Folkwang-Festival

Festival-Start: Was die Folkwang-Uni mit Bauhaus zu tun hat

Rotierende Kreise an den Wänden des Sanaa-Würfels: Bis 5. Mai ist die Installation zu sehen.

Rotierende Kreise an den Wänden des Sanaa-Würfels: Bis 5. Mai ist die Installation zu sehen.

Foto: Klaus Micke

Essen.   Laserkreise im Sanaa-Kubus auf Zollverein: Mit einem zehnmonatigen Festival lotet die Essener Folkwang-Uni ihre Bezüge zum Thema Bauhaus neu aus.

Mit einem zehn Monate andauernden Festival auf dem Zollverein-Areal will die Folkwang Universität ihr Verhältnis zur legendären Bauhaus-Kunstschule neu ausloten. Den Auftakt macht ab Donnerstag, 11. April, eine Laser-Installation im ersten Geschoss des Sanaa-Würfels.

„Dieses Festival ist ein künstlerischer Auftakt für die Folkwang Universität, nachdem der Fachbereich Gestaltung im Jahr 2017 auf das Areal des Weltkulturerbes gezogen ist“, sagt Elke Seeger, Professorin für Fotografie an der Folkwang Hochschule. Bis April 2020 dauert das Festival, das einen etwas ungriffigen Titel trägt: „Try again, fail again, fail better“ („Versuch’ es nochmal, scheitere erneut, scheitere besser“).

Bis Mai dreht sich alles um Licht auf Zollverein

Gefragt werden soll in den nächsten Monaten nach den gemeinsamen künstlerischen Traditionen von Folkwang und Bauhaus: „Das sind unter anderem die Interdisziplinarität und die Fragen, welche Rolle die zentralen Begriffe der Gestaltung heute spielen in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung“, sagt Elke Seegers. Entsprechend ist das Festival in vier Abschnitte unterteilt, von denen sich jeder einem dieser zentralen Begriffe widmet: Licht, Körper, Funktionalität, Raum.

Los geht’s mit Licht; dazu hat Folkwang den Musiker Robert Henke gewonnen, der mit „Ableton Live“ an einer der wichtigsten Softwares mitgearbeitet hat, die in der Produktion elektronischer Musik heute eine Rolle spielen. Henke, Jahrgang 1969, ist nicht nur Sound-, sondern auch Lichtkünstler, und so hat er jetzt das erste Geschoss des Sanaa-Würfels auf Zollverein in eine begehbare Laser-Installation verwandelt.

Wummernde Bässe, die bis ins Mark gehen

„Quadrate und Rechtecke gibt es in diesem Gebäude wahrlich genug“, sagt Henke, also entschied er sich dazu, großformatige Lichtkreise auf die Wände des Sanaa-Würfels zu zeichnen; sie drehen sich, wechseln ihre Farben, Größen und inneren Strukturen. „Cos/Sin“ heißt diese Arbeit, „das steht für Cosinus und Sinus; mathematische Formen, die man benötigt, um einen Kreis zu zeichnen.“ Fast betörender als die gleißend hellen Kreise, die an den Wänden des abgedunkelten Obergeschosses rotieren, ist der Sound, den Henke dazu geschaffen hat – mit wummernden Bässen, die regelmäßig bis ins Mark gehen.

Und warum heißt das Festival jetzt „Try again, fail again, fail better“? Fabian Lasarzik, der mit Elke Seegers anderthalb Jahre lang das Festival vorbereitet hat, sagt, warum ausgerechnet dieses Zitat des Schriftstellers Samuel Beckett als Titel ausgewählt wurde: „Das muss mindestens der Anspruch einer Utopie sein: besser zu scheitern.“

40 Veranstaltungen zum Thema „Licht“

Scheitern soll dieses Festival auf Zollverein sicher nicht, auch nicht irgendwie besser, sondern gar nicht: In den nächsten vier Wochen gibt es allein zum Thema „Licht“ Talkrunden, Performances, Workshops – mehr als 40 öffentliche Veranstaltungen, teilweise an ungewöhnlichen Orten auf Zollverein. „Das Festival“, kündigt Elke Seegers an, „wird für eine Akzentverschiebung auf Zollverein sorgen.“ Hin zu zeitgenössischer Kunst, deren Produktion und Lehre, und warum sie gut sind für die Gesellschaft.

Öffnungszeiten Sanaa-Kubus mit der Licht- und Soundinstallation „cos/sin“: mittwochs bis sonntags, feiertags jeweils 12 bis 18 Uhr. Eintritt frei. Gelsenkirchener Straße 181.

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