Fahrradboom

Fahrräder selbst reparieren: Essener Schrauber schreibt Buch

Fahrradschrauber Frieder Busch repariert Räder auf Wochenmärkten im Essener Südwesten, wie hier auf der Margarethenhöhe. Jetzt hat er ein Buch zur Selbsthilfe bei Fahrrad-Problemen geschrieben.

Fahrradschrauber Frieder Busch repariert Räder auf Wochenmärkten im Essener Südwesten, wie hier auf der Margarethenhöhe. Jetzt hat er ein Buch zur Selbsthilfe bei Fahrrad-Problemen geschrieben.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Essen-Haarzopf.  Schrauber Frieder Busch aus Haarzopf repariert Fahrräder. Sein Buch „Platt gewesen“ vermittelt in Corona-Zeiten Hilfe zur Selbsthilfe.

Fahrradfreunde kennen Frieder Busch aus Essen-Haarzopf seit langem. Seit 25 Jahren repariert er Fahrräder, seit 2012 tut er das auf Wochenmärkten. Jetzt hat er die Corona-Zeit genutzt, seine schon länger geplante Fahrradschrauber-Fibel „Platt gewesen“ zu veröffentlichen: Hilfe zur Selbsthilfe, gespickt mit Alltagsanekdoten – für Fahrradfans, die aktuell keinen Werkstatttermin bekommen, eine Chance, den lahmen Drahtesel selbst wieder flott zu bekommen.

Frieder Busch (57) kam über Dortmund und Bielefeld für den Zivildienst nach Essen. Nach dem Studium der Sonderpädagogik in Köln arbeitete er als Sonderschullehrer in Düsseldorf. „Eigentlich hätte ich wie fast alle in der Familie Pastor werden sollen“, blickt Frieder Busch zurück.

Eigentlich hätte der Fahrradschrauber Pastor werden sollen

Das Lehramtsstudium, unter anderem im Fach Religion, sei da ein Kompromiss gewesen. Doch nicht nur die Kopfarbeit, also die Beschäftigung mit Texten, sei sein Ding. „Ich habe immer gern handwerklich gearbeitet, schon als Kind habe ich viel gebastelt und gebaut.“ Beide Stränge zögen sich durch sein ganzes Leben. Mit dem Studentendasein als reinem Kopfjob habe er sich schon damals nicht identifizieren können.

Als Sonderpädagoge habe er für eine Düsseldorfer Stiftung gearbeitet. Um die meist bildungsfernen und nur schwer zu motivierenden Jugendlichen erst einmal an einen geregelten Alltag zu gewöhnen, habe man sie in einen Blaumann gesteckt und in Werkstätten beschäftigt. Er sei damals Teil eines Lehrer-Meister-Teams gewesen, erzählt Frieder Busch. „Schon damals habe ich gern die Rolle mit dem Schlosser getauscht“, erinnert er sich.

Fahrradgeschäfte in Haarzopf und Frohnhausen

Als Vater von zwei Kindern sei er ab 1995 aus privaten Gründen zu Hause geblieben und habe sich um den Haushalt gekümmert, nebenher habe er seinen Fahrradservice aufgebaut – erst in der Garage, dann 15 Jahre lang im eigenen Fahrradgeschäft in Haarzopf, danach bis 2012 in größeren Räumlichkeiten in Frohnhausen. Heute ist Frieder Busch dreimal pro Woche auf Märkten anzutreffen: mittwochs auf der Margarethenhöhe, donnerstags in Frohnhausen und freitags in Haarzopf. Das sei von Anfang an gut gelaufen, „viele kannten mich ja schon aus meinen Läden“.

Jetzt habe Corona noch einmal für deutlich mehr Kunden gesorgt, Fahrradfahren erlebe einen regelrechten Boom. Viele seien Jahre nicht mehr gefahren und holten jetzt das Rad wieder aus dem Keller. „Da muss dann natürlich das ein oder andere gemacht werden. Termine in Werkstätten sind teils bis ins kommende Jahr hinein ausgebucht. Es gibt einfach zu wenig Servicestationen für den neuen Boom“, weiß Busch, der seine Ausrüstung im Auto mitbringt und auch Ersatzteile und Zubehör verkauft.

Selbst einfache Ersatzteile seien derzeit oft nicht lieferbar

„Der Fahrradboom durch die Pandemie hat dazu geführt, dass selbst Standardschläuche nicht mehr lieferbar sind“, sagt der 57-Jährige. Auch bei ihm selbst sei der Andrang groß. Wenn der Markt um 8 Uhr starte, sei er meist schon um 7.30 Uhr da. „Und die Leute stehen dann schon seit 7 Uhr Schlange.“

Da passe ein Ratgeber wie seiner gut in Zeit, findet Frieder Busch, der seit 25 Jahren in Sachen Fahrrad unterwegs ist und schon vor fünf Jahren die ersten Texte für sein Buch geschrieben hat. Die Tipps könnten allen helfen, die nicht nur auf einen Werkstatttermin warteten, sondern bei kleineren Macken am Rad schon mal selbst Hand anlegen wollten. Man brauche kein Schrauber zu sein, um mit seinen Ratschlägen etwas anfangen zu können. „Für diesen Ratgeber genügt es, Freundin/Freund des Fahrrads zu sein“, heißt es auf dem Klappentext des Buches.

Das Buch ist eine Mischung aus Kopf- und Handarbeit

Mit der Mischung aus Anekdoten, Sprüchen von Kunden, unterhaltsamem Fahrradwissen und handfesten Tipps zu defekten Ventilen, Schläuchen und Bremsen will Frieder Busch Hilfe zur Selbsthilfe leisten. „So kann man die Wartezeit bis zum nächsten Werkstatttermin überbrücken und sich dabei unterhalten lassen. Die Arbeit an dem Buch sei aufwendiger als gedacht gewesen. „Meine Frau hat das Korrekturlesen übernommen. Aber man muss sich ja um Schrift, Satz und vieles andere kümmern“, sagt Frieder Busch.

„Platt gewesen“ ist bei Books on Demand erschienen, das heißt, die Exemplare werden gedruckt, sobald jemand bestellt. „Ich habe natürlich schon Exemplare drucken lassen, um sie auf den Märkten zu verkaufen“, so Busch, der mit seinem Buch wieder auf die Mischung aus Kopf- und Handarbeit setzt, die sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht.

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