Folkwang-Jubiläum

„Fairy Queen“: „Atemlos“ durch die barocke Hochzeitsnacht

Heitere Stimmung im „The Fairy Queen Inn“.  Tänzer, Sänger und Pantomimen stehen gemeinsam auf der Bühne. Foto:Kaufmann                 

Heitere Stimmung im „The Fairy Queen Inn“. Tänzer, Sänger und Pantomimen stehen gemeinsam auf der Bühne. Foto:Kaufmann                 

Essen.   Gefeierte Premiere für „The Fairy Queen“: Studenten der Folkwang Uni überzeugen mit hoher Musikalität, Fantasie und explosiver Spielfreude.

Der 90. Geburtstag der Essener Folkwang Universität ist ein Grund zum Feiern. Und wenn sich, wie in Henry Purcells Semi-Oper „The Fairy Queen“, gleich drei Paare auf ihre Hochzeit vorbereiten, bietet sich das 1692 in London uraufgeführte Stück geradezu an, für diesen festlichen Anlass möglichst viele Kräfte der Hochschule in eine pracht- und effektvolle Gesamtproduktion einzubinden.

Revuehafte Szenenfolgen

Purcells locker gefügte Adaption von Shakespeares „Sommernachtstraum“ bietet mit ihrer revuehaften Szenenfolge von etwa 60 meist kurzen Sequenzen und ihrer stilistischen Vielfalt von Tänzen, Pantomimen, fetzigen Chorsätzen und elegischen Arien ein wahres Tummelfeld für die Studenten aller Fachbereiche. Der Fantasie setzt Purcell mit seinen oft filmschnitthaft kontrastreich angeordneten Szenen keine Grenzen. Und so konnten sich Musiker aus dem klassischen und dem Jazz-Bereich, Sänger, Tänzer, Schauspieler, Gestalter und Designer, Techniker, Historiker und viele andere zu einer Produktion zusammenfinden, in der es neben 64 Rollen und einem 24-köpfigen Orchester noch Bühnenbilder, Kostüme, aufwändige Masken und eine diffizile Bühnen- und Lichttechnik zu bedienen gilt. Eine Gesamtleistung mit etwa 100 Mitwirkenden, deren Premiere in der voll besetzten Aula des Folkwang-Campus in Werden mit viel Zuspruch gefeiert wurde.

Die Crews um Regisseur Achim Lenz und die Design-Studentinnen Sabet Regnery (Bühne) und Yvonne Dicketmüller (Maskenbau) siedeln das Stück in einen modernen „The Fairy Queen Inn“ an, in dem die Dreier-Hochzeit am Ende nach etlichen Verwicklungen auch stattfindet. Prof. Christian Rieger sorgt mit dem auf historischen Instrumenten spielenden Orchester für eine sich auf dem aktuellen Stand barocker Aufführungspraktiken bewegende musikalische Basis. Die Schauspieltruppe glänzt mit einer urkomischen Darstellung der Handwerkerszene, die zahlreichen Sängerinnen und Sänger erfüllen ihre schwierigen und ungewohnten Aufgaben auf teilweise hohem Niveau. Allerdings erfordern die Ansprüche barocker Gesangskunst viel Erfahrung, Übung und damit auch Zeit.

Es wäre ungerecht, unter diesem Aspekt einzelne Leistungen herauszuheben, doch Maria del Mar Humanes als Titania und Eunij Park als Helena hatten mit ihren herausgehobenen Partien besonders dankbare Aufgaben zu erfüllen. Das dritte Liebespaar wurde tänzerisch auf gleich hohem Niveau von Yi-An Chen und Eray Gülay als Hermia und Lysander interpretiert. Hier und in vielen weiteren Einlagen konnten sich die Studenten des Folkwang Tanzstudios unter Anleitung von Prof. Malou Airaudo und Prof. Stephan Brinkmann in diversen Stilen des Ausdruckstanzes bewähren.

Barocke Klänge und Helene Fischer

Ein wenig zu kurz kam die Band „The Screaming Bride“ des Studiengangs Jazz, nach der Pause u.a. mit einer eigenwilligen Version von Helene Fischers „Atemlos“ überraschte. Die barocken Klänge dominierten naturgemäß. Was allerdings der insgesamt fast explosiven Spielfreude aller Mitwirkenden keinen Abbruch tat.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben