Bienenseuche grassiert

Faulbrut bedroht in Essen die Bienenvölker

Der Kettwiger Werner Küching ist Vorsitzender des Kreisimkerverbandes Essen/Mülheim.

Der Kettwiger Werner Küching ist Vorsitzender des Kreisimkerverbandes Essen/Mülheim.

Foto: Daniel Kamphaus

Essen.   Die Faulbrut grassiert in Essen. Der Erreger wurde in Freisenbruch, Fischlaken/Heisingen und in Horst gefunden. Schuld sind oftmals Schwarzimker.

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Die Amerikanische Faulbrut bedroht derzeit viele Essener Bienenvölker. Die hoch ansteckende Seuche ist zwar für den Menschen ungefährlich und auch den Honig kann man bedenkenlos essen, aber für das betroffene Bienenvolk bedeutet sie oftmals das Todesurteil.

Der Erreger wurde in drei Regionen der Stadt festgestellt: in Freisenbruch, Fischlaken/Heisingen und Umgebung und in Horst. In diese Sperrbezirke dürfen bis auf Weiteres keine Bienen hineingebracht oder aus den Gebieten herausgebracht werden.

Essen hat 180 Imker und 2000 Bienenvölker

Hobbyimkerei liegt im Trend – Tendenz weiter steigend. Derzeit gibt es in Essen 180 Imker und rund 2000 Bienenvölker, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Werner Küching, Vorsitzender des Kreisimkerverbandes Essen/Mülheim und des Imkervereins Kettwig: „Das klingt erst einmal gut, bringt aber auch Probleme. Nicht alle Imker haben ihre Bienen beim Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse gemeldet, wie es das Gesetz vorschreibt.“

Das Problem aktuell in Essen: Der Amtstierarzt kann nur solche Bienenvölker untersuchen, behandeln und sanieren lassen, die beim Veterinäramt gemeldet sind. Bienenhaltung ist deshalb meldepflichtig. Werner Küching: „Leider halten sich auch daran nicht alle Imker. In Imkerkreisen werden solche Bienenhalter als ‘Schwarzimker’ bezeichnet.“ Sobald ein Ausbruch bekannt ist, lässt der Amtstierarzt alle gemeldeten Völker in der Umgebung untersuchen und ergreift Maßnahmen zur Rettung der Bienen und um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Bienen werden oftmals über das Internet gekauft

Eine der Ursachen für den Ausbruch der Faulbrut, die alle Jahre wieder auftritt, ist die Tatsache, dass Imker die Bienen oftmals über das Internet kaufen oder Völker zum Beispiel über Stadtgrenzen hinaus austauschen. Für Norbert Herborn, Bienensachverständiger im Kreis Essen und 2. Vorsitzender des Imkervereins Borbeck, ein Unding, denn „da ist oftmals völlig unklar, woher die Bienen stammen“.

Nachbarvölker werden angesteckt

Dabei sind die gesetzlichen Vorgaben eindeutig: Nur Bienen mit einem gültigen Gesundheitszeugnis dürfen über Stadtgrenzen gebracht werden. „Schwarzimker bringen Bienen nach Essen, ohne sich überzeugt zu haben, dass die Tiere gesund sind. Sie halten Bienen, ohne sie angemeldet zu haben. Damit schaden sie nicht nur ihren Tieren, sondern auch denen der Nachbarn. Die nicht gemeldeten, von der Faulbrut befallenen Bienen bleiben unbehandelt und können Nachbarvölker, die gesund oder bereits saniert worden sind, wieder anstecken. In der Folge kann sich die Seuche trotz der Gegenmaßnahmen des Amtstierarztes und seiner Helfer weiter ausbreiten“, sagt Werner Küching.

Nicht sofort werden die typischen Symptome der Faulbrut sichtbar. Sie zeigen sich in verfärbten, eingesunkenen, oft auch löchrigen Zelldeckeln und der in der Brutzelle verbleibenden, fadenziehenden Masse, die schließlich eintrocknet. Durch den Streichholztest, bei dem der Wabeninhalt fadenartig am Streichholz kleben bleibt, kann die Krankheit unter anderem erkannt werden.

Bienen müssen beim Veterinäramt angemeldet sein

Norbert Herborn: „Den ersten Ausbruch von Faulbrut auf Stadtgebiet hatten wir im Essener Süden, in Fischlaken. Bei der Beprobung wurden dort Bakterien im Honig gefunden.“

Imker, die einem der Essener Vereine angehören, haben ihre Bienen in aller Regel angemeldet, kümmern sich und helfen, damit sich Bienenkrankheiten nicht verbreiten. Küching: „Die Probleme, die Schwarzimker verursachen, machen nicht nur dem Amtstierarzt zu schaffen, sondern allen Imkern in Essen. Und vor allem unsere Bienen, denen es sowieso schon nicht so gut geht, leiden darunter.“

Immer mit Gesundheitszeugnis

Er hat eine dringende Bitte: „Jeder sollte seine Bienen beim Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse anmelden. Beim Veterinäramt kostet das nichts, bei der Tierseuchenkasse sind die Bienen mit wenigen Euro sogar versichert.“ Und kein verantwortungsvoller Imker solle Bienen ohne gültiges Gesundheitszeugnis kaufen. „Und man muss sich auch genau erkundigen, ob dort, wo man seine Bienenvölker aufstellen möchte, auch kein Sperrbezirk eingerichtet ist.“

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