Grüne Hauptstadt

Ex-Volunteer klagt: Grüne Hauptstadt war eher ein PR-Gag

Volunteer Manfred Herrmann (64)  schlug vor, die Stadt möge in Parks und auf Spielplätzen, wie hier am Haumann-Platz, Kompost-Toiletten einrichten.

Foto: Socrates Tassos

Volunteer Manfred Herrmann (64) schlug vor, die Stadt möge in Parks und auf Spielplätzen, wie hier am Haumann-Platz, Kompost-Toiletten einrichten. Foto: Socrates Tassos

Essen.   Manfred Herrmann rechnet mit der Grünen Hauptstadt ab. Der sei es nicht um Nachhaltigkeit gegangen wie das Beispiel Kompost-Toiletten zeige.

Als die „Grüne Hauptstadt 2017“ freiwillige Helfer suchte und die Bevölkerung zum Mitmachen aufrief, war auch Manfred Herrmann Feuer und Flamme. Mittlerweile ist seine Begeisterung spürbar abgekühlt, was nicht nur daran liegt, dass die Feierlichkeiten inzwischen beendet sind. Der 64-Jährige ist enttäuscht und hat so seine Zweifel daran, dass die Grüne Hauptstadt es wirklich ernst meinte mit dem Anspruch, nachhaltig zu sein. Und damit stehe er nicht alleine da.

Als einer von 158 „Volunteers“ hat Manfred Herrmann im zurückliegenden Jahr diverse Veranstaltungen begleitet, Besuchern stand er mit Rat und Tat zur Seite. Die hellblau gekleideten Helfer wurden schnell zu einem Markenzeichen der Grünen Hauptstadt. Dafür gab es zum Dank warme Worte von Oberbürgermeister Thomas Kufen und Umweltdezernentin Simone Raskob. Bürgerschaftliches Engagement war sehr willkommen und dient den Verantwortlichen im Rathaus als Beleg für den Erfolg der Grünen Hauptstadt.

Freiwillige Helfer fühlen sich nicht ernstgenommen

Auch das Fazit von Manfred Herrmann und seinen Mitstreitern fällt „grundsätzlich positiv“ aus. Als Volunteers hätten sie viel erlebt, nette Menschen kennengelernt, Freundschaften seien entstanden. Und doch hätte sich schon während des Jahres immer wieder mal der Gedanke eingeschlichen, ob die freiwilligen Helfer nicht bloß als Staffage dienten: hübsch anzusehen, aber nicht weiter ernstzunehmen. Dieser Eindruck hat sich bei ihm verfestigt.

Der Grund: Im Sommer, beim Suppenfest der Ehrenamtsagentur auf dem Weberplatz, war Herrmann und einige Volunteer-Kollegen mit einem konkreten Projektvorschlag an Oberbürgermeister Kufen herangetreten: Die Stadt möge doch in Parks und an Spielplätzen Kompost-Toiletten einrichten, damit sich niemand mehr in die Büsche schlagen muss, weil er mal muss. Als Vater von zwei inzwischen erwachsenen Kindern, wisse er, wovon er rede, sagt Herrmann im Gespräch mit der Redaktion. Kompost-Toiletten seien günstig, benötigen keinen Anschluss an die Kanalisation und erfüllten passgenau das selbstgesteckte Ziel einer nachhaltigen Grünen Hauptstadt.

Ein Gespräch im Rathaus, das war’s

Im September habe Kufen sich die Idee im Rathaus vorstellen lassen, berichtet Herrmann. Eine Mitarbeiterin sei regelrecht begeistert gewesen und habe von ihren Erfahrungen in Schweden berichtet, wo Kompost-Toiletten offenbar weit verbreitet sind.

Seit dem heiße es: „Still ruht der See“. Ein Brief zur Erinnerung sei bis heute unbeantwortet geblieben. Bei der offiziellen Abschlussveranstaltung darauf angesprochen, habe Kufen ausweichend geantwortet: „Ach ja, da muss ich das jetzt mal suchen lassen.“

Manfred Herrmann meint, dass die Volunteers und auch die Bürgerprojekte, auf die die Verantwortlichen so gerne verweisen, vor allem dem Marketing der Grünen Hauptstadt dienen sollten, nicht viel mehr waren als „ein PR-Gag“. Ist das allein die Meinung eines Frustrierten? Umweltdezernentin Simone Raskob, Projektleiterin der Grünen Hauptstadt, hatte angekündigt, dass die Stadt das Volunteer-Netzwerk pflegen wolle, um die Freiwilligen für die Mitarbeit bei kommenden Veranstaltungen zu gewinnen.

Bei Grün & Gruga hieß es gestern auf Anfrage, das Thema Kompost-Toiletten sei „aktuell eingegangen“. Es werde von der Verwaltung geprüft.

Leserkommentare (10) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik