System „Mobile Retter“

Essens Bürger sollen Leben retten – mit einer App fürs Handy

Starteten am Mittwoch das System „Mobile Retter“ in Essen (v.l.): Ordnungsdezernent Christian Kromberg, Oberbürgermeister Thomas Kufen, Feuerwehr-Chef Thomas Lembeck und Stefan Prasse („Mobile Retter“ e.V.).

Starteten am Mittwoch das System „Mobile Retter“ in Essen (v.l.): Ordnungsdezernent Christian Kromberg, Oberbürgermeister Thomas Kufen, Feuerwehr-Chef Thomas Lembeck und Stefan Prasse („Mobile Retter“ e.V.).

Foto: Martin Spletter

Essen.  Bürger, die fit sind in Erster Hilfe, können ab sofort per App über Notfälle in ihrer direkten Umgebung informiert werden. Das soll Leben retten.

130 Essener Bürger, die fit sind in Erster Hilfe, haben ab sofort eine App auf ihrem Smartphone, die sie bei Notfällen in direkter Umgebung alarmiert. Das System „Mobile Retter“, das am Mittwoch in Essen gestartet wurde, soll künftig vielen weiteren Bürgern ermöglichen, lebensrettende Sofortmaßnahmen zu leisten – und zwar schneller als bislang.

Eine entsprechende Vereinbarung haben gestern die Feuerwehr und der Verein „Mobile Retter“ unterzeichnet, der von der Björn-Steiger-Stiftung unterstützt wird. „In Deutschland gibt es 70.000 Tote jährlich nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand“, sagt Stefan Prasse vom Verein „Mobile Retter“. „Wir könnten viel mehr Betroffene als bislang ins Leben zurückholen, wenn sie früher als bislang wiederbelebt werden würden.“

In Essen dauert es durchschnittlich acht Minuten, bis der Notarzt kommt

In Essen dauert es durchschnittlich acht Minuten, bis nach einem Notruf der Rettungswagen erscheint. „Ein Mensch kann drei bis fünf Minuten ohne Folgeschäden überleben, in denen das Hirn nicht mit Sauerstoff versorgt wird, das Blut nicht zirkuliert“, sagt Essens Feuerwehr-Chef Thomas Lembeck. „Doch dann sinkt das Risiko, nicht mehr gesund werden zu können, um zehn Prozent pro Minute.“

Die „Mobile Retter“-App alarmiert Menschen, die ausgebildet sind in Erster Hilfe und Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen können, bei einem Notfall, der sich etwa 500 Meter von ihnen abspielt: „Der ,Mobile Retter’ soll in maximal sechs Gehminuten am Schauplatz sein“, sagt Thomas Lembeck. Die „Mobilen Retter“ sind über ihr Smartphone zu orten. Nimmt der „Mobile Retter“ den Einsatz an, bekommt er eine Wegbeschreibung und Details zum Notfall – so, dass möglichst wenig Zeit vergeht.

Zunächst wurden Krankenschwestern, Ärzte und Rettungssanitäter registriert

Als „Mobile Retter“ wurden in Essen zunächst Ärzte, Krankenschwester und Rettungssanitäter registriert, die ab sofort freiwillig und ehrenamtlich per App rund um die Uhr über Notfall-Einsätze informiert werden. Dabei arbeitet die Feuerwehr mit den Hilfsorganisationen ASB, Rotes Kreuz, Johanniter und Maltesern zusammen.Hier gibt es mehr Artikel, Bilder und Videos aus Essen

Darüber hinaus haben sich bereits 213 weitere Bürger als „Mobile Retter“ registrieren lassen. Wer sich als „Mobiler Retter“ engagieren will, muss eine entsprechende Schulung durchlaufen und wird auch geprüft, was seine Fähigkeiten angeht, eine Wiederbelebung durchzuführen. Die Feuerwehr hat sieben Termine im Kalenderjahr 2020 anberaumt, an denen in der Feuerwehr-Hauptwache interessierte Bürger in Sachen „Lebensrettende Sofortmaßnahmen“ geschult werden können. „Das Ziel ist es, möglichst viele Bürger als Ersthelfer auszubilden“, sagt Christian Kromberg, Personal- und Ordnungsdezernent der Stadt. Langfristig sollen bundesweit 100.000 Bürger als „Mobile Retter“ im Einsatz sein. Bislang sind es deutschlandweit 17.000 Bürger.

Nach Notruf-Eingang in der Feuerwehr-Zentrale werden jetzt auch die „Mobilen Retter“ informiert

Das System „Mobile Retter“ soll die bestehenden Rettungs-Ketten unterstützen – geht bei der Feuerwehr ein Notruf ein, in dem von Bewusstlosigkeit oder Herzstillstand die Rede ist, werden ab sofort nicht nur die Rettungsdienste informiert, sondern auch die „Mobilen Retter“ per App.

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