Nachruf

Essener Vereine trauern um Borbecker Historiker und Original

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Das Malen gehörte zu seinen großen Leidenschaften: Wann immer Andreas Koerner unterwegs war, hatte er den Zeichenblock im Gepäck. Auch bei seiner Station am Brunnen „Borbecker Halblang“.

Das Malen gehörte zu seinen großen Leidenschaften: Wann immer Andreas Koerner unterwegs war, hatte er den Zeichenblock im Gepäck. Auch bei seiner Station am Brunnen „Borbecker Halblang“.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Borbeck.  Essener Vereine trauern um den Historiker und Autor Andreas Koerner. Das Borbecker Original wurde 79 Jahre alt. Ein Nachruf.

Der Kulturhistorische Verein Borbeck trauert um Andreas Koerner. Der frühere Leiter der Stadtteilbibliothek Borbeck verstarb in der Nacht zum Montag (9. Mai). Er wurde 79 Jahre alt.

Im Kulturhistorischen Verein galt Andreas Koerner als „Mann der ersten Stunde“. Schnell übernahm er dort Verantwortung und das Amt des zweiten Vorsitzenden, das er bis zuletzt inne hatte. „Das umfangreiche Archiv in der Alten Cuesterey ist sein Werk und wird auch in Zukunft für Geschichtsforscher unverzichtbar sein“, sagt der Vorsitzende Jürgen Becker.

Ein Mensch der leisen Töne, der aber viel zu sagen hatte

Zeit seines Lebens galt Andreas Koerner eher als ein Mensch der leisen Töne. Nicht zuletzt wegen seiner ruhigen und zurückhaltenden Art war er so beliebt. Doch seine Worte hatten stets Gewicht. Er hielt Vorträge an der VHS, veröffentlichte zahlreiche Bücher, darunter auch sein im Jahr 1999 erschienenes Werk „Zwischen Schloss und Schloten. Die Geschichte Borbecks“. Der Historische Verein Stadt und Stift Essen, für den Koerner seit 2003 als erster „Stolpersteinbeauftragter“ aktiv war, adelt seine Arbeiten als „wesentliche Grundlage für die Stadtgeschichtsforschung“. Seine Vorträge und Ausstellungen, beispielsweise in der Alten Cuesterey in Borbeck, bleiben vielen unvergessen.

Sein Tod kam für alle seine Freunde und Mitstreiter überraschend. Auch für Jürgen Becker, dem Koerner noch vor wenigen Tagen seine neuen „Borbecker Beiträge“ für den Mitgliederbrief des Vereins geschickt hatte: „Aus Krankheitsgründen erscheint dieses Heft später als üblich“, hatte ihm Andreas dazu geschrieben. Und weiter: „Hoffen wir, dass es wieder aufwärts geht.“

Auf Spaziergängen durchs Revier war der Malblock immer im Gepäck

Eine Hoffnung, die bedauerlicherweise unerfüllt bleiben sollte, riss ihn doch eine Krebserkrankung jäh aus dem Leben. Ein Leben, das er über viele Jahre mit seiner Frau Margarita (71) teilte: „Im September hätten wir unseren 52. Hochzeitstag gefeiert“, sagt sie. „Andreas war immer ein sehr lebenslustiger Mensch, der die Natur liebte und sehr gerne im Revier unterwegs war. Er genoss unsere gemeinsamen Spaziergänge. Noch in der vergangenen Woche waren wir beide im Schlosspark Borbeck unterwegs.“

Viele seiner Eindrücke hielt Andreas Koerner in Bildern fest, ob mit Bleistift oder Pinsel. Das Malen war seine Passion; in der Künstlergruppe „Die Kurve“ galt er als treibende Kraft. Ging er auf Tour, dann war sein Malblock eigentlich immer dabei. „Er setzte sich dann auf eine Bank, eine Wiese oder einfach an den Straßenrand und begann zu zeichnen, was ihm gerade vor die Augen kam“, erzählt Margarita Koerner. „Das war einfach seine Art. Unkonventionell und spontan.“ Den letzten Borbecker Heimatkalender hatte er noch ausnahmslos mit eigenen Aquarellen ausgewählter Borbecker Orte illustriert.

Letzte Ruhestätte in Venlo

Seine letzte Ruhe wird Andreas Koerner auf eigenen Wunsch im Naturbegräbniswald Venlo finden.

Dem Autor dieses Nachrufs sei an dieser Stelle ein letzter Gruß erlaubt: „Lieber Andreas, Du warst mir immer ein geduldiger und versierter Ansprechpartner für alle Dinge, die Borbeck bewegen. Aber vor allem warst Du mir ein geschätzter Freund. Ich werde Dich vermissen.“

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