei die Aufmärsche der „Steeler Jungs“ tatsächlich nehme.

„Steeler Jungs“ persönlich mit Handschlag begrüßt

Die Linke hat da ihre eigene Sicht der Dinge: Das Verhalten des Polizeihauptkommissars habe auch schon in der Vergangenheit Fragen aufgeworfen. Er schien, so heißt es in der Dienstaufsichtsbeschwerde, sich auffällig gut mit den Teilnehmern der rechten Versammlungen zu verstehen. Er habe die „Steeler Jungs“ wöchentlich persönlich mit Handschlag begrüßt. Das dokumentierten Videoaufzeichnungen, so die Linke.

Heiko Müller, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für Essen und Mülheim, bezeichnet das Verhalten des Beamten als „unglücklich, aber nicht verwerflich“. Wenn ein Polizist Bürger eines Stadtteils teils aus gemeinsamen Schulzeiten kenne und deshalb auch begrüße, bedeute dies nicht, dass er gleichzeitig ihre Gesinnung teile.

Die Gruppierung der „Steeler Jungs“, denen die Polizei Verbindungen zur Hooligan- und Rockerszene wie auch politischen Rechtsaußen nachsagt, machen seit Monaten mit „Stadtteilspaziergängen“ im Stile einer Bürgerwehr von sich reden.

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