Geste der Freundschaft

Essens OB erntet für Israel-Flagge im Rathaus auch Kritik

Die Israelische Flagge hing am Montag im Foyer des Rathauses.

Foto: STEFAN AREND

Die Israelische Flagge hing am Montag im Foyer des Rathauses. Foto: STEFAN AREND

Essen.  70 Jahre Staatsgründung: Essens OB Kufen steht zur Rathaus-Geste und verweist auf besondere Verantwortung und Städtepartnerschaft mit Tel Aviv.

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Im Foyer des Rathauses hat Oberbürgermeister Thomas Kufen am gestrigen 14. Mai eine große Flagge des Staates Israel ausgehängt und damit an den 70. Jahrestag der Gründung des jüdischen Staates erinnert. Erstmals beteiligt sich die Stadt Essen so am jährlichen Israel-Tag. Für Kufen eine bewusste Entscheidung: „Wir setzen ein Zeichen gegen Antisemitismus und für Freundschaft und Solidarität mit Israel und insbesondere mit unserer Partnerstadt Tel Aviv“, erklärte der OB im Netzwerk Facebook.

Unwidersprochen blieb dies nicht, wie es wohl nicht anders sein kann in einer Öffentlichkeit, die sich zunehmend kritisch mit Israel auseinandersetzt und dabei die Grenze zum Antisemitismus immer wieder überschreitet. Auf Kufens Facebook-Seite sammelten sich Forderungen, neben dem Tuch mit dem Davidstern auch die Flagge der Palästinenser aufzuhängen. Andere fragten den OB, ob man in Essen „keine anderen Sorgen“ habe und was Essen überhaupt mit Israel zu tun habe. Lob gab es aber auch.

OB hält Kritik an der israelischen Regierung für legitim

Thomas Kufen stellte sich kurz der Diskussion und begründete die Geste mit der besonderen Verantwortung, die auch über 70 Jahre nach dem Ende der NS-Herrschaft für Deutschland unverrückbar sei. Essen sei erst die vierte Stadt gewesen, mit der eine israelische Kommune überhaupt eine Städtepartnerschaft einging. Das sei für ihn immer noch ein Grund stolz zu sein. Unter anderem Facebook-Diskutierer mit arabisch klingenden Namen nannten den historischen Bezug überholt. Zur Frage, ob Israels Regierung nicht Kritik verdient habe, sagte der OB: „Natürlich darf und kann man die aktuelle israelische Regierung kritisieren. Anlass gibt es ja genug.“

Auch die Alte Synagoge wird sich mit dem 70-jährigen Jubiläum der israelischen Staatsgründung beschäftigen. Am heutigen Dienstag, 15. Mai, hält der Literaturwissenschaftler Thomas Sparr im Haus der Jüdischen Geschichte einen Vortrag, in dem es um den Einfluss von Emigrationsgruppen auf die heutige israelische Gesellschaft geht. Was wirkt heute noch nach, was hat sich nicht durchgesetzt? Dies sei ein häufig vernachlässigter Aspekt der Geschichte des Staates Israel.

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