Tourismus

Essens Methanol-Schiff „innogy“ ein Fall für den Bodensee?

Interessiert sogar die Schiffsbetriebe am Bodensee: die mit Methanol betriebene MS innogy der Weißen Flotte Baldeney bei der Einfahrt in den Hafen.

Interessiert sogar die Schiffsbetriebe am Bodensee: die mit Methanol betriebene MS innogy der Weißen Flotte Baldeney bei der Einfahrt in den Hafen.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Die Bodensee Schiffsbetriebe nehmen das Essener Methanol-Elektroschiff MS innogy unter die Lupe. In Konstanz sucht man einen modernen Antrieb.

Sie bewegen mit zwölf Schiffen, zwei Katamaranen und zwei Fähren gut 2,35 Millionen Menschen über den See und gelten als Schwergewicht in der bundesdeutschen Ausflugsschifffahrt. Die Bodensee Schiffsbetriebe in Konstanz können sich sogar wissenschaftlicher Begleitung erfreuen: die Hochschule der Stadt, genauer die Fakultät für Elektro- und Informationstechnik, die auch ein Labor für Photovoltaik und Wasserstoff-Boote führt, sucht gemeinsam mit der städtischen Flotten-Tochter nach Alternativen für den gängigen Schiffs-Diesel. Und wurde dabei auf die MS innogy auf dem Essener Baldeneysee aufmerksam.

Mit 1000 Passagieren legen die Schiffe ab

Nein, vergleichen kann man die kleine, aber schlagkräftige Weiße Flotte am Hardenbergufer mit dem Bodensee wirklich nicht. Gerade einmal über die Hälfte der Schiffe verfügt Franz-Josef Ewers. Und bei den Passagierzahlen merkt man gleich, dass der Bodensee doch in einer ganz anderen touristischen Liga spielt: Mit 100.000 Gästen in einem guten Jahr kann die Weiße Flotte maximal aufwarten. Allerdings legen die Schiffsbetriebe auf dem Bodensee zu den Rundfahrten auch mit 1000 Passagieren ab, während die MS Essen oder die MS Baldeney bei 240 Seelen an Bord keinen Sitzplatz mehr frei haben.

Die Größe ist das Problem am Bodensee

Dabei ist die Größe genau das Problem am Bodensee. Die Diesel-Debatte wird längst auch auf den Wasserstraßen und Gewässern quer durch die Republik geführt. Der Tourismus am größten deutschen See verlangt nach Umweltstandards. Gern würde Chistoph Witte als stellvertretender Geschäftsführer der Schiffsbetriebe, auf alternative, vor allem saubere Antriebe umstellen: „Wir müssen am Bodensee sauberer werden. Deshalb schauen wir uns bei allen Neubauprojekten immer nach alternativen Antriebssystemen zum Dieselmotor um. Die Essener Variante mit Methanol ist sehr interessant und könnte für die Schifffahrt der Energieträger der Zukunft sein. Am Elektromotor selbst wird aufgrund der Laufruhe, der hohen Zuverlässigkeit und Wirkungsgrade langfristig in der touristischen Schifffahrt kein Weg vorbei führen“, ist Witte überzeugt.

Noch kein großer Wurf für die Schifffahrt

Aber kann die innogy die Lösung sein? Anders als in der Autoindustrie hat die maritime Branche noch keinen großen Wurf für die Schifffahrt entdeckt. Mehrere Werften und Reedereien probieren neue Möglichkeiten aus. Ob Solar, Hybrid, Flüssiggas oder Batteriespeicher – es gibt viele Versuche, aber für die Binnenschifffahrt noch keine tragfähige Lösung.

Dazu kommen, wie auch die innogy zeigt, die deutlich höheren Kosten während des laufenden Betriebs. Der Diesel in der Berufsschifffahrt wird steuerfrei bezogen: „Der Preis liegt für uns aktuell bei 50 Cent pro Liter“, sagt WFB-Chef Franz-Josef Ewers. „Beim Liter Methanol kommen wir auf 1,80 Euro, bei einem doppelt so hohen Verbrauch.“ Und natürlich müsse man die Stromkosten, die ebenfalls anfallen, dazurechnen. Ins Kontor schlagen aber auch die deutlich höheren Wartungskosten, dazu kommt die aufwändige Pflege der Brennstoffzellen und Batterien, deren Lebensdauer laut Hersteller für gerade einmal sieben Jahre garantiert wird. „Schwierig, mit dem Antrieb Geld zu verdienen“, lautet das Urteil der Konstanzer Gäste. Auch die Batterien bereiten Probleme: „Bei der Größe, die wir auf dem Bodensee bräuchten, würden wir die Schiffe glatt versenken.“

Bei Sportbooten gute Ergebnisse erzielt

Auch Professor Richard Leiner von der Hochschule Konstanz, ist noch skeptisch: „Bei kleineren Sportbooten haben wir gute Erfolge erzielt. Der Elektroantrieb ist da sehr weit entwickelt. Aber es gibt noch keine tragfähige Lösung für größerer Schiffe.“

Selbst bei der Weißen Flotte ist man vorsichtig: „Nach anfänglichen Problemen läuft der Betrieb mit der Brennstoffzelle inzwischen sehr gut“, sagt Franz-Josef Ewers. Bei der Stadttochter wird die Entwicklung der alternativen Antriebsmöglichkeiten ebenfalls beobachtet. Ein neues Schiff für rund drei Millionen Euro soll 2022 zur Flotte stoßen – über den Antrieb, heißt es am Hardenbergufer, ist noch keine Entscheidung gefallen.

>>>>> Die MS innogy

  • Ohne Sponsor würde es die innogy auf dem Baldeneysee nicht geben: Die Stadt Essen hat im Rahmen der Grünen Hauptstadt 2017 mit der RWE-Tochter, dem Energieunternehmen innogy SE als Projektpartner, das Schiff zum Baldeneysee geholt. Zwei Millionen Euro kostete die Umrüstung, wovon innogy rund 1,3 Millionen Euro übernahm. Mit Methanol werden Brennstoffzellen gespeist und erzeugen so viel Strom, dass der Linienbetrieb bis zu zwölf Stunden emissionsarm laufen kann.
  • Bei der RWE-Tochter ist man begeistert: „Wir freuen uns, dass die MS innogy auf ein so großes Interesse in der Branche stößt und wir mit diesem Forschungsprojekt auch einen Beitrag zum Klimaschutz in Essen leisten können“, sagt Projektleiter Henning Joswig.

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