Stadtentwicklung

Flughafen Essen/Mülheim: Masterplan lässt auf sich warten

Wie soll das 140 Hektar große Gelände des Flughafens Essen/Mülheim nach Ende des Flugbetriebes genutzt werden. Ein Masterplan soll darauf Antworten geben.

Foto: Hans Blossey

Wie soll das 140 Hektar große Gelände des Flughafens Essen/Mülheim nach Ende des Flugbetriebes genutzt werden. Ein Masterplan soll darauf Antworten geben.

Essen.   Wohnen, Gewerbe, Natur: Wie soll das Gelände des Flughafens Essen/Mülheim genutzt werden? FDP bringt eingeschränkten Flugbetrieb ins Spiel.

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In Kentuckys ältester Whiskey-Brennerei haben sie ganz viel Zeit, heißt es in der Werbung. Wenn es um die Zukunft des Flughafens Essen/Mülheim geht, haben sie es zumindest nicht eilig: Der Rat der Stadt sollte in seiner gestrigen Sitzung eigentlich die nächsten Schritte für die Erstellung eines Masterplans auf den Weg bringen – für die Zeit nach Einstellung des Flugbetriebes.

Vorschlag flog von der Tagesordnung

Weil die FDP Beratungsbedarf angemeldet hatte, flog der Vorschlag der Fachverwaltung von der Tagesordnung. Aus Sicht der Liberalen gebe es noch viele offene Fragen, sagte Fraktionschef Hans-Peter Schöneweiß im Gespräch mit der Redaktion. So müsse man darüber nachdenken, ob nicht auch in Zukunft zumindest ein eingeschränkter Flugbetrieb weiterhin möglich sein soll.

Diese Frage war schon in den Perspektiven-Werkstätten aufgetaucht, in denen sich Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft aus Essen und Mülheim sich darüber austauschten, was aus dem 140 Hektar großen Gelände werden soll. Wollen Befürworter des Flughafens die womöglich letzte Chance nutzen?

Schließung längst ausgemachte Sache

Eigentlich ist es längst ausgemachte Sache, dass der Flugbetrieb eingestellt wird. Die Räte beider Städte haben es so beschlossen. Umstritten war bislang lediglich der Zeitpunkt. Es sei davon auszugehen, dass der Flugbetrieb 2034 vollständig eingestellt wird, heißt es in der Beschlussvorlage der Verwaltung. Denn erst dann enden die verbrieften Rechte des Aeroclubs.

Einige wollen so lange nicht warten. Die Linke nennt den Zeitplan „nicht akzeptabel“ und drängt auf einen früheren Ausstieg – spätestens 2024, wenn die Pachtverträge mit der Firma WDL auslaufen, der unter anderem das Luftschiff am Flughafen gehört. Ob es gegebenenfalls sinnvoll sei, einen Teil des weitläufigen Flughafen-Areals schon vor 2034 zu entwickeln, solle geprüft werden, wenn der Beschluss für einen Masterplan gefasst ist, so die Verwaltung. Mit einem städtebaulichen Wettbewerb sei nicht vor 2019 zu rechnen.

Wohnung, Gewerbe und Grünflächen wünschenswert

In den Perspektiven-Werkstätten beschrieben die Teilnehmer lediglich, was aus ihrer Sicht wünschenswert wäre: Wohnungen, Gewerbe, öffentliches Grün und Flächen, die unter Naturschutz stehen. Lediglich der jeweilige Anteil schwankt.

Ein „Neben- und Miteinander unterschiedlicher Nutzungen“ sei erwünscht“, heißt es ausdrücklich. „Es ist nicht ganz einfach, alle zufriedenzustellen“, sagt der Vorsitzende des Planungsausschusses, SPD-Ratsherr Thomas Rotter, der für seine Fraktion an den Gesprächen teilgenommen hat. Die Perspektive: Wohnungen für 5000 bis 6000 Bewohner, ein Gewerbepark für rund 2000 Beschäftigte, ein zusammenhängender Teil des Areals soll im Sinne des Natur- und Artenschutzes nicht zugänglich sein.

Gutachter sollen Fragen klären

Was wo möglich wäre, gilt es erst noch zu klären. Welche Folgen hätte eine Bebauung für das Klima in den beiden Städten? Wie steht es um die Entwässerung des Geländes? Wie lässt sich der Verkehr abwickeln? Diese Fragen will die Stadt mit Hilfe von Gutachtern beantworten. Nach der politischen Sommerpause soll das Thema zurück auf die Tagesordnung.

>>>Infos zu Perspektiven-Werkstatt und Masterplan

Für die Erstellung eines Masterplans zur zukünftigen Nutzung des Flughafens-Geländes wollen die Städte Essen und Mülheim zu gleichen Teilen 250 000 Euro ausgeben. Das 140 Hektar große Areal liegt etwa zu einem Drittel auf Essener Stadtgebiet.

In drei Perspektiv-Werkstätten wurde bislang eine denkbare Nutzungsverteilung erörtert. Der Anteil für Wohnungen bewegte sich dabei zwischen 11,3 und 25,3 Prozent, der Anteil für Gewerbe zwischen 14,7 und 33,3 Prozent. Für den Naturschutz sollte ein Anteil zwischen 30,7 und 35,3 Prozent der Fläche genutzt werden.

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