Geisteswissenschaft

Forschungsprojekt will wissen, worüber Migranten in Deutschland lachen

Worüber lachen diese Menschen? Ein Forschungsprojekt des „Kulturwissenschaftlichen Instituts“ beschäftigt sich bald mit dem Thema „Migration und Humor“.  Foto: Kerstin Kokoska

Worüber lachen diese Menschen? Ein Forschungsprojekt des „Kulturwissenschaftlichen Instituts“ beschäftigt sich bald mit dem Thema „Migration und Humor“. Foto: Kerstin Kokoska

Foto: WAZ FotoPool

Essen.   Im Herbst will sich das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) mit dem Thema "Migration und Humor" beschäftigen. Worüber lachen Migranten, die hier leben? Und wann bleibt das Lachen aus? Diese Fragen will man in einem Forschungsprojekt beantworten.

Worüber lachen Migranten, die hier leben? Und wann bleibt das Lachen aus? Diesen Fragen will sich das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) ab Herbst widmen. Dann soll ein entsprechendes Forschungsprojekt starten, in dem Türken und russische Spätaussiedler interviewt werden.

Eine Studie zum Thema „Migration und Komik“ liegt bereits vor – jene erste Untersuchungen haben ergeben, „dass es sich um ein ernstes Thema handelt; das Projekt ist nicht immer lustig“, erklärte gestern die Leiterin, die Soziologin Halyna Leontiy. Sie stammt aus der West-Ukraine und ist seit dem vergangenen Herbst am KWI beschäftigt.

"Interkultur" ist Forschungsschwerpunkt

Halyna Leontiy sprach auf einer Tagung im KWI, in der am Montag die aktuellen Forschungsprojekte zum Thema Migration vorgestellt wurden. „Interkultur“ ist einer der Forschungsschwerpunkte des Hauses. Den ganzen Tag über gab es ein entsprechendes Programm, eingerahmt von Musik und Kabarett.

Während sich deutsch-türkische Comedy spätestens seit Kaya Yanar einen festen Platz im öffentlichen Bewusstsein erarbeitet hat, weiß man eigentlich so gut wie nichts über den Humor von Spätaussiedlern.

Halyna Leontiy konnte in ihrer Pilot-Studie immerhin herausbekommen: Es geht auch um Deutsche. „Die Erfahrungen mit der hiesigen Bürokratie“, so die Forscherin, sei eins der Themen, die mit Humor verarbeitet würden – genau wie Identitäts-Brüche, Erfahrungen mit deutschen Vorurteilen und komplett traumatische Erlebnisse.

Ganz bewusst versteht die Soziologin Komik nicht nur als Lustiges: „Es geht auch um Satire, bissigen und aggressiven Humor.“ Und auch sein komplettes Ausbleiben: „In ersten Treffen mit Familien, die interviewt werden sollen, wurden uns die kompletten Migrationsgeschichten geschildert. Die Treffen verliefen komplett ohne ein einziges Lachen.“

Humor spiegelt Normen und Werte

Halyna Leontiy ist überzeugt: Komik ist ein hervorragendes Mittel zur Erforschung sozialer Wirklichkeit. Denn Menschen benutzten Komik, um sich abzugrenzen. Gleichzeitig stifte Lachen Gemeinschaft. Humor spiegle Normen und Werte.

Warum deutsch-türkische Comedy kommerziell so erfolgreich ist, während es eine „Aussiedler-Komik“ für ein breites Publikum praktisch nicht gibt, soll ebenfalls untersucht werden. Übrigens war Kaya Yanar, der vor mehr als zehn Jahren mit seinem „Was guckst Du“ außerordentlich berühmt wurde, nicht der erste Komödiant, der sich dem Thema Migration widmete: „Erste regionale Vorläufer gab es schon in den Fünfziger Jahren“, erklärte Halyna Leontiy.

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