Flüchtlinge

European Homecare macht gute Geschäfte mit Asylheimen

Foto: Ulrich von Born

Essen.   Die Firma European Homecare machte 2016 gut 32 Millionen Euro Gewinn.  Künftig rechnet man mit Einbußen – und hat neue Geschäftsfelder im Blick.

In Essens Asylheimen stehen derzeit rund 670 Plätze leer, neue Asylbewerber werden der Stadt bis auf weiteres nicht zugewiesen, und der Flüchtlingsheimbetreiber European Homecare (EHC) betreut in Essen nur noch ein einziges Heim.

Doch die jüngsten Geschäftszahlen, die jetzt im Bundesanzeiger veröffentlicht wurden, zeigen keine Flaute, sondern einen anhaltenden Boom: 2016 hat die Firma ihren Umsatz auf gut 277 Millionen Euro gesteigert – auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 waren es 177 Millionen Euro.

Zahl der Einrichtungen von 120 auf 125 gestiegen

Diese Steigerung um 56 Prozent sei angesichts der sinkenden Flüchtlingszahlen überraschend, schreibt Firmenchef Sascha Korte im Lagebericht, den er der Bilanz voranstellt. „Anders als erwartet, hatte dies (noch) keine Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis.“

Man führe das auf die gute Auslastung der Heime in der ersten Jahreshälfte 2016 zurück. Im zweiten Halbjahr sei der Umsatz im Vergleich um 14 Prozent zurückgegangen. Trotzdem sollte es ein höchst ertragreiches Jahr werden. So steigerte das Familienunternehmen den Gewinn von 26 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 32 Millionen Euro 2016. Dazu mag beigetragen haben, dass die Zahl der Einrichtungen nur von 120 auf 125 stieg. „Während es im Vorjahr durch die Eröffnung von vielen zusätzlichen Einrichtungen zu einem erhöhten Investitionsbedarf gekommen ist.“

Inzwischen gab es bei EHC Massenentlassungen

Auch die Mitarbeiterzahlen entwickelten sich 2016 noch rasant: 2700 Kräfte habe man im Jahresschnitt beschäftigt – im Vorjahr waren es 1174. Inzwischen gab es bei EHC indes mehrfach Massenentlassungen. So trennte man sich nach dem Abbau der zehn Essener Zeltdörfer Ende 2016 allein am hiesigen Standort von 150 Leuten. Aktuell hat die Firma nach Angaben von Sprecher Klaus Kocks noch 1644 Mitarbeiter bundesweit.

European Homecare wurde bereits 1989 gegründet und erlebte zu Beginn der Flüchtlingskrise ein enormes Wachstum: Wo Eile geboten war, punktete EHC mit der raschen Errichtung von Flüchtlingsheimen und der ebenso schnellen Rekrutierung von Personal.

Nachdem in einer von EHC betriebenen Unterkunft in Burbach Bewohner misshandelt worden waren, hagelte es schweren Vorwürfe. Korte räumte damals „ein eklatantes Versagen in Sicherheitsfragen ein“.

EHC berechnete exorbitante Sätze von im Schnitt 2029 Euro pro Monat und Flüchtling

Auch später gab es Kritik an den Zuständen in EHC-Heimen. Die Stadt Essen verwies auf eine weitgehend problemlose Zusammenarbeit. Für die eilends bereitgestellten Plätze in den bis zu zehn Zeltdörfern berechnete EHC der Stadt allerdings exorbitante Sätze von im Schnitt 2029 Euro pro Monat und Flüchtling. Nachdem die Qualität der Betreuung zum zentralen Vergabekriterium wurde, werden heute die meisten Essener Heime von Diakoniewerk und Caritas betreut.

EHC-Chef Korte rechnet damit, dass bundesweit weiter Einrichtungen geschlossen oder verkleinert werden. Auf Dauer werde man sich auf „viel geringerem Niveau“ einpendeln.

Korte hat längst neue Geschäftsfelder gefunden: So soll er Firmen und Firmenanteile aus den Bereichen Pflegeheime, Kindergärten oder Sicherheit gekauft haben. Er ist u.a. Geschäftsführer der Pflegenetzwerk GmbH, der Maluko Verwaltungs-GmbH, der Stölting Projektmanagement GmbH... Mit der Purax GmbH, die Einrichtungen für Asylheime vertreibt, bleibt er in vertrauten Gefilden, mit dem Weinhandel Excellence Wine betritt er Neuland. Und schließlich gibt’s neben European Homecare nun Childcare: Kinderbetreuung also.

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