Ehrenamt

Essenerin verwandelt Eisläuferinnen in bunte Fabelwesen

Inge Ciszynski ist nicht nur Pressewartin des Essener Jugend Eiskunstlaufvereins. Beim Schaulaufen sind ihre Kostüme unverzichtbar.

Inge Ciszynski ist nicht nur Pressewartin des Essener Jugend Eiskunstlaufvereins. Beim Schaulaufen sind ihre Kostüme unverzichtbar.

Foto: Foto: Socrates Tassos

Essen.  Fürs Schaulaufen des Essener Jugend Eiskunstlaufvereins wird Inge Ciszynski zur Kostümbildnerin und tauscht den Alltag gegen eine Märchenwelt.

Ob sie der Redaktion ein Interview geben würde? Inge Ciszynski muss darüber erst eine Nacht schlafen. Die 60-Jährige gehört nicht zu jenen, die sich in den Vordergrund drängen. Im Gegenteil. Als der Vorsitzende des Essener Jugend Eiskunstlaufvereins (EJE), Dr. Stefan Steinmetz, sie zum Abschluss des diesjährigen Schaulaufens in der Eissporthalle am Westbahnhof nach vorne bittet, lugt Inge Ciszynski hinter den Kulissen hervor, lächelt ins Publikum, um schnell wieder dahinter zu verschwinden. Den Applaus und das Rampenlicht überlässt sie lieber den jungen Sportlern. „Über die können Sie gerne schreiben“, antwortet sie dem Reporter. „Aber über mich?“

Menschen wie Inge Ciszynski gibt es in jedem Verein. Es sind jene, ohne die vieles gar nicht möglich wäre. Zum EJE ist sie über Umwege gekommen. „Angefangen hat es mit einem Foto von ‘Essen on Ice’ in der NRZ“, erzählt sie. „Ich sehe es noch vor mir: Läuferinnen in weißen Kostümen, blauer Himmel. – Das will ich auch“, habe ihre Tochter Angelina damals gesagt. Da war sie drei Jahre alt.

Der Verein hat nationale Eislaufstars hervorgebracht

Über den REV Gruga landeten beide beim EJE. Angelina ist heute 17 und Inge Ciszynski Pressewartin. Ehrenamtlich schreibt sie Berichte über die großen und kleinen Erfolge des Vereins, der nationale Stars wie die mehrfache Deutsche Meisterin Nicole Schott hervorgebracht hat.

„Wir betreiben Leistungssport“, betont Dr. Stefan Steinmetz gerne. Einmal im Jahr aber, beim traditionellen Schaulaufen zum Jahresabschluss, geht es nicht um Punkte und Pokale, sondern allein um alles andere, das den Eislaufsport zu einem besonderen macht: um Anmut, Schönheit und Eleganz. Und Inge Ciszynski, die selbst nie auf Kufen stand, trägt einen gehörigen Teil dazu bei.

„Zu einer tollen Choreografie gehört auch ein tolles Kostüm“, sagt Inge Ciszynski. „Die Leute sollen Wow sagen.“ Dafür hat die 60-Jährige auch diesmal ungezählte Stunden in ihrem Arbeitszimmer verbracht.

„Die Schöne und das Biest“ hat sie schon eingekleidet, „Rusty“, die Lokomotive, und mit ihr den kompletten Star-Light-Express. In diesem Jahr half sie mit, „Lillys magische Traumwelt“ zu erschaffen. Trolle und Feen schwebten übers Eis, Feuer, Erde, Wasser, Luft und die vier Jahreszeiten. . . Wow! Die Zuschauer, darunter Oberbürgermeister Thomas Kufen, kamen in der gut besuchten Eissporthalle aus dem Staunen nicht mehr raus.

„Holiday on Ice“ dürfte eine Heerschar an Kostümbildnern beschäftigen. Beim EJE erledigen das wenige Hände und viele fleißige Helfer. In der Kabine herrscht beim Ankleiden dann kreatives Chaos. Auf dem Eis folgte eine faszinierende Show.

Aus einem Abflussrohr wird eine Zuckerstange

Nicht weniger als 75 Kostüme hatte Inge Ciszynski für das diesjährige Schaulaufen angefertigt, dazu jede Menge Accessoires. Inspiration holt sie sich im Internet, der Rest entspringt ihrer Fantasie. Kreativ ist sie auch bei der Wahl der Materialien. „Ich gehe zum Shoppen gerne in den Baumarkt“, erzählt sie. So wird aus einem gekrümmten Abflussrohr eine große, bunte Zuckerstange.

„Ich mache das, weil es Freude macht“, erzählt sie. Ohnehin verbringe sie viel Zeit zuhause. Das persönliche Schicksalsschläge sie dazu zwingen, ahnt der Zuhörer nicht. Inge Ciszynski hat auch einen Sohn. Alexander ist 22 Jahre alt, lebt mit seiner Mutter und seiner Schwester in dem kleinen Einfamilienhaus in Heisingen und ist seit seiner Geburt schwerstbehindert. Der junge Mann muss fast rund um die Uhr betreut werden. „Mal mit meiner Tochter zwei Stunden auf den Weihnachtsmarkt – das geht.“ Mehr nicht.

Vor vier Jahren hat sie auch noch Dieter verloren, ihren Mann. Herzinfarkt mit 64 Jahren, kurz nach der Rente. Inge Ciszynski erzählt dies alles mit fester Stimme und klarem Blick. Man darf aber annehmen, dass sie in eine andere Welt abtaucht, wenn sie sich an ihrem Arbeitstisch ganz ihren fantasievollen Masken und Kostümen widmet. Das sei etwas anderes als das tägliche Füttern oder Windeln wechseln, sagt sie ganz ohne Groll. So ist das Leben. Inge Ciszynski nimmt es, wie es kommt.

Wenn sich die Kinder beim EJE freuen, weil sie sich in den Kostümen gefallen, dann weiß sie: Die Mühe hat sich gelohnt.

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