Ausstellung

Fotografien versprühen eine ganz eigene „Blickmagie“

Die austellenden Künstler Dagmar Schenk-Güllich, Helmut Kottkamp, Wolfgang Kleber, Andreas Titzrath, Jörg Meuser, Christoph Honig, Georg Pieron und Dieter Kunst (v.l.) in der Galerie Kunst & Architektur.

Foto: Knut Vahlensieck

Die austellenden Künstler Dagmar Schenk-Güllich, Helmut Kottkamp, Wolfgang Kleber, Andreas Titzrath, Jörg Meuser, Christoph Honig, Georg Pieron und Dieter Kunst (v.l.) in der Galerie Kunst & Architektur. Foto: Knut Vahlensieck

Essen.  Dieter Kisslings Fotografien von Spiegelbildern sind Teil einer Ausstellung des Ruhrländischen Künstlerbundes. Kurator lobt sie für „Blickmagie“.

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„Es grünt so grün“ – viele werden bei dem Titel der neuen Ausstellung des Ruhrländischen Künstlerbundes (RKB) zunächst an den Schlager aus dem Musical „My Fair Lady“ oder an die Grüne Hauptstadt denken – auf diese beiden Aspekte kann man die Vielfalt des Dargebotenen allerdings nicht reduzieren.

Dagmar Schenk-Güllich, Vorsitzende des RKB, erklärt: „Bei der Namensgebung haben wir uns nicht an der Politik orientiert. Wir haben das Thema ganz sinnoffen gewählt, auch vor dem Hintergrund der Jahreszeit. Viele haben sich dadurch angesprochen gefühlt.“

Fotografien haben besondere Entstehungsgeschichte

Tatsächlich offenbart ein Rundgang durch die zweigeschossigen Ausstellungsräume im Forum Kunst und Architektur am Kopstadtplatz viele Facetten eines auf den ersten Blick bereits zahlreich bedienten Themenfeldes.

Zu den herausstechenden Werken mit einer ganz besonderen Entstehungsgeschichte gehören die Fotografien von Dieter Kunst. Der Steelenser hat mit einer Blinden darüber gesprochen, wie sie die Natur erlebt und das Ergebnis im Bild festgehalten.

Ausstellung kommt nicht ohne Politik aus

Ganz ohne Politik kommt die Ausstellung dann doch nicht aus – einige Werke thematisieren mal subtil, mal plakativ alarmierend den Umgang des Menschen mit dem Grün. Ein eindrucksvolles Beispiel ist Przemyslaw Perschkes Holzstatue „Bubble Earth“ – dargestellt ist ein Kind, das eine Kaugummiblase in Form des Globus aufbläst.

Viel Essener Lokalkolorit gibt es auch – so unter anderem eine Fotografie von Heinz Josef Klaßen, die das Stellwerk Essen-Nord im Jahr 2015 und Anfang der 1970er Jahre zeigt. Ein starkes Symbolbild des Strukturwandels, das die Wiedereroberung ehemaliger Industrieanlagen durch die Natur thematisiert.

Fotograf wird Teil seines Bildes

Nur eine Tür weiter, im Ausstellungsraum des Kunstvereins Ruhr, zeigt Dieter Kiessling, Rektor der Mainzer Kunsthochschule, seine Serie „People in mirrors are closer than they appear“ – Menschen in Spiegeln sind näher als sie erscheinen.

Unter diesem Titel, der an den Aufdruck auf den Rückspiegeln amerikanischer Autos erinnert, sind Arbeiten zu sehen, in denen der Künstler Mitmenschen zusammen mit sich selbst in einem großen Spiegel ablichtet. „Ich habe Menschen aus meinem Umfeld angesprochen, Studenten, Familienmitglieder, sogar einen Schornsteinfeger, der zufällig vorbeikam“, erzählt Kiessling.

Kurator spricht von „Blickmagie“

Er liebt das medienreflexive Arbeiten, das in seiner Serie eindrucksvoll in den Vordergrund gerät. Der Fotograf, sonst stumm und unsichtbar hinter der Kamera, wird selbst Teil des Bildes. Durch die Fotografie im Spiegel verschwimmen sämtliche Bildebenen, der Betrachter wird selbst zur Person, auf die die Kamera gerichtet ist. In diesem Zusammenhang spricht Kurator Peter Friese auch von einer „Blickmagie“ – „Die Augen der Porträtierten scheinen den Betrachter zu verfolgen.“

Interessant ist auch die unterschiedliche Art und Weise der Menschen, sich im Bild zu behaupten – vor dem gleichen Hintergrund und neben dem stets gleich bekleideten Fotografen wirken manche zögerlich, andere selbstbewusst. Eine Schau, die neue Sichtweisen auf die Porträtfotografie eröffnet.

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