NRZ-Bürgerbarometer

Essener wollen ganz klar mehr Polizei-Kameras in der Stadt

Beamte verfolgen auf der Leitstelle im Polizeipräsidium seit fast eineinhalb Jahren die hochauflösenden Bilder vom Rheinischen Platz. Foto:Jochen Tack

Beamte verfolgen auf der Leitstelle im Polizeipräsidium seit fast eineinhalb Jahren die hochauflösenden Bilder vom Rheinischen Platz. Foto:Jochen Tack

Essen.   Es ist das mit Abstand eindeutigste Ergebnis beim NRZ-Bürgerbarometer: 63 Prozent der Befragten fühlten sich bei mehr Videobeobachtung sicherer.

Seitdem die Polizei den Rheinischen Platz in der Essener City mit Kameras überwacht, sind die Straftaten und die Bürgerbeschwerden gleichermaßen deutlich gesunken. Mit dem Effekt: Essens erste Videobeobachtung der Behörde im öffentlichen Raum genießt mittlerweile eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, und der Ruf nach weiteren Standorten wird bereits lauter.

Die Essener wünschen sich mehrheitlich noch mehr Polizeikameras in der Stadt, zeigt das repräsentative Ergebnis einer Umfrage im Rahmen des aktuellen NRZ-Bürgerbarometers. Bei keinem anderen Thema fielen die Antworten so eindeutig aus wie auf die Frage: „Wenn es durch die Polizei mehr Videobeobachtung an Kriminalitätsschwerpunkten gäbe, würden Sie sich sicherer fühlen?“

Eine deutliche Mehrheit von 63 Prozent der Befragten formulierte ein klares „Ja“. Nicht mehr als jeder fünfte war in dieser Frage unentschieden, während nur 17 Prozent die Meinung vertraten, dass mehr Polizei-Kameras nicht viel oder rein gar nichts an ihrem (Un-)Sicherheitsgefühl ändern würden.

Die Zustimmung fiel in der Altersgruppe der über 40-Jährigen besonders hoch aus und war vor allem bei Senioren sehr ausgeprägt: Über 70 Prozent der über 70-Jährigen würden sich in der Nachbarschaft von Kameras deutlich wohler fühlen, bei den 60- bis 69-Jährigen sind es noch knapp 60 Prozent. Rund die Hälfte der 40- bis 59-Jährigen sind ebenfalls dieser Meinung und zwar quer durch alle Altersgruppen und nahezu unabhängig davon, ob es sich bei den Befragten um Frauen oder Männer handelte.

Dass das Umfrageergebnis zur Videobeobachtung vor zehn Jahren noch gänzlich anders ausgefallen wäre, steht für den Essener Polizeipräsidenten außer Frage: „Damals hätte man die Polizei für ein solches Vorhaben noch geteert und gefedert“, sagte Frank Richter mit Blick auf die Umfrageergebnisse in einem Gespräch mit der NRZ. Doch die Zeiten sind inzwischen andere und auch die Haltung der allermeisten Bürger zu solchen früher als völlig unverhältnismäßig empfundenen Eingriffen in die Persönlichkeitsrechte hat sich gewandelt: „Es hat sich deutlich was verändert am Sicherheitsbedürfnis der Menschen“, umreißt Richter den Hauptgrund für den bemerkenswerten Sinneswandel.

Im Fokus stehen der Viehofer Platz und Altendorf

Dem allgemeinen Zuspruch förderlich gewesen sei allerdings auch die Offenheit der Behörde, angefangen bei der Planung bis hin zur Inbetriebnahme der ausgefeilten Technik. Eine Linie, die der Behördenleiter auch bei denkbaren künftigen Kamerastandorten weiter verfolgen will: „Ich bin davon überzeugt, dass wir für solche polizeiliche Maßnahmen nur dann Akzeptanz finden, wenn wir sagen, so machen wir das, und die Leute mitnehmen.“

Wie auch immer die politische Diskussion um die Reform des Landes-Polizeigesetzes ausgehen mag – es ist kein Geheimnis, dass sich Frank Richter und sein Polizei-Chef Detlef Köbbel durchaus eine zusätzliche Videobeobachtung „an dem einen oder anderen Hotspot vorstellen“ können. Im Fokus der Polizei stehen zum Beispiel der Viehofer Platz und Teile Altendorfs. „Ich halte es aber für wichtig, so etwas mit Augenmaß in eine Konzeption einzubinden“, betont Richter.

Technik kann problemlos verlagert werden

Mehr Kameras bedingen mehr Personal, das die bewegten Bilder ständig im Blick hält, um Beamte schnell und gezielt zu einem Einsatz schicken zu können. Darüber wird noch zu verhandeln sein. Sollte sich die Lage am Rheinischen Platz allerdings so weit entspannen, dass nicht mehr von einem Kriminalitätsbrennpunkt zu sprechen ist, „dann ist es machbar, die Technik an einen anderen Ort zu verlagern“, sagt Richter. Diese Möglichkeit sei bei der Installation bedacht worden.

Seitdem die Polizei den Rheinischen Platz per Videobeobachtung mit Beginn des vergangenen Jahres in den Fokus genommen hat, sind die dort festgestellten Straftaten wie Raub, Körperverletzungen, Nötigung, Diebstahl und Drogendelikte binnen zwölf Monaten um fast 36 Prozent zurückgegangen – sehr viel deutlicher als im Rest der Stadt.

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