Soziales

Essener Tafel nimmt weiter Festtagspakete für Bedürftige an

Die Ausgabe von Weihnachtspäckchen an Bedürftige ist bei der Essener Tafel eine gute Tradition. Die Einrichtung am Wasserturm im Huttrop hält daran fest, bevorzugt als Spende aber Geschenkgutscheine.

Die Ausgabe von Weihnachtspäckchen an Bedürftige ist bei der Essener Tafel eine gute Tradition. Die Einrichtung am Wasserturm im Huttrop hält daran fest, bevorzugt als Spende aber Geschenkgutscheine.

Foto: Foto: von Born

Essen.  Defektes Spielzeug, Kleidung verschlissen – viele Tafeln nehmen keine Weihnachtspakete mehr an. Warum die Essener Tafel an der Aktion festhält.

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Wie muss sich ein Kind fühlen, das zu Weihnachten in freudiger Erwartung ein Päckchen auspackt und es findet altes, abgenutztes Spielzeug darin? Wie ein Erwachsener, der verschlissene Kleidung geschenkt bekommt? „Es geht auch um Würde“, sagt Jörg Sartor, Chef der Essener Tafel. Doch die bleibt leider oft auf der Strecke, auch wenn Menschen meinen, etwas Gutes zu tun.

So sorgte die Tafel in Bochum-Wattenscheid jüngst für Schlagzeilen, weil sie in diesem Jahr keine Weihnachtspäckchen mehr für Bedürftige annimmt. Der Grund für den Annahmestopp: Bürger hätten in der Vergangenheit wiederholt Päckchen mit uralten Kleidungsstücken oder kaputten Spielsachen abgegeben. „Dafür muss man sich schämen“ sagte der dortige Tafelvorsitzende Manfred Baasner.

In Päckchen fanden sich Dinge, die im Mülleimer gut aufgehoben gewesen wären

Jörg Sartor will da nicht widersprechen. Auch bei der Tafel am Huttroper Wasserturm sei es nicht nur einmal vorgekommen, dass sich in Weihnachtspäckchen Dinge fanden, die im Mülleimer gut aufgehoben gewesen wären. „Gerade was Spielzeug angeht, muss ich meinem Kollegen leider recht geben“, bedauert Sartor. Da scheint der jährliche Spendenaufruf zugunsten von Bedürftigen manchem eine willkommene Gelegenheit zu sein, um das Kinderzimmer von Sohnemann oder Töchterchen auszumisten.

Sartor kann darüber nur den Kopf schütteln. „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn ein Kind ein Geschenk bekommt und dann ist da ein Auto mit drei Rädern drin oder eine Puppe ohne Haare.“ Für Spendenaktionen nach dem Motto „Bring doch mal Dein Lieblingsspielzeug mit….“ hat der Tafel-Vorsitzende deshalb gar kein Verständnis.

Für viele Spender gehört ein Päckchen an die Essener Tafel zu Weihnachten dazu

Gleichwohl nimmt die Essener Tafel auch in diesem Jahr wieder Weihnachtspäckchen an, wie Sartor betont. Ein Vorstandsmitglied hatte dies noch jüngst öffentlich verneint mit dem Hinweis auf organisatorische Gründe. Die Aussage des Kollegen sei „falsch rübergekommen“, sagt Sartor. Denn die meisten Spender meinen es nicht nur gut, sie machen es auch gut. Für viele Firmen, Nachbarschaften und einzelne Bürger gehört ein Päckchen für Bedürftige dazu.

Seit zwölf Jahren nimmt die Tafel am Wasserturm Weihnachtsgeschenke entgegen. „Da kommt die Oma auch mit der Straßenbahn.“ Das ältere Ehepaar, das dafür jedes Jahr am Wasserturm vorfährt, um Päckchen persönlich abzugeben, sei schon da gewesen. Obwohl der betagte Herr am Steuer kaum noch aus dem Wagen kommt.

Der logistische Aufwand ist für die Essener Tafel inzwischen erheblich

Größere Sammlungen, die in Betrieben und auf Weihnachtsfeiern zusammen kommen, holt die Tafel ab. Der logistische Aufwand sei mittlerweile allerdings erheblich. Es ist schon vorgekommen, dass sie im Wasserturm gar nicht mehr wussten, wo sie die vielen Pakete zwischenlagern sollten. Auch deshalb bevorzugt die Tafel inzwischen Geschenkgutscheine.

„Vor zwei Jahren ist eine Stiftung auf uns zugekommen und hat 300 Geschenkgutscheine à 25 Euro für einen Einkauf im Supermarkt gespendet, die wir an Senioren weitergegeben haben“, berichtet Sartor. Die Aktion sei sehr gut angekommen, so dass die Tafel gerne daran festhält. Als die Tafel erfreulich viel Geldspenden verbuchen konnte, gab es bei der Lebensmittelausgabe für jeden Kunden einen Lebensmittelgutschein im Wert von 20 Euro dazu.

„Natürlich freuen sich die Leute auch über ein Päckchen, aber nicht immer ist das drin, was sie sich vielleicht erhofft haben“, sagt Sartor. „Für uns bedeuten Gutscheine weniger Arbeit, und wir haben den Eindruck, unsere Kunden sind zufriedener.“ Für viele Menschen sei der Weg zu Tafel eine Überwindung, berichtet Sartor. Zumindest zu Weihnachten soll es ihnen etwas leichter fallen.

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