Altenessen-Debatte

FDP: „Im Essener Norden leben zu viele Migranten“

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Die Altenessener Straße hat Ecken und Abschnitte, die stark vernachlässigt wirken.

Die Altenessener Straße hat Ecken und Abschnitte, die stark vernachlässigt wirken.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Altenessen.  FDP-Politiker Thomas Spilker forderte 2020 dazu auf, Altenessen zu verlassen. So drastisch sagt er das nicht mehr. Probleme seien aber ungelöst.

Thomas Spilker, Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes Altenessen, hatte vor rund einem Jahr eine öffentliche Debatte losgetreten, als er die Integration von Zugezogenen für gescheitert erklärte. Spilker damals wörtlich: „Ich empfehle jedem, hier wegzuziehen, weil die Politik keine Änderung will.“ Nachdem SPD-Bezirksbürgermeister Hans-Wilhelm Zwiehoff kürzlich forderte, die Altenessener Straße abzureißen, erneuerte Spilker seine Äußerung jetzt, variierte sie allerdings auch entscheidend und schwächte sie ab: „Für den Essener Norden gibt es keine schnellen Lösungen. Wem das nicht passt, der muss wegziehen.“ Da wird kaum jemand widersprechen.

Mehr Schulgebäude, mehr Personal und Förderung für den Essener Norden gefordert

Mit Blick auf die Integration weist er darauf hin, dass in den Schulen der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund weiter extrem hoch sei. „Viele Kinder können einfach kein Deutsch, das reißt die anderen zurück.“ Er fordert mehr Schulgebäude, mehr Personal und Förderung schon in jungen Jahren. Die Junior-Uni sei da ein Schritt in die richtige Richtung. „Wir haben nicht zu viele Migranten, wenn man die ganze Stadt betrachtet, aber hier im Norden sind zu viele an derselben Stelle.“ Das führe zu Problemen diverser Art.

SPD-Bezirksbürgermeister Michael Zühlke hatte beim Thema Bildung in die gleiche Kerbe geschlagen: Es müsse auf den Bedarf in den einzelnen Stadtteilen geschaut werden. Zühlke: „In Kindergarten und Schule muss das Geld fließen. Wenn wir den Kindern Bildung vermitteln, können wir später viel Geld sparen.“

In dem vergangenen Jahr ist laut Thomas Spilker nicht viel passiert, viele Problemfelder seien weiter ungelöst, erklärt der FDP-Politiker und zählt auf: Die Gladbecker Straße sei weiter eine Katastrophe, der Milchhof Kutel noch nicht bebaut, die Verkehrssituation in Altenessen „mehr als angespannt“. In Richtung der SPD erklärt er: „Wer Veränderungen fordert, muss als Mehrheit auch für die notwendigen Mittel im Stadthaushalt sorgen.“ Die Bezirksbürgermeister hatten jedoch kürzlich schon geklagt: Sobald es um überbezirkliche Belange gehe, hätten sie wenig Einfluss. Zühlke: „Wir rufen oft vergebens nach Maßnahmen.“

Der Bahnhof Altenessen sei weiter ein Angstraum

Spilker schaut auf die Diskussion um die Bebauung des Kutel-Geländes: „Wenn attraktiver Wohnraum, Gewerbe und Hotel gewünscht ist, muss auch das Umfeld in Richtung Bahnhof Altenessen stimmen.“ Die Renaturierung der Berne biete die Möglichkeit, eine neue Grünfläche bis hin zum Schweinemarkt entstehen zu lassen, Radwege könnten eine Anbindung zum Kaiserpark und Richtung Welterbe Zollverein ermöglichen. Vom Bahnhof Altenessen kann der Rad- und Fußweg Zangenstraße weiterentwickelt werden.

Spilker: „Nach dem Abriss des historischen Bahnhofgebäudes ist nichts entstanden, was einem Bahnhof mit regional bedeutsamer Verkehrsverknüpfung gerecht wird. Der Zugang wird weiterhin als Angstraum empfunden, eine Aufenthaltsqualität ist nicht gegeben.“

In die Überlegungen zum Bauprojekt am Milchhof sollte daher einbezogen werden, wie der Bahnhof auch von der Nordost-Seite begehbar wird und Leuchtturm werden könne. Spilker schlägt unter anderem einen integrierten Kiosk mit Fahrkartenverkauf und eine öffentliche Toilette vor und fordert, in ein Konzept auch die Bauruine am Bahnhof Altenessen einzubeziehen.

„Die schönen Ecken in Altenessen werden weniger, nicht mehr“

„Natürlich hat Altenessen auch sehr schöne Ecken, aber sie werden weniger, leider nicht mehr“, sagt Spilker. Obwohl neue Einfamilienhaussiedlungen auch an der Altenessener Straße gebaut wurden, weise der Mietspiegel immer noch die günstigsten Mieten aus, was verstärkt Leistungsempfänger nach Altenessen ziehe: „Das sind Zustände, da kann man nur weglaufen.“

Auch Sozialarbeiter Thomas Rüth von der Caritas-SkF-Essen gGmbH (cse) befürchtet diesen Trend und wird nicht müde, finanzielle Mittel zu fordern, die dauerhaft fließen und nicht nur in begrenzte Projekte gesteckt werden. Der Schlüssel liege darin, den Menschen Verantwortung für ihre Umgebung zu übertragen Thomas Spilker scheut davor nicht zurück und betont, dass er selbst einen langen Atem habe, für Altenessen brenne und nicht wegziehen werde.

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