Klinikschließung

Essener Vincenz-Krankenhaus schließt Ende 2020: OB verärgert

Das Essener Vincenz-Krankenhaus schließt zum Jahresende 2020. Oberbürgermeister Thomas Kufen kritisiert den Termin, weil es bis dahin keinen adäquaten Ersatz im Essener Norden geben wird.

Das Essener Vincenz-Krankenhaus schließt zum Jahresende 2020. Oberbürgermeister Thomas Kufen kritisiert den Termin, weil es bis dahin keinen adäquaten Ersatz im Essener Norden geben wird.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Dass das Essener Vincenz-Krankenhaus schon in sechs Wochen schließt, führt zu Versorgungslücken im Essener Norden. Und ärgert die Stadtspitze.

  • Das Essener Vincenz-Krankenhaus schließt bereits in sechs Woche. Im Essener Norden führt die Schließung zu Versorgungslücken.
  • Die Essener Stadtspitze ist durch die anstehende Schließung des Vincenz-Krankenhauses verärgert. Das Marienhospital in Altenessen wurde bereits Ende September geschlossen.
  • Etwas drastischer kommentierte der frühere Essener Bürgermeister Hans Peter Leymann-Kurtz die Schließung des Essener Vincenz-Krankenhausen : „Der Kahlschlag, den ein katholisches Krankenhaus den Bürgern hier zumutet, ist nur noch zynisch.“

Für erhebliche Verstimmung vor Ort und auch in der Stadtspitze hat die Contilia mit ihrer Entscheidung gesorgt, das St. Vincenz-Krankenhaus in Stoppenberg zum Jahresende zu schließen. Wie berichtet, kritisierte Oberbürgermeister Thomas Kufen am Freitag (13. November), „dass Fakten geschaffen werden, bevor es einen adäquaten Ersatz gibt“. Am Montag bekräftigte Kufen auf Anfrage, dass man mit dem, was der Krankenhaus-Träger bislang anbiete, nicht zufrieden sei: „Wir haben die klare Erwartungshaltung, dass die Contilia den Standort weiterentwickelt.“

Essener Vincenz-Krankenhaus schließt Ende 2020: Contilia verspricht eine hochwertige Versorgung

Nachdem das Marienhospital in Altenessen bereits Ende September geschlossen wurde, bleibt auch dem Vincenz-Krankenhaus nun nur noch eine Restlaufzeit von gut sechs Wochen . Die Contilia will ihr Engagement im Norden der Stadt in Borbeck bündeln und das dortige Philippusstift ausbauen. Diese Absicht habe man bereits im Juni dieses Jahres „erstmals kommuniziert“, teilt die Contilia nun mit. Dabei habe man auch erklärt, dass man „die dazu notwendigen Maßnahmen bezüglich der Standorte Marienhospital und St. Vincenz-Krankenhaus bis zum Jahresende umsetzen“ wolle.

Inzwischen seien die Vorbereitungen so weit vorangeschritten, dass die Fachabteilungen vom St. Vincenz-Krankenhaus zum Jahreswechsel ins Philippusstift umziehen könnten, heißt es weiter in der Stellungnahme der Contilia. Das habe man in der vergangenen Woche den Mitarbeitern mitgeteilt und auch öffentlich bekannt gemacht. So entstehe im Philippusstift eine „Konzentration der Kompetenzen an einem leistungsstarken Standort“, die im Sinne einer hochwertigen Versorgung der Bürger sei.

Gesundheitszentrum könnte 2027 eröffnen: Essener Vincenz-Krankenhaus schließt Ende 2020

Als Ersatz für die aufgegebenen Häuser stellt die Contilia bislang in Aussicht, auf dem Gelände des Marienhospitals ein Gesundheitszentrum zur ambulanten Versorgung zu errichten. Auch der Notarzt-Standort der Feuerwehr soll offenbar dort angesiedelt werden. Allerdings dürfe man erst 2027 mit der Fertigstellung eines solchen Gesundheitszentrums in Altenessen rechnen.

Oberbürgermeister Kufen moniert zudem, „dass wir zu Stoppenberg noch nichts gehört haben“. Auch hier erwarte man Gesprächsbereitschaft von der Contilia. Schließlich habe die Stadt bereits angeboten, „den Standort Stoppenberg für eine städtebauliche Entwicklung zu übernehmen“. Was die Gesundheitsversorgung in dem Stadtteil angeht, sieht man nun offenbar die Contilia am Zug.

Essener Vincenz-Krankenhaus schließt Ende 2020: Versorgungslücke im Essener Norden

Auch Kufen ist klar, dass es so oder so eine zeitweilige Versorgungslücke geben wird – selbst wenn die Contilia die Schließung des Krankenhauses um einige Monate verschieben würde. Allerdings könnte die Krankenhausgesellschaft bis dahin vielleicht schon konkretere Pläne für die weitere Gesundheitsversorgung vorlegen. „So aber gibt es eine große Verunsicherung für die Menschen im Norden, wie es dort weitergehen wird“, erklärt der OB.

Drastischer formuliert es der frühere Bürgermeister Hans Peter Leymann-Kurtz, der zu den Initiatoren eines Bürgerbegehrens zur Gesundheitsversorgung im Essener Norden gehört: „Der Kahlschlag, den ein katholisches Krankenhaus den Bürgern hier zumutet, ist nur noch zynisch.“ Nach einem jahrelangen Zickzack-Kurs zur Zukunft der Krankenhaus-Landschaft „wartet man nicht mal eine minimale Notfall-Lösung ab, bevor man auch noch das Vincenz-Krankenhaus schließt“, ärgert sich Leymann-Kurtz, der selbst in Katernberg lebt. „Vielleicht steht der Rettungswagen hier demnächst an einer Pommesbude.“

Essener Vincenz-Krankenhaus schließt Ende 2020: Initiative verfolgt geplantes Bürgerbegehren weiter

Tatsächlich hatte sich auch die Stadt Sorgen gemacht, was mit der Rettungswache der Feuerwehr geschehen soll, die bisher am St. Vincenz-Krankenhaus verortet ist. Hier habe die Contilia inzwischen zugesichert, dass die Wache samt Notarzt und Infrastruktur am Vincenz in Stoppenberg bleiben könne. Und zwar laut Stadtsprecherin Silke Lenz so lange, bis ein neuer Standort gefunden sei – etwa an dem geplanten Gesundheitszentrum in Altenessen.

Im übrigen sei man ungeachtet des schwelenden Konflikts weiter mit der Contilia im Gespräch, versichert Lenz, etwa über einen städtischen Beitrag zu dem geplanten Gesundheitszentrum. „Wir stehen selbstverständlich mit einer Vielzahl an Akteuren in einem regelmäßigen Austausch, um die Zukunft der Gesundheitsversorgung im Essener Norden gemeinschaftlich weiter zu entwickeln“, versichert auch die Contilia. Hans Peter Leymann-Kurtz ist von den bisherigen Plänen freilich alles andere als überzeugt. „Wir gehen nicht übermorgen zur Tagesordnung über, sondern werden unser Bürgerbegehren weiter verfolgen.“

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