Varieté

Essens GOP-Varieté: Neustart mit feuchtfröhlichem Wannenspaß

Hat Hand und Fuß: das feucht-fröhlich-dramatische Varieté-Programm „Wet“ mit Sängerin Lina Navakaite im GOP.  

Hat Hand und Fuß: das feucht-fröhlich-dramatische Varieté-Programm „Wet“ mit Sängerin Lina Navakaite im GOP.  

Foto: Foto Lutske Veenstra

Essen.  Essener Varietétheater GOP ist zurück und bietet mit „Wet“ eine unterhaltsame Show, die auch Wischmoppballett und Handtuch-Strip im Angebot hat.

Generalprobe für eine Show, die sich seit 13 Jahren von der Hamburger Speicherstadt bis zum Opernhaus in Sidney bewährt hat und mehr als 1,5 Millionen Zuschauer anzog: „Wet“. Regisseur Markus Pabst heißt ihr Schöpfer, bekannt aus „Kawumm“. Kontinuierlich wurde sie weiterentwickelt mit neuen Ideen, bekannten wie frischen Artisten. Zum zweiten Mal wird sie im GOP Essen gezeigt. Dieses Mal zur Wiedereröffnung des Varietétheaters nach vier Monaten Schließung unter allen Hygieneregeln und Regeln der Kunst.

Die Zuschauer tröpfeln gezielt in den Saal. Bis zu ihren Plätzen tragen sie Mundschutz. Die Reihen sind gelichtet. Dennoch fällt es nicht auf, dass 120 Plätze von ursprünglich 340 fehlen. Ebenso wie der Spuckschutz, der sich zwischen den Reihen unsichtbar macht. Mitarbeiter tragen Mundschutz. Nur die Artisten dürfen oben ohne auftreten, weil sie für die Dauer des Gastspiels eine Lebensgemeinschaft sind. Das müssen sie auch. Sonst würde der Funke von diesem Feuchtbiotop auf der Bühne nicht so überspringen.

GOP-Show setzt den Gegensatz von Körperkunst und Wasser in Szene

Das Geheimnis des Erfolges setzt sich aus vielen Faktoren zusammen. Neben der Bühne mit sechs Badewannen und einem ausgefeilten Lichtdesign „ist es der Gegensatz von Körperkunst und Wasser, der die Show zu einem Gesamtkunstwerk werden lässt“, erklärt Werner Buss, der künstlerische Direktor des Unternehmens GOP. „Es ist der einzige zirzensische Welterfolg, der aus Deutschland kommt.“

„Wet“ löst nicht nur seinen Titel, sondern auch das Lob ein. Es wird nass und rutschig und sinnlich und erotisch und witzig und hochspannend. Zwischen Gurgelkonzert und Wischmoppballett bewegt sich Sängerin Lina Navakaite, eine Frau der ersten Stunde, mit Operntönen, Schlagern und Pop.

Kathy Donnert lässt Badematten und Bälle temporeich über ihre Füße fliegen. Yulia Girda taucht mit Gesichtsmaske und Zentimetermaß als Clownin ins Publikum ab, um Abstand zu messen. Iliya Smyslov zeigt mit Bouncing-Jonglage, dass man Bälle nicht nur nach oben, sondern gen Boden werfen und fangen kann. Eine zweifellos schweißtreibende Sache, bei der nebenbei einige Hüllen fallen. Ganz sogar beim Handtuch-Strip von drei Artisten zur Musik von „Schwanensee“. Erstaunlich, dass der seine Wirkung nie verfehlt.

Andalousie beherrscht den Balanceakt auf dem nassen Wannenrand

Doch zurück zur Kunst. Thula Moon kann sich extrem elegant biegen und durch ihren Luftring gleiten. So möchte man auch mal in eine Wanne sinken und vor allem wieder hinaus. Bei ihren männlichen Mitstreitern erhalten deren Nummern kombiniert mit Wasser einen kraftvoll-erotischen Ausdruck. Andalousie beherrscht das Spiel mit dem Gleichgewicht im Handstand auf rutschigem Untergrund.

Trotz aller Leichtigkeit schwingt die Gefahr mit. Auch bei Daniel Stern und Moritz Haase. Die Künstler an den Strapaten und am Trapez verbinden das nasse Element so gekonnt mit ihrer Artistik, dass es fasziniert. Aber die Trockenübung der Togni Brothers mit ihrem starken Untermann, der seinen Partner durch die Luft wirbelt, lässt den Atem stocken. Vor allem bei einem Sturz, der folgenlos bleibt. Es geht ungebrochen weiter zu „It’s Raining Men“.

Eine Generalprobe mit Fehler verspricht eine perfekte Premiere. Der Applaus am Ende ist schon perfekt und prasselt unablässig auf das glückliche Ensemble nieder. Und Essens GOP-Chefin Nadine Stöckmann blickt zufrieden in die Zukunft: „Die nächste Zeit ist gut gebucht.“

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