Skat-Bundesliga

„Freche Mädels“ steigen auf in Skat-Bundesliga

Aufsteiger in die erste Damen-Bundesliga: Die „Frechen Mädels“ sind (v.l.) Heike Kreutzer, Sigrid Krautscheidt, Steffi Köhnen-Krug und Lisa Bauer

Aufsteiger in die erste Damen-Bundesliga: Die „Frechen Mädels“ sind (v.l.) Heike Kreutzer, Sigrid Krautscheidt, Steffi Köhnen-Krug und Lisa Bauer

Foto: Michael Korte

Essen.   Die vier Skatspielerinnen der „Frechen Mädels“ sind in die 1. Damen-Bundesliga aufgestiegen. Um Klassenerhalt zu schaffen, wird hart trainiert.

Das Vereinslokal des Steeler Hockeyclubs: Auf dem Feld draußen jagen sie den kleinen Ball über den grünen Kunststoffrasen, drinnen wird auf Deubelkommraus gereizt. Die vier „Frechen Mädels“ klopfen kurz auf den Holztisch, wünschen sich im Chor „Gut Blatt“ – und schon geht’s los. Zwei sind sofort weg – und Heike Kreutzer nimmt den Skat, drückt und spielt: Herz.

Jeden Dienstag treffen sich die „Frechen Mädels“ hier zum Training. Für das Damen-Quartett ist das urdeutsche Kartenspiel nicht nur Hobby, sondern Sport. Als frischgebackene Aufsteiger treten die Essener Damen in der nächsten Saison in der ersten Damen-Bundesliga der Frauen an. Die Spielgemeinschaft VG 11 Essen „Freche Mädels“ – das sind Steffi Köhnen-Krug, Lisa Bauer, Sigrid („Siggi“) Krautscheidt und Heike Kreutzer.

Acht Stunden volle Konzentration

„Liga eins ist ein Abenteuer“, sagen die Essener Skatsportlerinnen. Wohl wissend, dass jetzt die Cracks aus Hamburg und München auf sie warten – „Klubs, die heftig gut an der Karte sind“. Um im Oberhaus mithalten zu können, sollten sie jetzt zwei bis drei Mal pro Woche trainieren. Aber ist Skat überhaupt ein Sport? „Natürlich“, schallt es zurück. Pro Bundesliga-Spieltag müssten vier Listen gespielt werden. „Wir sitzen dann acht Stunden am Tisch“, sagt Kreutzer. „Und nach der dritten Liste wird’s so richtig anstrengend.“

Gut zählen und kombinieren können, konzentriert und diszipliniert sein, geduldig und nach Möglichkeit auch körperlich fit sein – all das zeichne erfolgreiche Bundesligaspielerinnen aus.

Noch immer zählt der Westen zu den Skat-Hochburgen in Deutschland. Und Essen mit seinen mehr als 20 000 Skatfreunden spielt seit jeher ganz vorn mit. Nur: Die Blütezeit des Spiels ist auch in Essen schon seit 20 Jahren vorbei. Von ehedem 25 Klubs sind nur noch zehn übrig geblieben. Ein Dilemma, das auch andere Vereine plagt: die Alten sterben weg und der Nachwuchs bleibt aus.

Trainingsabend: Hier die Damen, dort die Buben

Beim Trainingsabend der „Frechen Mädels“ ist von Krise nichts zu spüren. An den Tischen nebenan, vor der imposanten Trophäenwand der Hockeyfreunde, spielen ein Dutzend Aktive der „Steeler Skatfreunde 88“. Um im Bild zu bleiben: Hier die Damen, dort die Buben. Es wird gemischt, gereizt, gezählt. Die Lautstärke ist gedämpft. „Skat dreschen – das ist lange vorbei“, sagt der Vorsitzende Dieter Froböse.

Heike Kreutzer hat ihren ersten Grand mit dreizehn gespielt. „Meinem Vater und unserem Nachbarn fehlte damals der dritte Mann, da bin ich eingesprungen.“ Ihr Vorteil: In der Familie wurden schon immer alle möglichen Kartenspiele gespielt –bis Rommé und Canasta.

Die Skathasen brachten der aufgeweckten Heike die elementarsten Grundsätze bei. Wie zum Beispiel die Anspielregel „dem Feinde lang, dem Freunde kurz“. Oder: „Das Schlimmste ist, auf den Skat zu reizen. Du musst das Spiel mit der Karte gewinnen, die du auf der Hand hast.“

Soziale Schranken kennen Skatspieler nicht

Zur Bundesliga-Premiere werden die „Frechen Mädels“ zum ersten Mal im Trikot auflaufen: ein dunkelblaues Oberteil mit Sponsorenlogos drauf und den jeweiligen Vornamen. „Skatspieler duzen sich“, betont Heike Kreutzer und weist auf die gesellige Atmosphäre des Skatspieler-Milieus hin. „Soziale Schranken kennen wir nicht: Wir haben türkische und griechische Skatspieler, der eine kann Rechtsanwalt sein und der andere arbeitslos.“

Um Reise- und Verpflegungskosten zu sparen, tragen die 16 Bundesliga-Klubs ihre Wettkämpfe in zwei Zentralrunden in Rotenburg an der Fulda aus: die erste am 17./18. Juni, die zweite am 8./9. September. In den nächsten Wochen wird deshalb fleißig trainiert. „Die klassischen Spiele müssen sitzen: zum Beispiel der Grand Hand“, mahnt der Essener Hubert Wachendorf, Spielleiter im Deutschen Skatverband. Selbst ein Sieben-Trümpfer mit zwei Fehl-Assen könne verloren gehen.

Und welches Saisonziel haben sich die „Frechen Mädels“ aus Essen gestellt? Ehe für die nächsten Runde neu ausgeteilt wird, sagen sie: „Drin bleiben.“

>>>SO FINDEN SKATFREUNDE IN ESSEN EINEN VEREIN

Die „Frechen Mädels“ sind eine Essener Spielgemeinschaft, die sich aus je zwei Spielerinnen der „Steeler Skatfreunde 88“ und dem „Jänsch Skatteam Essen“ zusammensetzt.

Wer in Essen Skat im Verein spielen möchte, findet im Netz Anschluss über den Deutschen Skatverband: dskv.de – Menüpunkt: „Verein finden“.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben