Kultur

Essener Stifterin will Kinder für Kunst und Musik begeistern

Ulrike Nitschmann, pensionierte Lehrerin aus Essen-Bredeney, hat die Kikumu-Stiftung vor knapp sieben Jahren gegründet.

Ulrike Nitschmann, pensionierte Lehrerin aus Essen-Bredeney, hat die Kikumu-Stiftung vor knapp sieben Jahren gegründet.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Essen-Bredeney.  Vor sieben Jahren gründete Ulrike Nitschmann aus Bredeney die Kikumu-Stiftung. Gefördert werden begabte Kinder und Projekte in Schulen und Kitas.

Kinder, besonders aus bildungsfernen Familien, mit Kunst und Musik in Verbindung zu bringen, ist Ulrike Nitschmann aus Essen-Bredeney schon immer ein Anliegen gewesen – und das nicht nur als Grundschullehrerin. Vor knapp sieben Jahren hat sie die Stiftung „Kikumu – Kinder brauchen Kunst und Musik“ ins Leben gerufen.

Acht Projekte, darunter die Einzelförderung von talentierten Kindern, hat die Stiftung schon mitfinanziert. Und es sollen viele weitere werden. „Im Moment passiert wegen Corona natürlich so gut wie nichts. Zwei Projekte waren für dieses Jahr geplant, die aber jetzt erstmal nicht realisiert werden können“, sagt die pensionierte Lehrerin, die eigentlich aus der Tschechoslowakei stammt und seit 1952 in Essen lebt.

Stifterin war an Grundschulen in Essen-Huttrop und Überruhr tätig

Als Grundschullehrerin war sie in Huttrop und Überruhr tätig, unterrichtete Kunst und Musik, die sie als Wahlfächer während des Studiums belegt hatte. „Wenn der Unterricht ausfällt, sind diese Fächer besonders oft betroffen, weil man sie für nicht so wichtig hält. Eine Meinung, die ich keinesfalls teile“, sagt Ulrike Nitschmann. Für sie sei die Beschäftigung mit Bildern oder Musikstücken die perfekte Gelegenheit, sich intensiver mit etwas zu beschäftigen, das man vielleicht als fremd und rätselhaft empfinde, das einen aber bei näherer Betrachtung durchaus faszinieren könne. „Das kann entscheidend zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen“, so Ulrike Nitschmann.

Anfang 2014 setzte sie ihre Idee, eine gemeinnützige Stiftung zu gründen, in die Tat um. Diese wird von der Stadt Essen verwaltet und hat ihren Sitz im Folkwang-Museum. Einmal im Jahr kommt der Stiftungsrat, bestehend aus Ulrike Nitschmann, Peter Daners, Kurator Bildung und Vermittlung am Museum Folkwang, und Detlef Neumann von der Folkwang-Musikschule, zusammen.

Stiftungsrat berät über Finanzen und Projekte

„Dann wird über mögliche Projekte und deren Finanzierung gesprochen“, sagt die Bredeneyerin, die seit 2010 als Volunteer im Folkwang-Museum arbeitet. „Dabei erlebe ich Schulklassen oder andere Kindergruppen, die quasi ein Abbild der Bevölkerung sind und aus ganz verschiedenen Kulturen kommen.“ Die Auseinandersetzung mit Dingen, die einem anfangs fremd seien, bringe einen persönlich weiter, so ihre Erkenntnis.

Projekte von Folkwang-Musikschule, Folkwang-Museum und der Folkwang-Universität der Künste stehen für die Stifterin im Mittelpunkt. „Gerade institutionsübergreifende Projekte haben ihren besonderen Reiz“, findet Ulrike Nitschmann und erinnert sich gern an ein Projekt, bei dem Kinder im Rahmen eines Workshops Musik zu Bildern des Folkwang-Museums komponierten, die sie sich vorher ausgesucht hatten. Auch ein Nachmittag zum Liederbuch von Schriftsteller Tomi Ungerer mit gemeinsamem Singen und Gestalten oder eine Kooperation mit der Gitarrenklasse der Folkwang-Musikschule seien solche Projekte, die die Stiftung fördere.

In Corona-Zeiten liegt der Schwerpunkt auf der Einzelförderung

In Corona-Zeiten seien solche Workshops nicht möglich. Der Schwerpunkt liege derzeit auf der Einzelförderung von begabten Kindern, denen zum Beispiel das Erlernen eines Instruments ermöglicht werde, wenn die Eltern das Geld für den Unterricht nicht aufbringen könnten.

Kinder seien eine besondere Zielgruppe. „Sie gehen offen, neugierig, unvoreingenommen und ohne Berührungsängste an die Sache heran, auch wenn sie sie nicht kennen“, so die Stifterin. Das Interesse und die Freude an Kunst und Musik zu wecken, aber auch kreative Prozesse bei den Kindern in Gang zu setzen, sei ihr Anliegen. Alle Sinne der Kinder sollten angesprochen werden, so könne das Bewusstsein erweitert werden.

Stiftung beteiligt sich an der Finanzierung von Projekten

Ihre Stiftung verfüge nur über kleines Kapital. „Aber man muss ja auch nicht die Projekte komplett finanzieren, sondern kann sich gemeinsam mit anderen engagieren.“ Die Stiftung unterstütze vorrangig Projekte mit Kindergarten- oder Grundschulkindern. „Aber die Grenzen sind da fließend, auch die Förderung von Elf- oder Zwölfjährigen ist möglich.“

Über sogenannte Zustifter, die sich für ihre Idee begeistern und das Stiftungskapital vergrößern möchten, würde sich die Bredeneyerin freuen. Aber auch die Förderung einzelner Projekte sei möglich. Das Kapital der Stiftung bleibe unangetastet, die Projekte würden aus den Zinsen finanziert. „Das ist natürlich in heutiger Zeit, in der es so gut wie keine Zinsen mehr gibt, ein großes Problem und eine Herausforderung für alle Stiftungen.“

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