Gesundheit

Experten warnen: Im Essener Norden fehlen Kinder-Psychologen

Sozialdezernent Peter Renzel sprach beim revierweiten Kongress zum Thema Kinder- und Jugendgesundheit.

Sozialdezernent Peter Renzel sprach beim revierweiten Kongress zum Thema Kinder- und Jugendgesundheit.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Beim Kindergesundheitskongress standen die Themen Kinderschutz und psychische Gesundheit im Vordergrund. In Essen gibt es noch Nachholbedarf.

Wie können wir Kinder besser schützen und ihnen ein gesundes Aufwachsen ermöglichen? Zu diesem Thema konferierten am Samstag zahlreiche Experten aus den Bereichen Kinder- und Jugendmedizin, Psychotherapie und Pädagogik im Hotel Franz.

Zum „5. Ruhrgebietskongress zur Kinder- und Jugendgesundheit“ hatte das Netzwerk „Medecon Ruhr“ eingeladen, die Schirmherrschaft übernahm NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Ein stigmatisiertes, in Teilen vielleicht sogar tabuisiertes Thema stand dabei auf der Agenda ganz oben: psychische Erkrankungen, allen voran sogenannte „somatoforme Störungen“. Mit diesem Begriff bezeichnen Ärzte körperliche Beschwerden, die keinen erkennbaren medizinischen Auslöser haben.

Der Weg zur Behandlung bei manchen Störungen ist sehr lang

Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit – die Symptome können vielfältig sein. Und leider ist der Weg bis zu einer adäquaten Behandlung oftmals lang. Einen Grund dafür kennt Peter Renzel, Sozialdezernent der Stadt Essen: „Bei uns im Stadtgebiet gibt es deutliche Unterschiede in der Versorgungsdichte, was die Kinder- und Jugendpsychiatrie angeht.“ Ärzte ließen sich offenbar nicht orientiert am Bedarf nieder, der in den nördlichen Stadtteilen besonders hoch sei. Genau hier gäbe es aber verhältnismäßig wenige auf Kinder und Jugendliche spezialisierte Psychiater und Psychotherapeuten.

Ein Missstand, den Renzel bereits an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) kommuniziert habe, der am Samstag ebenfalls auf dem Kongress zu Gast war. Die Dringlichkeit einer flächendeckenden Versorgung unterstreicht auch das Ergebnis einer Umfrage der Schülervertretung am Gymnasium Stoppenberg: „Durchschnittlich drei Schüler pro Klasse sind dort von Cybermobbing in seinen unterschiedlichen Ausprägungen betroffen“, berichtet Renzel. Eine alarmierende Zahl, die an anderen Schulen sicher nicht niedriger sein wird.

Projekt für besseren Kinderschutz

Doch wie kann man Kinder und Jugendliche schützen, nicht nur vor mentaler, sondern auch vor körperlicher Gewalt? Auch diese Frage wurde auf dem Kongress behandelt. Wenn der Verdacht der Kindesmisshandlung im Raum steht, sind Akteure wie Kinderärzte, Jugendhilfe und Jugendamt besonders gefordert. Einen innovativen Ansatz für die bessere Kooperation aller Beteiligten bei der Diagnosestellung, rechtssicheren Dokumentation und Behandlung der jungen Betroffenen stellt das Projekt „MeKids.Best“ dar. Es umfasst unter anderem Leitlinien für standardisierte Verfahren und einrichtungsübergreifende Netzwerke zwischen medizinischem Kinderschutz und Einrichtungen der Jugendhilfe. Essener Konsortialpartner des Projektes ist die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Elisabeth-Krankenhaus.

Auch Sozialdezernent Renzel ist überzeugt: „Kinderschutz kann nur gelingen, wenn alle Akteure des Gesundheitswesens zusammenarbeiten.“ Das Jugendamt plant derzeit erstmals, einen Kinderarzt und einen Sozialarbeiter zur Tandemarbeit auszubilden, um gefährdete Kinder besser zu betreuen. Auch die Essener „Babybesucher“ seien ein wichtiges Instrument: „Die Mitarbeiterinnen sind in erster Linie dafür da, um die kleinen Essener Neubürger zu begrüßen und sollen daher gar keine Kontrollinstanz sein. Allerdings sind sie auch darauf geschult, beim Besuch der Familien Probleme zu erkennen und entsprechend zu reagieren, sollte dies nötig sein.“

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